Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wismus dasselbe? Diesen Widerspruch lösen die Antisemiten mit einer „Geschwindigkeit, die keine Hexerei ist", indem sie sagen: Kapitalismus und Bolschewismus sind die schlauen Mittel der Juden, ans Regiment zu kommen. Nach dieser antisemitischen Beweisführung sind also Kapitalismus und Bolschewismus der Kern der Judenfrage? — Nein, der Kern der Judenfrage ist die Antisemitenfrage, und der Kern der Antisemitenfrage ist Mauscheleth sadon, der Hochmut (Nach der Übersetzung Brunner). — In den politischen Parteien haben hier und da tatsächlich einige Juden Führerrollen, dazu haben sie sich aber nicht gedrängt, sondern sie sind von ihren nichtjüdischen Parteigenossen infolge ihrer Fähigkeiten dazu berufen worden. Wenn diese Parteien nun zur Herrschaft im Staate gelangen, dann gelangen natürlich auch ihre Führer zur Herrschaft," aber doch nur deswegen, weil sie schon vorher Parteiführer waren. Haben nicht selbst die Konservativen den ehemaligen Juden Stahl zu ihrem Führer gemacht, der auch das konservative Parteiprogramm aufgestellt hat? Über den Bolschewismus selbst wollen wir nur kurz das Urteil Brunners anführen: Der Bolschewismus ist ein Unglück für unsere Kultur aber auch unser aller Unglück. Unsere Überzeugungen bilden sich nach unseren Interessen, soweit sie das Leben unserer Umwelt berühren. Anders ist es mit den Überzeugungen von den geistigen Gedanken und von unserer Besinnung auf das Ewige. Nicht ganz so, aber ähnlich setzte ja auch die Entstehung des Christentums im Römerreiche ein. Diese Bewegung ging jedoch von den Juden aus, und wie damals viele Juden dafür den Tod erlitten, so sind auch heute viele Juden Blutzeugen ihrer bolschewistischen Gesinnung geworden, eben weil sie Bolschewistenführer waren. Wie es eben verschieden interessierte Menschen gibt, so gibt es auch verschieden interessierte Juden. Das ist ihr gutes Menschenrecht, das sie verlangen dürfen und das wir ihnen gewähren dürfen. Es geht also nicht an, liberale, demokratische, sozialdemokratische und unabhängig sozialdemokratische, sowie zionistische Juden für den Bolschewismus verantwortlich zu machen! ■— An dieser Stelle unterläuft Brunner ein schwerwiegender Irrtum, auf den wir bei der Würdigung des Lichtheimschen Artikels zurückkomimen werden*: Er behauptet nämlich, daß 90 Prozent sämtlicher Juden Zionisten seien, während er dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens „ich weiß nicht: 200000 oder 300000 Juden, die sich zur deutschen Nationalität und zum jüdischen Glauben bekennen", zubilligt! — „W ir müssen die königliche Straße des Denkens gehen, um mit den alten