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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-05-01 · Heft 5 (Mai 1920) · p. Seite 82

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 5 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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— 82 — der Unbewußtheit der Wesen Gemeinschaft, verankert im Einzelnen durch Gesetz. Das Volk war zum Bewußtsein geschritten und baute dem Göttlichen eine Stätte nach Ordnung und Recht. Und das. Gesetz heißt: Du sollst! L u d w i g R i e s, Frankfurt a. Main. Wer ist Jude? Diese Frage ist eine der brennendsten für unsere Jugendbewegung. Für das liberale Judentum zumal ist die Antwort darauf von ungeheurer Bedeutung. Wenden wir uns doch hauptsächlich an eine Jugend, die religiös indifferent erzogen wurde, der wohl der Wille zum Judentum, zum „Jude-sein" innewohnt, für die aber der Begriff Judentum etwas inhaltlich völlig Unbestimmtes bedeutet. Mancher, der gefühlsmäßig sich als Jude betrachtet, fragt zagend: Bin ich denn Jude, wenn er sich verstandesgemäß Antwort geben will auf die Frage des Warum seines Judeseins. Die erste Anregung zu diesem Aufsatz erhielt ich, als mich vor einiger Zeit ein junger Jude fragte: Kann ich Mitglied des jüdisch-liberalen Jugendvereins werden, obwohl ich Atheist bin? Ich bejahte damals diese Frage, und ich will jene Antwort in diesen Zeilen begründen. Ich muß eine grundsätzliche Bemerkung über meine Auffassung vom Wesen des liberalen Judentums vorausschicken,, um eine Diskussion über meine Meinung zu ermöglichen. Das liberale Judentum soll nicht eine Reform des bisherigen überlieferten Judentums sein. Alles Reformieren hilft dem, der der Überlieferung, der dem Gedanken- und Gefühlskomplex dessen, was man bisher Judentum nannte, fremd gegenübersteht, nicht, sich in diese Gefühlswelt hineinleben zu können. Wir müssen, um dem Wort Judentum einen Inhalt zu geben, zu dem sich auch jene bekennen werden, die bisher keinen Inhalt kannten, so voraussetzungslos wie möglich sein. Das Judentum, das im wahrsten Sinne liberal sein will„ darf nicht nur die Berechtigung der überlieferten Formen in Frage stellen und nötigenfalls andere an ihre Stelle setzen,, es muß auch die „ewigen Wahrheiten" des Judentums auf ihren Ewigkeitswert prüfen, und es muß sich das Recht vorbehalten, schließlich auch Sätze, die bisher als „ewige Grundwahrheiten" des Judentums galten, aus dem Gedankenkomplex des Judentums auszuschalten. Es darf die Anerkennung solcher Sätze nicht als ausschlaggebend für die Zugehörigkeit zum Judentum betrachten.

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