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Palästina-Nachrichten · 1936-03-31 · Heft 5 (31.3.1936) · p. Seite 4

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
3 (1936)
Issue
Heft 5 (31.3.1936)
Date
1936-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Durch politische Spannungen im Mittelmeer anläßlich des italieniseh-abessinischen Konfliktes kam es zu einer starken Beunruhigung der palästinensischen Bevölkerung, über die ausführlich berichtet worden ist. Diese Beunruhigung, die bisher nur psychische Ursachen halte, führte zu einer panikartigen Abhebung von Gelddeposilen auf den Banken, die ihrerseits, sofern es sich um kleinere Unternehmen handelte, gezwungen waren, die ausgegebenen Kredite zu kündigen, um lkjuide zu bleiben. Ein erheblicher Teil der Kreditnehmer entfiel auf die Bauherren, die durch die Kredilentziehung zu einer Einschränkung oder Verlangsamung ihrer Tätigkeit gezwungen wurden. Diese Entwicklung führte zum erstenmal seil Jahren dazu, daß auf dem Arbeitsmarkt das Angebot die Nachfrage überstieg, ein Zustand, der übrigens in allen anderen Ländern als normal und selbstverständlich angesehen wird. Das Maximum der Arbeitslosen betrug Anfang Dezember jq35 etwa ioooo Menschen, heule dürfte sich die Zahl auf etwa 35oo verringert haben. Wenn man in Betracht zieht, daß es in Palästina eine arbeilende jüdische Bevölkerung von etwa i3oooo Menschen gibt, so sind diese Zahlen durchaus nicht als erschreckend anzusehen. Kann man unter diesen Umständen von einer Krise sprechen? Der Begriff der wirtschaftlichen Krise, wie man ihn aus den meisten Ländern der Welt kennt, kann auf einen Generalnenner gebracht werden: Eine Überproduktion von Gütern und ein Fehlen an Absatzmärkten für diese Güter, mit all den traurigen Erscheinungen, die dieser Zustand nach sich führt (Vernichtung von Kaffeevorrälen in Brasilien,Weizenbeständen in Australien usw.). In Palästina kann von einer Überproduktion oder von einem Mangel an Absatzmärkten generell überhaupt nicht gesprochen werden. Noch immer müssen 5o<>/o der landwirtschaftlichen Arerbrauchsgüler und über 700/0 der industriellen Erzeugnisse aus dem Auslande eingeführt werden. Somit ist für die wichtigsten Produkte ein Absatzmarkt im Lande selbsl vorhanden und braucht nicht irgendwo in der Welt gesucht zu werden. In jedem anderen Lande wäre es eine Selbstverständlichkeit, daß in einem Zustand wirtschaftlicher Depression der Staat regelnd und helfend eingreift. Die Palästina-Regierung wäre sehr wohl dazu in der Lage, der Staatshaushalt schließt jährlich mit einem nennenswerten Überschuß. Zur Zeil betragen diese Überschüsse etwa f>iMillionen £P. was gegenüber dem Jahreselal von etwa :>. Millionen £P einen recht nennenswerten Betrag darstellt. Der Staat hätte, da er die Einrichtung einer Arbeitslosenunterstützung nicht kennt, notwendigerweise einige größere öffentliche Arbeilen in Angriff nehmen müssen, bei denen die Zahl der vorhandenen Arbeitslosen ohne große Schwierigkeiten halle untergebracht werden können. Es muß leider festgestellt werden, daß in dieser Beziehung die Palästina-Regierung mir Unvollkommenes geleistet hat. Abgesehen von der gewiß beachtenswerten Siülzung der Banken durch die der palästinensischen Regierung nahestehende Barclay's Bank sind nur wenige erfolgreiche Maßnahmen zur Bekämpfung des eingetretenen Depressionszustandes vorgenommen worden. Außer dem endlich begonnenen Bau der Chaussee zwischen Tel-Aviv und Haifa, der Inangriffnahme einiger weniger Balmbau len, Brücken und Balmhöfen ist kaum etwas geschehen, was eine sofortige Besserung auf dem Arbeilsmarkt hervorgebracht hätte. Die gesamte Initiative auf diesem Gebiet bleibt den jüdischen Instanzen überlassen und sowohl die Organisationen der palästinensischen Bevölkerung, wie auch die Executive der Jcwish Agency haben sich diesen Aufgaben mit großem Elan zu unterziehen gewußt. Wir berichten nachfolgend slichworlmäßig über einige der wichtigsten dieser Maßnahmen: Von der Ilisladrulh Haowdim (der allgemeinen Arbeiter- Organisation) ist das Prinzip der freiwilligen Arbeilssleuer aufgestellt worden. ..Pidjon Awoda", das vorsieht, daß jeder Arbeitnehmer sein Einkommen von 12 Arbeitstagen im Jahr für diesen gemeinsamen Fond zur Verfügung stellt. Etwa 10000 £P in bar sind bisher für diesen Fond