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Palästina-Nachrichten · 1936-05-15 · Heft 8 (15.5.1936) · p. Seite 2

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
3 (1936)
Issue
Heft 8 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Das PA&ux-Pzotöem Selbstverständlich ist der Zusammenbruch der Phönix für Palästina ebenfalls von nachhaltigen Folgen, die wahrscheinlich sogar über den engsten Kreis der direkt Betroffenen hinausgehen. Wir bringen heute nur einige einzelne Meldungen, behalten uns jedoch vor, noch ausführlich auf die Frage einzugehen. Das DLslriktgerichl. Jerusalem hat am 18. April den Rechtsanwalt Dr. Bernard Joseph, Jerusalem, zum vorläufigen Liquidator bestellt. Wie verlautet, befinden sich in Palästina rund 3:ioo Lebensversicherte des „Phönix". Zur Wahrnehmung ihrer Rechte ist ein Ausschuß in Jerusalem gegründet worden, der beim Dislriklsgerichl Jerusalem und bei der Palästina-Regierung die notwendigen Schritte zur Sicherstellung des palästinensischen Eigentums der Gesellschaft (hauptsächlich Hypotheken) im Interesse .der Policen-Inhaber eingeleitet hat. Man erwartet, daß der palästinensische Policenbestand von anderen ausländischen Versicherungsgesellschaften übernommen werden wird. Wric die palästinensische Presse mitteilt, hat der Oberkommissar von Palästina dringend einen Bericht über die Rechtslage des „Phönix" in Palästina und die Ansprüche der Versicherlen eingefordert. Auch soll er eine Untersuchung darüber angeordnet haben, welche rechtliche Handhabe besteht, die Herausziehung des Vermögens der Gesellschaft aus Palästina zu verhindern. Bedeutende rechtliche Schwierigkeilen sind durch den Zusammenbruch des „Phönix" für dessen palästinensische Zweigniederlassung entstanden, die nach „Palnews" in Palästina für über 800 000 £P Versicherungspolicen ausgestellt hat. Auf Grund der bisher eingenommenen Prämien müßte eine Prämicnreservc von 110—125 000 £P vorhanden sein. Da etwa /joooo £P hiervon Versicherungsnehmern als Darlehen gewährt und weitere u3 000 £P in Palästina investiert sind, bleibt ein Betrag von 00—fioooo£P, der das Mindestdefizit in Palästina darstellt, weil auf Grund des österreichischen Liquidierungsgeselzes das dortige Vermögen dem Zugriff der palästinensischen und sonstigen ausländischen Gläubiger entzogen ist. Die Hauptgeschädiglen sind eine Reihe von Auswanderern, die gegen Übereignung von Grundbesitz Rentenversicherurigsverträge mit der „Phönix" abschlössen und nunmehr erhebliche Ansprüche stellen, die von dem Wiener Liquidator nicht anerkannt werden und deren Erfüllung in Palästina ebenfalls äußerst zweifelhaft ist. Schwierig ist ferner die Frage, ob wenigstens die palästinensischen Investierungen dem Zugriff der hiesigen Gläubiger unterliegen, die zwar bereits einen Arrest in dieser Richtung erwirkt haben, vermutlich aber bei der weiteren Durchsetzung ihrer Rechte auf den Widerstand der österreichischen Leitung des „Phönix" stoßen PxMUUna-PoU^ Die in Polen erlassene Devisenverordnung hat in Palästina Befürchtungen um den Kapitaltransfer aus Polen nach Palästina laut werden lassen. Man erwartet eine Verminderung der Einwanderung polnischer Kapitalisten und eine Einschränkung des Touristenverkehrs, eine Befürchtung, deren Berechtigung bereits zu erkennen ist. Von einer verstärkten Einwanderung polnischer Juden war eine Ankurbelung der palästinensischen Wirtschaft erhofft worden. Die hebräische Presse erörtert die Schaffung eines Transferabkommens zwischen Polen und Palästina. Wegen der polnischen Devisenvorschriften entstanden in Tel-Aviv und Haifa Runs auf die polnische Poslsparkassenbank. die bis /|.Mai /(oooo Pfund