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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-05-01 · Heft 5 (Mai 1921) · p. Seite 90

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 5 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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— 90 — lichste Beweis für die Naturnotwendigkeit der assoziativen Verschmelzung. Und die meisten dieser mit Recht anerka nn ten Schriftsteller und Dichter, welche bisweilen nicht vo r der Darstell u n g spezifisch christlicher Religionsdogmen, Festgeb räuclie und Sitten zurückschrecken, stehen im jüdisch-völkischen Lager! — Hier müssen wir allerdings dem oben angeführten Zionistenführer Recht geben, der behauptet, daß sich das zionistische Problem nicht immer auf logischem Wege lösen läßt. Wir haben bereits angedeutet, daß die religiösen Vorstellungen der jüdischen Seele bei der Verschmelzung nicht völlig verschwinden dürfen. Daß trotzdem die Assimilierung zu Taufen und Mischehen geführt hat, ist also keine not* wendige Folge der Assimilation. Diese Assimilanten sind aber nicht erst, wie die Zionisten »behaupten, ein Opfer der Juden-Errianzipation geworden, denn es gab bekanntlich Abtrünnige schon Jahrhunderte vor der Juden-Emanzipation. Es ist ferner eine geschichtliche Fälschung, wenn die Zio* nisten behaupten, daß man stets als Vorbedingung für die Emanzipation von uns die Taufe verlangt hat. Wohl gab es Fanatiker unter den christlichen Theologen, die ein solches Verlangen gestellt haben, aber wenigstens in den deutschen Staaten ist in keinem Emanzipationsgesetze eine Abkehr vom jüdischen Glauben verlangt worden. Was verlangt, oft auch nur erwartet worden ist, das war die Einheit der Sprache in Handel, Verkehr, Schule und Wissenschaft, die Assimilierung der kulturellen unct geschichtlichen Vorstellungen, die Mitarbeit an den Aufgaben der Wirtsvölker. Daß bei .dieser gewaltigen Umwälzung aller seit Jahrtausenden gehegten Vorstellungen in der jüdischen Seele Übereifrige mein« ten, auch das letzte Bollwerk, das sie nach ihrer Meinung bisher von ihren Mitbürgern geschieden hat, zerstören und die Taufe annehmen, Mischehen schließen und ihre Kinder „christlich" erziehen zu müssen, ist eben eine natürliche Erscheinung, wie sie oft bei so grundlegenden Umwälzungen eintritt. Merkwürdig ist der Umstand, daß die Zionisten in Deutschland nur die deutschen Assimilanten schmähen, für die englischen, amerikanischen, französischen, holländischen und — russischen Assimilanten jedoch kein Wort des Tadels finden. Das Rätsel ist gelöst, wenn wir bedenken, daß diese ausländischen Assimilanten zum größten Teile die Förderer der jüdisch-völkischen Bestrebungen sind, wie die Begründung der öffentlich rechtlichen Heimstätte in Palästina beweist. Ebenso haben auch -die reichen Zuwendungen der

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