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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 136

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
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— 136 — entgegenzustellen, sondern Anpassung und Beharrlichkeit werden sich in gesunder Weise verbinden müssen, um wahrhaft freie Persönlichkeiten heranzuziehen. „So ist's um alle Bildung auch beschaffen. Vergebens werden ungebundene Geister Nach der Vollendung reiner Höhe streben.44 Wir deutschen Juden nehmen also gern das Gesetz deutscher Sitte auf uns, eben weil dieses Gesetz zugleich höchste Freiheit bedeutet. Ein jüdischer Privatdozent in Berlin ist allerdings im allgemeinen assimilierter als irgend ein Krämer in einer posenschen Kleinstadt; aber ist deshalb der Krämer der höherwertige Jude? Unerträglich ist es zu sehen, wie —- um an Georg Hermanns Roman anzuknüpfen — die Jacobis die Geberts als die Verräter am Judentum hinstellen. Man muß das niedrige Pamphlet lesen, mit dem vor einiger Zeit sogar der Bubersche „Jude" — zweifellos das wertvollste Organ des nationalen Judentums — den Dichter Ernst Lissauer bedachte, um zu sehen, wie gefährlich eine Erziehung ist, wenn sie allzusehr auf eine äußerlich anzueignende jüdische Gesinnungstüchtigkeit abzielt und hierbei das Kriterium der seelischen Vornehmheit nicht genügend berücksichtigt. Vor allem aber scheint das extreme Nationaljudentum insofern als eine schwere Gefahr, als von jener Seite systematisch versucht wird, die jüdische Jugend den nichtjüdischen Mitbürgern zu entziehen und zu entfremden. Insbesondere sei an das Bestreben erinnert, jüdische Kindergärten und jüdische Schulen zu errichten. Wir wollen uns niemand aufdrängen, aber wir halten es für falsch, die Kinder schon auf der Schulbank zu trennen und so ein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen völlig unmöglich zu machen. Hierdurch wird jener Geist der Fremdheit erzeugt, aus der Mißtrauen und Vorurteil, ja der schlimmste Aberglaube — wie etwa die Ritualmordanklage — neue Nahrung ziehen kann. Schrifttum und Literatur. Im Monat Juli werden aus der Thora vorgelesen: 4. Mose, 22 bis zum Schluß des Buches, und 5. Mose, 1—7, 11. Diese Kapitel enthalten zunächst die Geschichte, wie Balak, der König von Moab, den Zauberer Bileam rufen ließ, um das ihm drohende Israel zu verfluchen, aber der Fluch verwandelt sich im Munde des heidnischen Sehers in begeisterte Segensworte, von denen die bekanntesten sind: Wie schön sind deine Zelte Jakob, deine Wohnungen Israel. Diese Erzählung von Bileam gehört zu den merkwürdigsten im Pentatench und ihre geschichtliche und inhaltliche Erklärung ist viel umstritten. Der heidnische Seher, der nichts ohne den Ewigen tun will

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