auszahlte. werden. Man will sich wenigstens zu einem Teil bei dem Jüdischen Nalionalfonds schadlos halten, der auf Grund einer Vereinbarung für den „Phönix" warb und im Laufe mehrerer Jahre an Provisionen für abgeschlossene Versicherungsbeträge 80000 £P vereinnahmt haben soll, deren mindestens teilweise Rückerstattung von den Versicherungsnehmern gefordert wird. Es wird versucht, den Verkauf des palästinensischen Geschäfts der „Phönix" an eine einheimische Versicherungsgesellschaft zu erreichen, wodurch in dem Kaufpreis ein wenn auch geringes Befriedigungsobjekt für die Gläubiger geschaffen würde. »IE JUDISCHE INDUSTRIE IM JAHRE 19*6 von Dr. Alfred Marcus, Ramai Gan Auf der diesjährigen Levante-Messe wird die Ausstellung der palästinensischen Industrie besondere Beachtung finden. Wir haben daher unseren Mitarbeiter, Herrn Dr. Marcus, gebeten, eine Darstellung des gegenwärtigen Standes der Industrie zur Levante-Messe zu geben. Eine Darstellung des derzeitigen Standes der jüdischen Industrie ergibt folgendes Bild: 1. Nahrungsmittel, Getränke und Genußmittel Es ist eine bekannte Talsache, daß Palästina für die Erzeugnisse der Industrien dieser Gruppe immer noch ganz erhebliche Summen für Import bezahlt. Wir haben io35 beispielsweise noch etwa 12 000 £P für Biskuit und Keks, 8000 £P für Makkaroni, 8000 £P für konservierte Früchte, 4000 £P für Marmelade, 18 000 £P für Schokolade, Go 000 £P für Süßigkeiten aller Art, 85 000 £P für Bier ausgegeben. Dabei werden jetzt alle diese Erzeugnisse im Lande produziert. Biskuit und Keks werden in einigen Fabriken in Tel-Aviv, Haifa und Jerusalem hergestellt. Zu nennen wären hier vor allem die Unternehmungen der Frumkin in Jerusalem und „Beth Lechem" in der Nähe von Tel-Aviv. Makkaroni und Fadennudeln werden von neun Fabriken im Lande produziert. In der Schokoladen- und Süßigkeiten-Industrie bestehen jetzt insgesamt 20 auf fabrikmäßiger Grundlage arbeilende Unternehmungen, von denen fünf Schokoladenfabriken sind, die vom Rohstoff, also von der Kakaobohne ausgehen. Hier sind insbesondere zu nennen die Firmen „Elile", „Lieber'', „Noam" in Ramat-Gan und „Belli Lechem" in der Nähe von Tel-Aviv. Allein die reine Schokoladenproduklion dürfte jetzt einen Betrag von iöoooo £P per anno erreichen, kann aber mit Leichtigkeit und ohne Erweiterung der bestehenden Betriebe erheblich vergrößert werden, wenn entsprechender Bedarf und Schutz vorliegt. Was die Verarbeitung von Früchten anlangt, sei es in Form der Konservierung, sei es in Form der Herstellung von Fruchtsäften, Marmeladen und Gelees, so verfügen wir zur Zeit ebenfalls bereits über ganz moderne Produktionsanlagen relativ großen Umfanges, für die insbesondere die Fabrik der „Assis" Ltd. in Ramat-Gan repräsentativ ist. Diese Branche hat heute eine Jahresproduktion, deren Wert auf etwa 100000 £P veranschlagt werden kann. In jüngster Zeil ist die oben erwähnte Firma „Assis" dazu übergegangen, auch die Verwertung von Gemüsen und Küchengewächsen für Konservierungszwecke zu betreiben. Es handelt sich insbesondere um die Verwertung der qualitativ hierfür sehr geeigneten südpalästinensischen Tomaten und Gurken aus der Gegend von Gaza, aber auch Sauerkraut und eine Reihe anderer Gemüsekonserven werden in sehr guten Qualitäten und nach ganz modernen Verfahren hergestellt. PALÄSTINENSISCHER ZOLLTARIF MIT ZOLLGESETZEN übersetzt und bearbeitet vom Palästina-Amt Berlin 184 Seiten stark / Preis 3,50 RM. Januar 1936 (mit Nachtrag 1 abgeschlossen Ende Februar 1936) Zu beziehen durch einschlägige Buchhandlungen oder durch die Verlagsabteilung der ZVfD, Berlin W 15, Meinekestr. 10 2

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