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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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— 10 — Vorurteilen aufzuräumen und nicht immer von ne uem der Lektüre unserer Zeitungen und u n serem Umgange unterliegen! Das ist notwendiger, um von Tag zu Tag der wirklichen Wahrheit und des Lebens nach der Wahrheit in der ewigen Lebensfülle gewisser zu werden und um uns auf die beste Weise den Menschen wiederum hingeben und ihnen das Beste hingeben zu können." Das Interessanteste an dem Brunnerschen Artikel ist eine aus seinem Buche „Peutschenhaß, Judenhaß und Judenhaß der Deutschen*' mitgeteilte Stelle, di*e das Verhältnis der konservativen Partei zu den Antisemiten und zu den Juden beleuchtet und Mittel vorschlägt, die Juden für die konservative Partei zu gewinnen! Wir begnügen uns auch hier mit einem kurzen Auszuge. Brunner fordert von der konservativen Partei eine völlige Trennung von den Antisemiten. Der Judenhaß ist ein Menschenhaß, wozu die Menschen immer zu haben sind. Der Judenhaß aber hat, wie männiglich bekannt, seine Ursache in der Beschuldigung, daß die Juden die Zerstörer des monarchischen Staates gewesen sind. Sind die Juden imdner an allem schuld, dann sind sie auch an der Gründung der konservativen Partei schuld, und diese Behauptung ist nicht scherzhaft zu nehmen, sondern eine von den wenigen, welche durch Tatsachen bewiesen werden können, denn der Schöpfer des Parteiprogramms ist der Jude Stahl. So können die Juden eben alles werden, nur nicht Antisemiten, während die Antisemiten nichts werden, sondern nur Antisemiten sein können. Könnten Juden Antisemiten werden, so könnten vielleicht auch die Antisemiten noch etwas werden; es ließe sich vielleicht ein Jude finden, der den Antisemiten den Antisemitismus besorgte und eine richtige antisemitische Partei machte. Denn eine eigentliche antisemitische Partei gibt es noch gar nicht, weil die besseren Elemente anderen Parteien angehören. — Das alles ist keine bloße Satire oder Ironie, sondern es ist die Konsequenz der antisemitischen Gedankengänge. Allein während die Antisemiten so ein Spezialismus in der Welt sind, sind und bleiben die Juden Menschen in unserer Welt, die wie andere Menschen auchalles Mögliche sein, werden und machen können. An dieser Tatsache ändert auch der Antisemitismus nichts, der die Juden zu Nichtmenschen machen will. — Und noch eins: Wenn die Antisemiten früher die Juden als Träger des Kapitalismus verdammten, dann müßten sie doch jetzt, da die Juden, nach ihrer Meinung, Träger des Kommunismus sind, ihren Judenhaß vermindern! Das ist doch die einzige logische Schlußfolgerung.

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