Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 92 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 92 — senen Widerstand gerade der Amerikaner stoßen, die noch heüte, als Zeichen ihrer Abstammung deutsche Namen tragen/' Und an einer anderen Stelle sagt der Verfasser dieses Artikels, Erich von Salzmann: „Immer wieder wird mir auf die Frage nach der Nationalität geantwortet: ,Ich bin Deutscher.' Wenn ich dann weiter frage: ,Aber. Sie sind doch amerikanischer Bürger?' ,Aber selbstverständlich.' — Diese Amerikaner deutscher Abstammung, die durch das Wilsonsche Regime, getrieben durch die englische maßlose Propaganda während des Krieges, außerhalb jedes Gesetzes gestellt worden sind, haben mit wenigen Ausnahmen, die von ihnenbeschworene Verfassung ihres Landes voll erfüllt und diesem Lande auch den Kriegsdienst gegen die Angehörigen der alten Heimat nicht verweigert. Sie haben ihre Steuern und Abgaben bezahlt, haben die Kriegsanleihen gezeichnet, und viele von ihnen sind an Kriegslieferungen reich geworden. Wenn gerade diese letzteren heute einen Teil ihrer Kriegsgewinne durch Wohltätigkeit an die alte im Elend befindliche Heimat wieder zurückgeben, so erfüllen sie damit eine mir fast selbstverständlich erscheinende Pflicht. D i e größten Wohltäter auf diesem Gebiete wollen hier nicht genannt sein. Sie sind es, die ein stilles Seelenmartyrium — wohl gleichbedeutend mit der furchtbaren physischen Belastung der Heimat selbst — hier während des Krieges durchgemacht haben. Vor die» sen Helden müssen wir den Hut abnehmen. Andere verstehen es, heute mit großer Reklame ihren Namen bei der Wohltätigkeit in den Vordergrund zu schieben. Das ist nun einmal der Lauf der Welt. Es sind nicht die besten, die sich nur immer in bengalischem Licht der Rampenbeleuchtung der Menge zeigen wollen und die den größten Wert darauf legen, daß ihre Namen täglich in den Zeitungen erscheinen,, damit die breite Masse wisse, welch ungeheure Leistungen sie vollbracht haben." Wir haben diese Stellen aus dem besagten Artikel in etwas größerer Ausführlichkeit gebracht, weil sie für die Frage der Assimilierung und der Assimilanten von ausschlaggebender Bedeutung ist. Setzen wir statt „Deutsche" überall „Juden" und statt „Amerika" — „Deutschland", dann treffen sie völlig auf unsere gegenwärtige Lage zu. Selbst das „Seelenmartyrium" der Deutschen, däs der Verfasser so anschaulich schildert, haben wir Juden im Weltkriege erlitten und erleiden es noch heute. Und diese Seelenmär* tyrer werden von den Geg n e rn des liberalen Judentums „A ssimilanten" gescholten!--■ Dieses Scheltwort, mit welchem sie der allgemeinen Verach-