Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — gefördert. Anders steht es aber mit dem zweiten von L. geleugneten Gegensatz. Denn die „Verleihung jeder religiösnationalen Freiheit an die Juden in, der Diaspora" steht im ■direkten Gegensatz zu den Interessen des Staates. Was heißt das überhaupt ,,religiös-nationale Freiheiten". Religiöse Freiheiten sind den Juden in der Diaspora niemals, selbst nicht von den antisemitisch regierten Staaten, genommen worden, sondern nur bürgerliche. Nationale Freiheiten an die Juden in der Diaspora, wie sie die Zionisten verlangen, als da sind: Eigene Verwaltungsbehörden, eigene Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache, womöglich noch eigene Landtage und eigene Richter, kann kein Staat, der die nationale Einheit seiner Bürger und die Einheit seiner Kultur als unbedingtes Erfordernis für seine Erhaltung erachtet, einer Minderheit seiner Volksangehörigen verleihen. — Würden die Staaten das tun, dann könnten beispielsweise die Iren in England, die Wenden, Polen, Dänen, Flamen, Litauer, Kassuben in Deutschland mit vollstem Rechte auf diese Bevorzugung der „jüdischen Nation"* hinweisen und die Staatsregierung der Ungerechtigkeit zeihen. — Noch eines hat L. in seinem Artikel im Widerspruch mit den Tatsachen seinen Lesern mitgeteilt, was dringend der Richtigstellung bedarf. L. behauptet: „Da stand die Jugend auf und brach die Knechtschaft und war frei. — Diese Jugend wandte sich ab von ihren Eltern und Erziehern — sie lauschte den verführenden Stimmen der Vergangenheit. — Aus der Erkenntnis, was die Judenfrage in Wahrheit ist, aus dem Willen, der eigenen Sache zu dienen, kam dem neuen jüdischen Geschlecht die innere Ruhe und Sicherheit, kam die Versöhnung mit dem eigenen Geschick!" — Auch diese Stelle ist ein Beispiel dafür, wie einem begeisterten Fanatiker die Vernunft mit dem Herzen durchgehen kann. Neben der von L. so hochgepriesenen zionistischen Jugend — ich habe an anderer Stelle die Ursachen für die Verbreitung des Zionismus in einem Teile der Jugend nachgewiesen — sind in der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen (nicht zionistischen) Jugendorganisationen etwa 60 000 jüdische Jünglinge und junge Männer vereinigt, die sich „nicht von ihren Eltern und Erziehern abgewendet habe n", sondern nach den oben angeführten Mahnungen des Propheten leben wollen. Ist es Herrn L. nicht bekannt, daß gerade die akademische christliche Jugend, ja selbst schon die Schüler höherer Schulen, gerade wegen der nationalen jüdischen Bewe g u n g die jüdischen Kamiiitonen und Mitschüler ächten, sie nicht für satisfaktionsfähig halten und in jeder Weise beschimpfen? Weiß Herr L. nicht, daß diese Ächtung, an welcher die nicht-