Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 7 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2550626-2550633-2550640--159-2550877- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. lJahr*n Nr. 7 Juli 1920 Inhalt: Zum 9. Aw. — Vom Lesen der heiligen Schrift. — Religion und Demokratie. — Der jüdische Nationalismus und die Jugend. — Schrifttum und Mteratur. — Spender-Liste. Verbands- und Vereinsnachrichten. Zum 9- Aw. Von Thea Arndt (Iii-Berlin). Seit mehr als zwei Jahrtausenden ist der 9. Aw ein Trauertag in Israel. Am 9. Aw 586 v. Chr. wurde der erste Tempel zerstört, Juda in die babylonische Gefangenschaft geführt. Am 9. Aw des Jahres 70 n. Chr. ging der zweite Tempel in Flammen auf, der jüdische Staat war für immer aufgelöst, das jüdische Volkstum gebrochen. Der 9. Aw 1492 endlich war der letzte Tag, den die spanischen Juden in ihrer heißgeliebten Heimat verbringen durften. Der 9. Aw — so oft ein Tag des Grauens und des Todes! Und dennoch — die Gemeinde Israel so oft vernichtet, so entsetzlich zerschlagen, und immer noch voll Leben und Kraft! Aus jeder Not und Fährnis nur stärker, hoffender, lebensmutiger hervorgegangen! Ist nicht die Geschichte des 9. Aw die Geschichte des Triumphes der Idee über die Materie, des Geistes über die Form? Wie eine Schale, die lange genug gedient hat, den Kern zur Reife gelangen zu lassen, wurde das Staatsleben zertrümmert; und was allen anderen Völkern des Erdballs den Untergang bedeutet hat, die Vernichtung ihrer Existenz als Volk, das wurde für Juda der Anfang einer neuen, einer phänomenalen, einer wunderbaren Existenz. Von allen Schranken politischen Lebens befreit, ist Israel seither das Volk der Idee gewesen in der Weltgeschichte. Wie eine große Tragödie entfaltet sich die Geschichte der Juden durch die Jahrhunderte. Mochte der Held noch so-oft unterliegen, seine Idee ist ewig und muß schließlich siegen. Der sterbende Kämpfer reicht dem Bruder die Fahne, und mit immer erneuter Frische, mit. wunderbar ursprünglicher Kraft kämpft Geschlecht auf Geschlecht in Israel denselben Kämpf, bis „die Tage nahen, an welchen du als Herr der Welt erkannt sein wirst, du als der eine, und dein Name der eine". So ward uns der 9. Aw nicht nur zum Trauern und Klagen gesandt, nein, zu stolzem Verstehen, daß auch wir Bannerträger sind. — Uber Tod und Vernichtung triumphiert das