Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2550626-2550646-2550651--394-2551121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 5 1 Mai 1921 1 Jahrg. III Inhalt: Assimilierung und Assimilanten.— Protokoll.—Austritt der ostpreußischen Jugend * vereine aus dem neutralen Verband. — Vom Büchertisch. — Vereinsnachrichten. Assimilierung und Assimilanten. Von Hermann Becker (Berlin). I. Keinen besseren Trumph glauben die Gegner des liberalen Judentums ausspielen zu können, als wenn sie seine Anhänger „Assimilanten" schelten und ihnen die Assimilierung als todeswürdiges Verbrechen ankreiden. Diese Scheltworte und dieses Urteil unserer Gegner sollen aber — trotz der gleichen Bezeichnung — nicht immer dasselbe Vergehen, oder (im Sinne unserer Gegner) dasselbe Verbrechen treffen. Denn während die Orthodoxie uns religiöse Assimilierung zum Vorwurfe macht, wollen die Zionisten uns der politischen und nationalen Assimilierung als eines schandbaren Verbrechens bezichtigen. Schon diese Uneinigkeit in den Reihen unserer Gegner über den Begriff der Assimilierung beweist, daß sie sich selbst darüber nicht klar sind. Sie beweist aber ferner auch die Notwendigkeit, uns gerade je^zt, wo man die Hilfe der Liberalen trotz ihrer assimilatorischen Belastung für den Wiederaufbau Palästinas gerne und freudig in Anspruch nimmt, in einer Zeit, wo die wirtschaftliche Not uns zwingt, mehr realpolitisch, als idealistisch zu denken und zu handeln, mit unseren Gegnern über Assimilierung und Assimilanten auseinander zu setzen. — IL Assimilierung (lat.) Anähnlichung bezeichnet einen Naturvorgang, eine sprachliche Erscheinung und endlich eine gedankliche Verbindung. Es ist wohl überflüssig, an dieser Stelle über die ersten beiden Arten der Anähnlichung näheres" mitzuteilen. Für die folgenden Erörterungen kommt nur die letzte Art der Assirnilierung in betracht. Nach Wundt bezeichnet die Assimilation der Vorstellungen die unmittelbare assoziative Verschmelzung von zusammengesetzten Vorstellungen zu einem Ganzen. „So ist z. B. die Vorstellung über die Entfernung eines Gegenstandes durch Assimilation