Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 7 (Juli 1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 134 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 134 — spiels, der Vorhang ist gefallen! Das Knattern und Dröhnen der Gewehre und Kanonen im Bürgerkrieg bildet das traurige Nachspiel. Aber schon drängt alles weiter, wir Jungen insbesondere. „Was nun? Was kommt jetzt? Was ist das Nächste?" So fragen wir alle jetzt, wie Kinder, die, da kaum das eine Stück zu Ende ist, von Neugierde auf das nächste brennen. Und in dem unentwirrbaren Gewimmel der Zwischenpause, da alles wogt und flutet, hört man schon das neue Stück benennen. Anerkannte Geistesgrößen sprechen es aus, was wir alle ahnen, empfinden, wünschen. In uns wogt es, noch sind wir aufs tiefste erschüttert von den gewaltigen, unsagbar grausigen letzten Auftritten des vorangegangenen Dramas, des Dramas, aus dem wir lernen sollen, nun selbst auf der Weltenbühne ein edleres, schöneres und friedlicheres Stück zu spielen. Danach sehnt sich unser Inneres, denn es braucht Heilmittel für die schweren und tiefen Wunden, die unser Herz empfangen hat. So wogt und wirkt es in jeder Brust, und allmählich wird der brennende Wunsch zum Wort, und das Wort wird stärker und schwillt zum Schrei aus tiefster Herzensnot. — Aufbau! . . . Erneuerung! — Ja, Aufbau! Erneuerung! Überall regt es sich, mitzuhelfen an diesem so unendlich großen und schweren Werke. Alle Kräfte werden wach und regen sich. Hier sammelt der Philosoph seihe Jünger um sich, dort versucht ein anderer «auf anderem Wege zum gleichen Ziel zu gelangen und sogar die hohe Gestalt des indischen Greises bringt uns ihr Bestes: die Botschaft der indischen Wälder! Aber die Alten sind matt; die so tieftraurigen Rollen, die sie im eben erst beendeten Drama spielen mußten, haben ihnen die Kraft genommen. Und so gelangt der Ruf der Zeit an die Jugend! und die Jugend ist stark, ist frisch, und kampfesmutig, ist froh bereit, ihr Bestes herzugeben. Aber — sie hat gelernt! Hat aus den traurigen Erfahrungen der Alten gelernt, ihre Kraft nicht zu vergeuden an eitlen Tand und Flimmer, ist . sich bewußt geworden, daß nur das Beste, Höchste dieser Kraftentfaltung wert ist und — sie sucht es, sucht es mit der Vollkraft ihres jugendlichen Herzens, mit jugendlichem Feuer und Begeisterung für alles wahrhaft Edle! Viele glauben das Ideal gefunden zu haben, wenn sie von Sozialismus faseln oder von Nationalismus, von Naturwissenschaft oder Philosophie, von Religion oder Atheismus, aber s i e sind nicht die wahre, echte Jugend, gehören nicht zu ihr, die mit sich selbst ringt um dieses Ideal, das sie wohl ahnt, fühlt, aber auch heute noch nicht als festen Besitz in sich trägt. Die wahre Jugend ringt und weiß selbst nicht warum, kämpft, ohne den Preis des Sieges zu kennen, aber