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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. Seite 102

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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— 102 — Einheit. Zwei Jahrtausende jüdischer Geschichte haben äks nationale Band zerfeilt, haben aus dem Lande des Gölus unser Vaterland gemacht, dessen Bild weder das Andenken ah die Scheiterhaufen und Metzelei, noch Haß und Entrechtung der Gegenwart aus unseren Herzen reißen können. Wohl fühlen auch wir junge deutsche Juden mit heißem Herzen die Einheit aller Juden auf dem Erdenrund; Religion, Geschichte und Zukunftsglaube schmieden uns mit ihnen unlöslich zusammen. An frohem Stolz auf unser Judentum, an treuer Liebe zu Israels Vergangenheit und Zukunft, an tatfrohem Willen zu gemeinschaftlicher jüdischer Arbeit lassen wir uns von niemandem beschämen. Nicht durch hebräische Wanderlieder und Turnkommandos, nicht durch feingeschliffene Vorträge und gutgeschriebene Bücher, nicht durch Versammlungen und Organisationen kann man sich sein Judentum zurückerobern. Stärker als je fühlen wir, daß die Kraft Israels in den Ländern der Zerstreuung liegt und liegen wird, selbst wenn einmal Enkel unserer Enkel als freie Bürger in Palästina wohnen. Denn die seelisch-sittliche Kraft des Judentums, seine Lehre, sein Sittengesetz, sie sind nicht in die Schranken politischwirtschaftlicher Grenzen zu bannen. Sie durchströmen die Schächte der Geistesgeschichte aller Zeiten und Länder, ihren Lauf zurückzudämmen erscheint uns als vermessener Eingriff in den Sinn des Weltgeschehens. Wir wollen hier in unserer deutschen Heimat arbeiten an der Belebung, Vertiefung und Erneuerung jüdischen Wissens, Wollens und Handelns. Das jüdische Leben in Deutschland fordert von uns Gewaltiges. Ihm müssen wir vor allem unsere Liebe und unsere Kraft widmen, wir leisten damit die gleiche jüdische Arbeit wie der Kolonist und Bürger in Palästina. Mögen die in Erez Israel ihr Glück finden, denen die Heimat für Leib und Seele verloren ging. Uns aber ist Deutschland unser nationales Heim, dem wir in der Not die Treue nicht brechen werden, die wir ihm im Glück gelobt haben. Wo ein jüdisches Haus Eltern und Kinder, um die Sabbathlichte vereint, wo ein jüdischer Lehrer seinen Schülern kündet von Israels Wandel und Werden, wo im Gotteshaus die begeisterte Gemeinde mit dem „Sch'ma Jisroel" ihr Herz zu Gott trägt, da ist unser Zion, da ist Gottesland, da ist unsere Zukunft und die unserer Kinder. Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Der Vorstand I. A. : Heinrich Stern, Rechtsanwalt.

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