Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 169 — Welches Maß von Begeisterung für den Liberalismus muß in einem liberalen Gemeindevorstand vorhanden sein, der dem Rabbiner die bittersten Vorwürfe darüber macht, daß er sich unterstanden hat, einen Iii ins Leben zu rufen. Die Arbeit des Alters liegt im wesentlichen auf praktischpolitischem, die Tätigkeit der Jugend vorwiegend auf religiöswissenschaftlichem Gebiet. Aus den bisher gemachten Ausführungen ging klar hervor, daß der jüdische Liberalismus eine religiöse Richtung ist, eine politische Tätigkeit also nur in soweit geübt werden soll, als sie notwendig ist zur Verwirklichung unserer Forderungen in bezug auf Gemeindeleben, Unterricht, Gebetbuch und Gottesdienst. Im Liberalismus ist und bleibt das geistig-religiöse das primäre, das praktisch-politische, das sekundäre Element. Dadurch daß die älteren Liberalen im wesentlichen liberale Politik getrieben haben, mußte Vder Liberalismus auf seinem ihm ureigenen Gebiet, dem Streben nach Erneuerung des Judentums versagen. Noch ist es Zeit, verhängnisvolle Fehler wieder gut zu machen, und wie es bei uns in Breslau immer mehr sich verwirklicht, gemeinsam mit der Jugend zu arbeiten. Dazu ist allerdings notwendig klar zu erkennen, daß die Arbeit, die zum Ziel führt, mit Begeisterung begonnen und ausgeführt, werden muß. Sie muß sich auf drei Gebiete erstrecken. Gewissermaßen als Vorbedingung, muß erfolgreiche äußere Propaganda betrieben werden, um die nötige Anhängerschar zu gewinnen, die für die kraftvolle Ausbreitung unserer Idee notwendig ist. Ferner muß unsere Tätigkeit darauf abzielen, innerlich aufzubauen. Darunter ist zu verstehen: Vermittlung jüdischen Wissens, Anregung zur Beschäftigung mit dem Schrifttum und der Geschichte, damit so der Einzelne in eine starke geistige Verbindung mit dem Judentum kommt und mit jüdischem Wissen versehen und vom jüdischen Geist durchdrungen mitwirken kann an der äußeren Erneuerung, dem dritten Arbeitsfeld. Um praktische Vorschläge zu machen und das, was in den ersten Anfängen stecken geblieben ist, wieder vorwärts zu bringen, hat die Jugend der liberalen Vereinigung anläßlich ihrer Tagung im Mai dieses Jahres folgende Wünsche übermittelt: Ufrn Anhänger ifür die Bewegung zu gewinnen, muß darauf gesehen werden, daß dort, wo Hauptvereine bestehen, auch) Iiis ins Leben gerufen oder wenigstens Jugendgruppen gegründet werden. Die liberalen Rabbiner', die in nicht ganz unberechtigter Verärgerung sich immer mehr und mehr zurückgezoggen haben, müssen für unsere Sache und besonders für die Gründung und Unter*