Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr, 10 I Oktober 1920 | Jahrg. II Inhalt: Zur Seelenfeier i — Der Sabbath alt Gesetz und als ethische Forderung. — Die Thora, Quelle jüdischer Gemeinschaft. — Ethik und Religionsgesetz. — Der Einfluß der Reichsverfassung auf die Statuten der Synagogengemeinden. — Aus Bibel und Schrifttum. —- Spender-Liste. — Verbands- und Vereinsnachrichten. Zur Seelenfeier! Von Nelly Stiebel (Iii-Frankfurt a. M.). . . . Seele, vergiß sie nicht! — Seele, vergiß nicht die Toten! Tönen sie nicht wie aus einer andern Welt zu uns herüber; diese Worte, schaurig ernst, ^ehern, alles bloßlegend, aufrüttelnd, was von Gefühlen im Menschenherzen schlummert! Ein gewaltiger Mahnruf, der uns aufhorchen läßt im wilden Alltagsgetriebe, der uns auf einmal wieder fühlen läßt, daß wir doch nicht nur Maschinen sind, der wieder einmal an das rührt, was im täglichen Kampf beiseite geschoben, zusammengepreßt lag, — an unser innerstes Seelenleben! . . . . . . . Totengedenken ist nicht Pflicht in dem starren Sinn-, in dem wir sonst dies Wort gebrauchen, ich meine, Totengedenken ist etwas, was wir für unser Ich tun, zur Weihe des Lebens. Die Toten brauchen uns nicht, wohl aber wir die Toten! . . . Sie haben gekämpft und gerungen, nun haben sie Ruhe. . . . Wir aber kämpfen und ringen heute, und wir müssen uns Kraft holen, indem wir im! Geist uns vereinen mit unsern Toten. Und deshalb, weil uns dies so durchaus Notdurft ist, weil wir in diesem Sinn aus unserm Menschsein heraus gar nicht anders können, als pietätvoll sein, glaube ich auch fest, daß niemals eine Zeit kommen wird, wo man der Toten nicht mehr gedenkt, wo man den Satz: „Lasset die Toten ihre Toten begraben" ganz in die Praxis umsetzt. Ich meine, je mehr man Pietät als Pflicht von sich weist, und das tut unsere Zeit, um so näher muß man der Erkenntnis von der Pietät als Wohltat kommen. Und das wollen wir für die Zukunft hoffen! . . . Doch müssen nicht all diese Erörterungen müßig klingen, sobald es sich um Erleben handelt, wird ein Mensch, der eben einen schweren Verlust erlitt, nach der Pflicht der