eingegangen. Unter dem Namen ,,Kirjat Awoda" wird eine Arbeitersiedlung gebaut, die aus 200 Ein- und Zweifamilienhäusern bestellen soll, und deren Grundsteinlegung bereits erfolgte. Mit einem Grundkapital von 5o 000 £P, die vom Keren Hajessod investiert wurden, ist eine palästinensische Gesellschaft für Landwirtschaft und Kolonisation gegründet worden. Diese Gründung geht auf einen Beschluß des XIX. Kongresses zurück und verfolgt den Zweck der Zusammenfassung des gesamten Werkes der nationalen Kolonisation. Nachdem die vorbereitenden Vermessungen in dem Hule- Gebiel, das durch die Erwerbung der Konzession über 57000 Dunam für die Erschließung zugänglich gemacht wurde, vor dem Abschluß stehen, werden die Ameliorisierungs- und Drainagearbeiten voraussichtlich in kürzester Zeit in Angriff genommen werden. Der Keren Hajessod, der Keren Kajemeth Lejisrael und P. L. D. C. haben zu gleichen Teilen ein Grundkapital für diesen Zweck von 100 000 £P zusammengebracht und die Gesellschaft ins Leben gerufen. Den Bau billiger Wohnhäuser für Kleinsiedler und Besitzer von Hilfswirtschaflen in den Moschawim hat sich die neugegründele Gesellschaft „Bäte Kfar" zur Aufgabe gestellt. Das Kapital in Höhe von 35 000 £P wurde durch die Nir, den Keren Hajessod und die südafrikanische Gesellschaft „Binjan" aufgebracht. Vorerst sind langfristige Darlehen von je 100 £P zu niedrigem Zinssalz in Aussicht genommen. Um eine Intensivierung der Landwirtschaft zu ermöglichen, ist eine Bewässerungsgesellschafl unter Beteiligung des Keren Hajessod und der Deutschen Abteilung der Jcwish Agency gegründet worden. Die Wasserbohrungen sowie die Herstellung von Bewässerungsanlagen sollen in erster Linie an denjenigen Siedlungspunkten durchgeführt werden, an denen Einwanderer aus Deutschland im Laufe der letzten Jahre angesiedelt worden sind. Von besonderem Interesse dürflc die Gründung einer Agrarbank sein, die es sich zum Prinzip gemacht hat, Darlehen zu einem billigen Zinssalz auf die Dauer von 10—12 Jahren an solche Kolonisten auszugeben, die ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigen. Auf diese Weise werden die Kolonisten in die Lage versetzt sein, die materiellen Differenzen, die durch Beschäftigung von teueren jüdischen Arbeitern gegenüber der billigeren arabischen Arbeitskraft entstehen, wesentlich zu verringern. An der Gründung hat sich die Anglo- Palesline-Bank mit einem Kapital von 2 5 000 £P und der Keren Hajessod mit 5ooo £P beteiligt. Zwecks Beteiligung des privaten Kapitals werden demnächst Obligationen dieser Bank herausgegeben werden. Endlich muß darüber berichtet werden, daß die Vorbereitungen der am 3o. April zu eröffnenden Levante-Messe einer beträchtlichen Anzahl von Arbeitern Beschäftigung gegeben haben. Schon jetzt macht sich im wirtschaftlichen Leben der günstige Einfluß der Messe bemerkbar. In diesem Lichte gesehen, erscheint die Mitteilung der „Frankfurter Zeitung" in dem oben genannten Artikel, daß die Messe wahrscheinlich gar nicht staltfinden wird, besonders abwegig. Ebenso muß jedem einigermaßen Informierten die Schlußfolgerung, daß das diesjährige Purimfesl in Tel-Aviv infolge politischer Spannungen zwischen Juden und Arabern abgesagt wurde, schon deswegen unfundicrl erscheinen, weil bekanntlich Tel- Aviv, als eine Stadl mit rein jüdischer Bevölkerung, keinerlei Zwischenfälle bei der Abhaltung dieses Festes zu befürchten hätte, sogar dann nicht, wenn die politischen Voraussetzungen tatsächlich gegeben wären. Obwohl man sich bei Prognosen über so komplizierte wirtschaftliche Vorgänge, wie die letzten in Palästina, äußerst zurückhaltend verhalten muß, kann auf Grund der Entwicklung der letzten Monate mit einiger Sicherheit behauptet werden, daß der Zeitpunkt der zweifellos vorhandenen Depression wohl als überwunden anzusehen ist, und man darf hoffen, daß die Ernüchterung aus dem Konjunklurlaumel auch einige nützliche Lehren für die zukünftige Entwicklung hinterlassen wird. W. T. PALÄSTINENSISCHER ZOLLTARIF MIT ZOLLGESETZEN übersetzt und bearbeitet vom Palästina-Amt Berlin 184 Seiten stark / Preis 3,50 RM. Januar 1936 (mit Nachtrag 1 abgeschlossen Ende Februar 1936) Zu beziehen durch einschlägige Buchhandlungen oder durch die Verlagsabteilung der ZVfD, Berlin W 15, Meinekestr. 10 4

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