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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. Seite 29

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
Seite 29 (sequence 9)
Language
German
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— 29 — Es ist oben gesagt worden, wie Holdheim die Erneuerung des Judentums gerade aus der Abehnung der staatlichen Gesetze und Hervorhebung des religiösen Gedankens forderte. Betrachten wir den Konflikt zwischen Staat und Religion schon zu biblischer Zeit, so findein wir,, daß gerade die staatliche Bindung, so sehr sie einerseits die Reinheit des Glaubens forderte, andererseits zu einer Fülle von Reibungen führte. Die Staatsform bringt soziale Ungerechtigkeit, Angriffskriege gegen die Nachjiarn, Luxus und Entartung mit sich. Gerade in den KonfliRen zwischen der Glaubenslehre „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" und den staatlichen Ungerechtigkeiten sind die Propheten Warner. Die ewigen Kämpfe lassen den Propheten Micha das messianische Zeitalter verkünden, Jesaias, Maleachi heben hervor, daß die Menschheit nicht eine Herde von Feinden, sondern ein Bruderbund sei. Der Staat ist es, der die jüdische Idee vom Brudermenschen immer wieder schädigt. Der Zionismus versucht in einzelnen Gruppen durch den Sozialismus diese Gefahr einzudämmen, aber obschon das soziale Mitfühlen ein tiefjüdischer Zug ist, der Sozialismus als Weltanschauung steht dem Judentum fremd gegenüber und der getaufte Jude Marx stand in bewußtem Gegensatz zum Judentum. Als im Kriege England die gute Meinung der Judenheit für sich in den gegen die Mittelmächte verbündeten Länder gewinnen wollte, da bediente es sich des Zionismus, schränkte allerdings nach gewonnenem Kriege mit der ihm eigenen Doppelzügigkeit die Erklärung Balfours wieder ein. Trotzdem wird eine jüdische Siedelung im heiligen Lande im vergrößerten Umfange neu entstehen. Sie wird der Kampfplatz künftiger Kriege werden, die in Palästina, dem Glacis vor Aegypten und Indien ausgefochten werden, und ihre Bewohner werden die Vortruppe Englands bilden. Mit dem Judentum an sich aber hat diese Besiedelung Palästinas nichts zu tun. Sie kann für die heimatlosen Juden, die aus Rußland und Polen flüchten, und die in noch größerem Maße flüchten werden, wenn die Reaktion in Rußand wiederkehren sollte, eine Zufluchtsstätte werden. Von den 12 Millionen Juden wird nach vielen Jahrzehnten kaum die Hälfte dort Raum finden, und die Angesiedelten werden die Kampfformen der Heimat, Demokratie und Sozialismus, Orthodoxie und Liberalismus, in ihren neuen Staat hinübernehmen. Sie werden die, trotz aller zionistischen Volksgefühle, doch latent vorhandenen nationalen Empfindungen ihrer bisherigen Heimatlande zum Schaden des neuen Staates nicht vergessen können, solange nicht die neue Generation heranwächst, und Hinzuströmende werden diese stets wieder beunruhigen. Sie

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