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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-04-01 · Heft 4 (April 1921) · p. Seite 74

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 4 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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— 74 — wissen. Unsere Richtung fühlt sich stark genug, dies gerne anerkennen zu können. Könnten wir dies nicht, wir hätten wahrlich kein «Recht, die Gefahren, die jene Richtungen dem Judentum bringen, aufs schärfste zu bekämpfen. So etwas kann nur der, der selbst eine feste Uberzeugung hat, der selbst nicht neutral' ist. Denn neutral bedeutet gleichgültig, und gerade das ist eines der Verdienste der verschiedenen Richtungen, die deutschen Juden aus ihrer Gleichgültigkeit emporgerüttelt zu haben. „Aber soweit werden Sie mich doch kennen", höre ich Sie antworten, „daß ich eine solche Gleichgültigkeit des einzelnen gar nicht wünsche. Nur wenn sie zusammen kommen, sollen sie alles trennende zurückstellen und das Gemeinsame betonen." Beträchten 'wir einmal das Gemeinsame, zu dem sich die jüdische Jugend in einem neutralen Verein zusammenzufinden vermag. In früheren Jahren bestand es in französischen, englischen, stenographischen und literarischen Kursen und aus Vorträgen über alle Gebiete, darunter auch solchen aus jüdischer Geschichte und Literatur. Wenn mian es als die Aufgabe eines jüdischen Jugendvereins betrachtet, für die allgemeine und jüdische „Weiterbildung" der Jugend zu sorgen, außerdem großstädtischen jungen Leuten, die ohne Familie sind, ein Heim zu bieten, so wird niemand die wohltätige Lösung dieser Aufgaben den neutralen Jugendvereinen bestreiten und ihnen Anerkennung versagen. Aber damit allein ist die Jugend heute nicht mehr zufrieden. Sie muß selbst Stellung nehmen. Und das wird von keiner Seite mehr bestritten. Sie ringt heute um ihr Judentum, und sie empfindet es recht schmerzlich, daß die Generation vor ihr einen großen Teil des Erbes der Väter vergeudet hat. Und so muß sie darumi kämpfen, es wieder zu besitzen, kämpfen ohne Scheu und konsequent, um ans Ziel zu kommen. Wie vermöchte sie' das an einer Stätte, wo jeder von der anderen Seite herkommt und doch keiner des anderen Weg kreuzen soll? Das ist eine Unmöglichkeit. Und so standen die neutralen Vereine vor einer Krise. Sie empfanden, Stellung soll und muß die Jugencl nehmen. Wie vermag sie das, ohne daß die Neutralität darüber in die Brüche geht? Wie ist diese Aufgabe gelost worden? In den kleinen Gemeinden, in denen nur eine Richtung vertreten ist, ist es ja einfach. Da alle entweder konservativer oder liberaler Gesinnung sind, bestehen ja nicht mehrere. Parteien, folglich kann man sich neutral nennen, ohne daran gehindert zu werden. Oder aber die Liberalen als die tole-

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