Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 18-19 (17.10.1935)
- Date
- 1935-10-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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xi-rnslellen drr genannten Gesellschaft die allgemeine Genehmigung erleilt.daß Auswanderer Bestellungen auf Böhlcr- I läuser Tür Palästina aufgel>en und den deutschen Licfcr- .anleil in Beirhsmark bezahlen können. Es besteht lediglich die Verpflichtung, der Auswanderer-Beratungsstelle 'und «der De\ isenstelle \oti der erfolgten Böhlerhaus -.Bestellung bei t" Im»rgabe dei Ausw anderungsmträge Kenninis zu gehen. Dieser Bölilerhnns-rr'ansfer bringt also eine wertvolle Verslärkung der \ ei -mögens-Grundlagedes Auswanderers in Palästina. IVohlei -Massi\-Bauten -sind'.seit Jahren in Deutschland und uMsvhiedrnen Aii>fandsstaalen bekannt.. Sie wurden bereits nj.'ii nur -der'Großen Bauausstellung in Berlin ausgezeichnet iiinl. haben sich überall hervorragend bewährt. Auch in Berlin, sind zahl reiche i Jöliler-Bau len. -vom ein fachen Siedlungshaus bis zum .-Vornehmen. Landhaus^, sowie mehrstöckige Wohnhäuser und Wolmhausbloeks vorhanden; Wände und Decken der Böhler-lläuser sind vollkommen massiv. Die Tragkonslrviklir)n besteht ans einem Stahlgcripp'c,, vyelches i\IIsej lig vor\ lifichisöfierendeiii Bimsbelon umhül 11 ist. Iladmch wird eine binle-utende Sleigecung der für Palästina so w ert vollen Isolierwirkung der Außenwändeerziele die, wesenU lieh hoher ist,'als bei der sonst dort üblichen. Betpribauweise. Dir Ausführung der Bauten in Palästina erfolgt ausscl^eßlich durch die Pdlesline Ihiildiny^yndicate Ltd:, Tel-Aviv, eines der ersten Bauiuilernehnien im Lande. Diese Gesellschaft ist auch in der Lage, die Auswanderer bei der Beschaffung einer eisten Hypothek und damit der Finanzierung des palästinensischen Baukoslenanteils zu unterstützen. ■In Palästina sind.bereits eine Reihe von Böhler-Häusern, ini Bau ulid wir werden in dernächsten Zeit in unserem Blatte: hierüber gelegentlich berichten*).?.: ■''.) BAUEN UND PLANEN , ( •;!/.r Fortsetzung von Seite 2 anf--die Schaffung von Wolmujigstypen hinziAvirken,.die eine billige und inenschenvvürdige Unterbringung der großstädtischen Be\ölkcYung gewährleislel. — Für dies Gebiet der Wohntvpen, nach denen die Wohnsie.d hingender breiten Massen zu erstellen sind, kön'nen gleichfalls die europäischen Erfahrungen nach Paliistina nulzbringend überlragen; werden. Drei Typen haben sich herausgebildet: Die Rleinsiedlung, dasEigenheim und .die Ges(;hoßwohnung: Die Besonderheil der Klein*- siedlung besteht in der Landzulage, die den Arbeiter instand setzt, mit Hilfe der» Arbeitskraft seiner Fainiliertniilgliederden wesentlichen Teile seines Lebend Bedarfs aus dem Bodenertrag zu decken und sich damit relativ „krisenfest" zu inachen. Iii Palästina vvird eine Landzulage Von i Vi Dmiam i5oo qm als noch ausreichend anzusehen sein. Diese Wohn form stellt als Stadtrandsiedlung den, Gbergang".'von der Stadt zum Land dar und ist die ideale Lösung; die im Tagesleben Palästinas namentlich für die aus Europa eingewanderten Arbeifer das Ziel ihrer Sehnsucht ist. Bildet diese Kleinsiedlung den Obergang zur bäuerlichen Vollsiedlung — in der Jlaifa-Bay scheint dieser Cbergang und die Dnrciulringung von Sladl- und Land-; siedlmig sichtbar - zu w erden >^."sö bildet das Eigenbaus; als : zweiter W'ohiityp den Übergang zur -geschlossenen Sladlsiedlung. Der hier der Wohnung beigegebeiie Kleingar len dient im Gegensatz Zur Kleinsiedlung nicht der Deckung des Nahrungsbedarfs, sondern nur der Erholung und Belüftung. Dieser