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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1919-08-01 · Heft 2 (August 1919) · page 1

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1919
Issue
Heft 2 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands» Nr. 2 August 1919 Jahrg. I INHALT: Jüdische Weltanschauungsfragen. — Die Stellung des liberalen Judentums, im jüdischen Parteileben der Gegenwart. — Jüdische Tagesfragen und Jugendbewegung. — Zwei jüdische Delegiertentage. — Schrifttum und Literatur: Aus der Bibel; Aus dem Zfonslied. —Verbands- und Vereinsnachrichten: Tätigkeitsberichte des Jli zu Breslau; Tätigkeitsbericht des jüdisch-liberalen Jugendvereins Frankfurt^. M. — Fragekasten. — Gebt uns Geld. — Spenderliste. — Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine; Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Breslau; Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Frankfurt a. M.; Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Berlin; Jüdischliberaler Jugendyerein zu Posen; Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Ratibor; Jüdisch-liberaler Jugendverein zu Liegnitz. — Vertrauensleute. — Jüdische Weltanschauungsfragen, Zur Einführung. In diesen Blättern soll die Jugend zu Worte kommen. Die Jugend soll zur Jugend sprechen. Es soll durch diese Zeitschrift ein Sprechsaal geschaffen werden für alle, die eine Meinung haben und ihrer Meinung Ausdruck geben wollen. Darum sei von vornherein gesagt: Nicht ein System von Lehren und Glaubenssätzen soll hier Torgetragen werden. Die Aufsätze, die wir veröffentlichen, leiten ihre Berechtigung her allein aus dem Rechte der Jugend, zu sagen, was sie auf dem Herzen hat, und was sie glaubt, sagen zu müssen. Sollte manches vorgetragen werden, dessen Begründung man vergebens im überlieferten Judentum sucht, so sei hier betont: Jüdisch wollen ^vir alles nennen, was geboren ist aus jüdischem Bewußtsein und getragen wird von dem Willen zum Judentum. Zum Forschen und zu neuen Gedanken sollen die Aufsätze anregen, die von berufener Hand geschrieben sind. Mögen diese Blätter Freunde und Mitarbeiter finden, damit durch sie die Jugend und durch die Jugend das Judentum neues Leben in sich auf* nehmen. Wolf. Die Stellung des liberalen Judentums im jüdischen Parteileben der Gegenwart, Innerhalb der verschiedenen Parteien, in die das Judentum unserer Tage zerfällt, pflegt man drei Richtungen als die wesentlichen Träger des jüdischen Geisteslebens zu bezeichnen. Zwei dieser Richtungen haben ein auch für die Allgemeinheit klar umrissenes Programm. Orthodoxie und Zionismus sind Begnffe, die einem jeden geläufig sind, und die einen bestimmten Vorstellungskomplex auslösen. Anders verhält es sich mit der dritten Gruppe. Schon der Mangel eines eindeutigen Namens zeigt, daß man sich über 'das Wesen dieser dritten Gruppe nicht im Klaren ist. Es ist bezeichnend, daß erst kürzlich von der V. J. O. D. als Vertreter jüdischer Anschauungen im Friedensausschuß ein Orthodoxer, ein Zionist und ein Centralvereinler nominiert wurden. Das liberale Judentum blieb unberücksichtigt. Mag sein, daß der Vertreter des Centraivereins ein Liberaler war. Dem Wesen des Centraivereins nach hätte er ebensogut konservativ oder orthodox sein können. Denn es ist überhaupt falsch, den Centraiverein als eine besondere Gruppe neben Zionismus und Orthodoxie zu nennen. Dieser will die Anhänger aller Richtungen innerhalb des Judentums zur gemeinsamen Abwehr äußerer Feinde und zum Kampf für die Gleichberechtigung zusammenschließen. Demnach ist die bisher übliche Dreiteilung nicht als den vorhandenen Parteien ^entsprechend anzuerkennen. Den Schaden von dieser Einteilung hat bisher der Liberalismus getragen. Wir Liberalen dürfen aber den Anspruch darauf erheben, daß unser Standpunkt als selbständige Ansicht bewertet und die Vereinigung der liberalen Juden als eine gleichberechtigte Partei neben der orthodoxen und zionistischen behandelt wird. Worauf gründet sich dieser Anspruch? Die Orthodoxie behauptet von sich, sie sei die Trägerin des überlieferten Judentums und bedeute darum allein das wahre Judentum. Sie wurzelt indem Glauben an die Wahrheit der überlieferten Lehre und fordert zugleich den Glauben an die Wahrheit der Überlieferung selber. Die Orthodoxie macht, keinen Unterschied zwischen dem Glauben an deil Inhalt des Überlieferten und dem Glauben an die historische Zuverlässigkeit der Uberlieferung. Ein Beispiel möge diesen Gedanken verdeutlichen: Wenn der Orthodoxe von dem Glauben an die Offenbarung spricht, so will er damit nicht nur sagen, daß er von der Göttlichkeit der offenbarten Lehre, überzeugt ist, sondern ebensosehr auch von der Geschichtlichkeit des Offenbarungs a k t e s, wie er uns in der Bibel dargestellt ist. Der Begriff „Glaube" hat demnach für die Orthodoxie den Doppelsinn des Glaubens an <}ie religiösen Wahrheiten wie des Glaubens an die Geschichtlichkeit der überlieferten Tatsachen. Es ist nicht zu verwundern, daß eine solche Lehre in dem Augenblick zu einer Gefährdung des

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