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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. Seite 115

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 115 (sequence 15)
Language
German
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— 115 — so daß Sanherib sein Heer teilen muß. Er selbst wendet sich mit dem Hauptheer gegen Ägypten. Er muß aber unverrichteter Sache wieder umkehren, weil, wie die Bibel berichtet, ein Engel Gottes durch seine Reihen schreitet und 185 000 Mann vernichtet. Der ägyptischen Sage nach, welche Herodot erzählt, soll das Lager Sanheribs eines Nachts von Mäusen erfüllt worden sein, die die Bogen und Schildriemen seiner Krieger zernagten, so daß sie wehrlos abziehen mußten. Aber auch die assyrische Weltmacht ist keine ewige. Sie wird abgelöst von der Babyloniens, das sich nun sofort auf Juda stürzt. 586 wird der letzte König Zedikia besiegt und mit dem ganzen Volk in die Gefangenschaft geführt. Hier verweilt* dann das Volk 50 Jahre, bis es Cyrus, der Perserkönig, im Jahre 536 entläßt. Doch diese Epoche gehört schon einer Zeit an, über die wir so zahlreiche Berichte besitzen, daß wir nicht mehr ausschließlich auf Ausgrabungen angewiesen sind, um die Darstellung der Bibel auf ihre Wahrheit hin zu prür fen, und den außerordentlich hohen historischen und kulturhistorischen Wert der Bibel zu erkennen. Sind nun diese Ausgrabungen einerseits förderlich für uns dadurch, daß sie unsere Einsicht in die biblische Geschichte vertiefen, so wirken sie doch andrerseits dadurch verwirrend, daß sie, je mehr wir über die Kultur der alten Babylonier und Ägypter erfahren, die Frage nach der Orginalität des israelitischen Geistes immer brennender gestalten. Selbstverständlich hat Israel viel Kulturwerte der Völker, in deren Mitte es lebte, benutzt und bearbeitet; denn kein Mensch und kein Volk ist ohne Ahnen und Väter; in diesem Sinne ist kein Mensch Original. Im Sinne Goethes aber, der einmal zu Eckermann gesagt hat: „Man spricht immer von Originalität, allein, was will das sagen. So wie wir geboren werden, fängt die Welt an, auf uns einzuwirken, und so geht es fort bis ans Ende. Und überhaupt, was können wir denn unser Eigen nennen als die Energie, die Kraft, das Wollen/' In diesem Sinne ist auch der israelitische Geist original; er hat eben die Kraft gehabt, das, was er übernommen, für sich, für sein Fühlen und Denken umzugestalten, und den Willen, die Geduld daran festzuhalten. Schrifttum und Literatur. Aus der Thora werden im Monat Juni die Kapitel 8—21 des 4. Buches Mose vorgelesen. Sie behandeln neben mancherlei Opfer- und Priestervorschriften die Ereignisse während der Wüstenwanderung. Die Israeliten zogen vom Berge Sinai, wo sie etwa ein Jahr gelagert hatten, bis an die Grenze

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