Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Date
- 1921-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 26 — Die Gesamtorganisation der deutschen Juden. Der 23. Januar 1921 wird einen Markstein in der Geschichte der deutschen Judenheit, ja in der jüdischen Geschichte überhaupt, bilden. Der gewaltig besuchte ,15. Gemeindetag des deutsch-israelitischen Genieindebundes hat mit allen gegen zwei Stimmen des äußersten Flügels der Trennungsorthodoxie beschlossen, dem Freund'schen Entwurf zur Satzungsänderung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes zuzustimmen. Das bedeutet, daß der deutsch-israelitische Gemeindebund nunmehr sich eine Satzung gegeben hat, die ihn befähigen soll, gemäß Artikel 137 der Reichsverfassung als Körperschaft öffentlichen Rechtes die Interessen der in ihm zusammengeschlossenen jüdischen Gemeinden wahrzunehmen. Da unter den zustimmenden Gemeinden alle Großgemeinden und die überwältigende Mehrzahl der Mittel- und Kleingemeinden sich befunden haben, da insbesondere auch die Vertreter des bayerischen Gemeindeverbandes ihre Zustimmung erklärten und auch die anwesenden badischen und württembergischen Vertreter für den Entwurf gestimmt haben, so ist kein Zweifel daran möglich/daß tatsächlich mit dem 23. Januar der sehnlich erwartete und dringend notwendige Zusammenschluß aller jüdischen Gemeinden Deutschlands — mit geringfügigen Ausnahmen — erfolgt ist. Schon die Tatsache des Zusammenschlusses allein ist von geradezu unermeßlicher Bedeutung. Wer die Verhältnisse im deutschen Judentum kennt, die beklagenswerte Zersplitterung, den häufigen Kamjpf der Weltanschauungen und Parteien, der wird den Gemeindetag mit erhebendem Gefühl verlassen haben. Hat doch endlich einmal über die Zerklüftung die Einigkeit der deutschen Juden gesiegt! Überdies ist der Entwurf aufgebaut auf völlig demokratischer Grundlage. Aus allgemeinem, gleichem und geheimem Wahlrecht beider Geschlechter, auf Grund der Verhältniswahl wird der Bundestag des neuen D. J. G. B. erstehen und ein lebendiges Abbild der Kräfte darstellen, die die deutsche Judenheit in sich birgt. ♦ Schon der moralische Erfolg dieser Tatsachen, der Sieg des Einigkeitsgedankens über den Parteigeist, der Sieg des demokratischen Gedankens über veraltete aristokratische und plutokratische Interessen, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Es ist der Sieg des Gedankerfs, den auch wir Liberalen, deren Judentum von der Idee der Religionsgemeinschaft getragen ist, seit Jahren verfochten haben. Das Fundament ist gelegt, die Aufbauarbeit kann beginnen. Diese Schaffung der Gesamtorganisation ist nicht nur eine Erfüllung, sondern noch vielmehr eine Verheißung und ein Ansporn.