Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Date
- 1920-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 32 — letzt, dem soll so getara werden, wie er getan hat, nämlich; Bruch um Bruch; Auge um Auge, Zahn um Zahn, wie er einem andern eine Verletzung beigebracht, so soll auch ihm geschehen. Diese viel angefeindete, aber in ihrem Wortlaut wenig bekannten Stellen - werden gewöhnlich als ein Beweis dafür angeführt, daß das Judentum einen Gott der Rache lehre unc| eine Religion der Rache sei. Es geht aber aus diesen Stellen klar hervor, daß sie gar keine religiöse, sondern juristische Bedeutung haben, dazu kommt noch, daß diese Vorschriften nie wörtlich aufgefaßt wurden, sondern daß man mit ihnen nur die verschiedene Höhe des Schadenersatzes regeln wollte. 2. Mos. 22, 28—29. Die Erstgeborenen deiner Söhne sollst du mir geben. Ebenso tue mit deinen Ochsen und mit deinem Schafe: sieben Tage sollen sie bei der Mutter bleiben; am achten Tage sollst du sie mir geben. Diese merkwürdige Stelle spricht wohl ursprünglich vom Opfer der Erstgeborenen, aber schon in biblischer Zeit wurde gegen diesen kanaanitischen Gebrauch mit Erfolg angekämpft. (Vergl. 1. Mos. 22 und Mich. 6.) 2. Mos. 23, 4—5. Triffst du den Ochsen deines Feindes oder seijien Esel, der irre geht, so bringe ihm denselben zurück. Siehst du den Esel deines Feindes erliegen unter seiner Last, so stehe davon ab, ihm solchen allein zu überlassen! Abnehmen sollst du die Last mit ihm zusammen. Solche Stellen muß man sich recht genau merken, um sie bei Angriffen auf den ethischen Gehalt des Judentums bereit zu haben. *? Am 7. Februar wird aus der Thora die Offenbarung am Sinai vorgelesen, dem entsprechend aus den Propheten Jesaja K. 6. die Berufung des Propheten, Dieses Kapitel ist wohl jedem bekannt. Die Haphtharah zum 14. Febr. (Mischpotim) aus 2. Kön. 12 enthält den Bericht über die Instandsetzung des Tempels durch den König Joas. Am darauffolgenden Sabbath, an dem aus der Thora die Bestimmungen über den Bau des Stiftszeltes vorgelesen werden, wird als Hapthafa der Bericht über die Vorbereitungn Salomos zum Bau des Tempels gelesen. (1. Kön. 5.) Am 28. Februar, dem Sabbath vor dem Purimifeste wird außer dem Wochnabschnitt noch die Ermahnung vorgelesen, der bösen Taten Amaleks zu gedenken (5. Mos.) dementsprechend wird als Haphtarah die Geschichte von der Vernichtung Amaleks durch Saul vorgelesen (1. äam. 15).