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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1921
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Antisemitismus — Zionismus — deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens im Urteile eines Christen und eines Juden, Von Hermann Becker- Berlin. I. Ganz eigenartige Blüten treibt die Geistes richtung unserer Zeit, nicht nur die ethische und die wirtschaftliche Richtung des Einzelnen. Man könnte mit dem seligen Kultusminister v. Müller sein Bierlied aus der schönen Studentenzeit einstimmen: „Rechter Hand — linker Hand, beides vertauscht, Straße, wie wunderlich siehst du mir aus!" Die ehemaligen Volksbeglücker, die vor Zeiten nicht scharf genug gegen Kapitalismus, den „Giftbaum der Börse" und Bewucherung der Ärmsten wettern konnten, sind jetzt selbst unter denjenigen zu finden, die Nahrungsmittelwucher treiben, während die Kapitalisten Vinter die Volksbeglücker gegangen sind. Die streng kirchlich Gesinnten schmähen die biblischen Urkunden — das alte und das neue Testament — und wollen das deutsche Volk mit dem streng germanischen Wotan- Kultus beglücken. Die ehemaligen Hüter der öffentlichen Moral, der Ordnung und des Wohlanstandes sind häufig genug bei den Razzias berüchtigter Lokale und Spielklubs gefunden worden und fordern öffentlich zum Ungehorsam gegen die bestehenden Gesetze auf. Man spricht nicht mehr von „vaterlandslosen Gesellen" auf der linken Seite, sondern ebenso häufig von Rechtsputschen, die mit Hilfe "unserer Feinde geplant waren; oft genug wurden sogar geheime Abmachungen zwischen Monarchismen und Komjmunisten oder doch mindestens den U. S. P. D. entdeckt. Und die Herren Antisemiten, die früher nicht laut genug den Kapitalismus der Juden in Grund und Boden verdammen konnten, tun jetzt mit ebenso großer Lungenkraft, ja oft in einem Atemzuge, den Bolschewismus der Juden der Welt kund. — Das Merkwürdigste haben wir aber erst die letzten Wochen erlebt: Vor uns liegen zwei größere politische Zeitschriften — nicht Tageszeitungen. Die eine wird allerdings von einem Juden geleitet, zählt aber zu ihren Mitarbeitern .nur hervorragende christliche Gelehrte: Volkswirtschaftler und Politiker; die andere wird von einem ehemaligen Glaubensgenossen redigiert, der in der Vorkriegszeit trotz seiner Abstammung zu den wütendsten Judengegnern zählte und nun plötzlich sein philosemitisches oder richtiger sein ostjüdisches, d. h. zionistisches Herz entdeckt hat. Die letztere Wochenzeitschrift ist lediglich politisch-polemischer Natur und brachte

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