Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 4 1 April 1921 | Jahrg. III Inhalt: Pessachgedanken. —- Liberalismus.— Die neue Jugend und das Judentum,— Neutralität — Der Zionismus in Theorie und Praxis. — Aus Bibel und Schrifttum. — Briefkasten. — Büchertisch. — Vereinsnachrichten. — Spenderliste. Pessachgedanken. Von Rabbiner Dr. Vogelstein. In sorgenvoller Gegenwart trägt der Zauber der erwachenden Natur in diesen Frühlingstagen einen Strahl von Freude und Hoffnung selbst in das bedrückteste Menschenherz. Nur wer gänzlich stumpf gewoiden ist, kann , achtlos daran vorübergehen^ Die jüdische Religion hat den hohen seelischen* Wert der Naturbetrachtung und den unlöslichen Zusammenhang des Menschen mit der Natur vollauf zu würdigen gewußt. Der Frühling hat sein religiöses Fest, die Freude an der Natur soll zu dem Schöpfer, zu dem Gott führen, der der Natur ihr ewiges Gesetz des Werdens und Vergehens eingepflanzt hat, und soll dadurch über den Augenblick hinausgehoben und veredelt werden. Aber ,,unfühlend ist die Natur". Und es ist das Große und Charakteristische des jüdischen Monotheismus, daß er — darin von Anfang an anders als alle antiken Religionen —^ niemals Naturreligion gewesen ist, so eng der Zusammenhang mit der Natur blieb,, sondern daß er über der Natur waltend Gott gesucht und gefunden hat als ewige, heilige Weltenmacht. Humboldt hat darauf hingewiesen, daß die Naturpoesie der Hebräer sich dadurch grundsätzlich und grundlegend von der Naturpoesie aller anderen Völker unterscheidet, daß ihr die Natur nicht etwas für sich Bestehendes, um seiner selbst willen zu Verherrlichendes, sondern etwas wie^ Angeordnetes, Geschaffenes ist, der lebendige Ausdruck Gottes in den Werken der Sinnenwelt. Auch in die Naturbetrachtung wird darum das religiös-sittliche Moment hineingetragen. Das kommt mit aller Schärfe am Schlüsse des 11-4. Psalms zum Ausdruck, wo nachdrücklich betont wird, daß der Herr der Natur und der Gott Jakobs, der Gott des Sittengesetzes, ein und derselbe ist. So wird der Dualismus dieser beiden Welten, der Naturwelt und der Sittenwelt, rückhaltlos anerkannt, Aber er wird überbrückt und findet seine