Typ war bei Gründung von Tel-Aviv yorherrscheiid, das als (lartenstadl im Stile der englischen siiburbs gedacht war.; „ A ber^ in einer industriell entwickelten Gesellschaft die Mielwohnung im Geschoßbau nicht entbehrt werden käim, Sie ist auch für Palästina zuzulassen, wenn die Gewähr für die Erfüllung aller hygienischen, Bedingungen ini Bauinnern bestellt und wenn diuch v'vMlräiiniige Anordnung der Baublocks, insbesondere durch Einfügung von Gemeiiischaftsgurten und Kinderspielplätzen, die aiis jeder .Massenanhäufung sich ergebenden Gefahren fern gehalten oder wenigstens gemildert Werden. Die Mietskaserne allen Stils, die leider auch vielen Stadtteilen von Tel-Aviv ihr unerfreuliches Gepräge gibt, war gekennzeichnet durch einen übermäßig starken Ausiuitziingskoe^ ^- IIaiiblocts Tu »cFtlu ich das Felden" Von Frei ffacheii. Die rje u- *) Weitere Einzelheiten werden durch die Redaktion gern bekanntgegeben. sten Sicdlungsbaülcn des europäischen Kontinents;, die an Stelle der geschlossenen IMockfofm im aufgelösten Zeilenbau angelegt sind, zeigen augenfällig die außerordentlichen Fortschritte, die durch eine vernunftgemäße Anordnung der Bau^ kör per Ich komme zum Schluß zum t'lnnnzicriincfsproblein. Den Wohnungsbau der Oberschicht bis zu den höher bezahlten Angestellten und Vorarheitcrn vvird man auch in Palästina weitgehend der privaten Initiative überlassen können* Wenn aber für die breiten Ärbeitermassen cinvvandsfreie Wohnungen zii wirtschaftlich trägbaren Preisen gebaut werden sollen, Wenn insbesondere der für die junge Industrie, unerläßliche Typ des mit dem Betriebe verbundenen Facharbeiters geschaffen und erhalten werden soll, solist mindestens die teilweise Inanspruch1 nähme öffentlicher Kapitalien für die Finanzierung unerläßlich. Die Stadl Tel-Aviv ist zum überwiegenden Teile mit den Ilypolhckengeldcrn der Mortgage Bank gebaut worden. Es wäre allein von dieser finanziellen Kommandostelle aus ein Leichtes gewesen, die Bau- und Wohnungsgcstallung der Stadl maßgeblich zu beeinflussen und durch Stipulicrung von. Ilypothekenbedingungen, wie sie sonst überall in einer als selbstverständlich empfundenen Vervvälturigspraxis alle öffentlichen Körperschaften den beliehenen Eigentümern auf erlegen, die Boden-: und Wohnungspreise niedrig zu halten. Es sollte außer jeder Diskussion stehen, daß eine öffentliche jüdische Bodenbänk mit dem ihm anvertrauten Gelde des jüdischen Volkes nur öffentliche Interessen fördern und nicht das Geld nach rein bankgeschäftlichen Gesichtspunkten und damit, wenn auch ungewollt, nur Zürn Vorteil bestimmter Intcressentcngruppen ausleihen darf. Man muß für die Zukunft verlangen, daß künftig bei der Ausgabe der Hypothekengelder t nach höheren Gesichtspunkten verfahren und die Bank zum Instrument einer planmäßigen Bau- und Wohnungspolitik gemacht wird. Unterhalb der Mieterschaft, "die für xjen normalen Arbeiter- Wohnungsbau in Frage kommt, gibt es aber Bevölkerungsgruppen, die nicht einmal in Konjunkturzeiten zur Zahlung der üblichen Miete selbst von :Kleirisiwphhu'ifgeii, in der Lage sind. Diese unterste Schicht wird gerade in Palästina für das nächste Jalirzelmt sehr stärk wachsen. Die Steigerung der Wirtschaftskraft und insbesondere die Entfaltung einer vielgestal- * tigeri kleineren und mittleren Industrie bringt nicht nur Kapilalisten ins Land, Sondern zieht auch Bevölkerungsgruppen aus den verschiedensten Ländern und Kulturstufen an, die trotz alier innern Unterschiedlichkeit das Merkmal des finanziellen Unvermögens und der sozialen Hilflosigkeit gemeinsam haben. Die Unmöglichkeit der ordnungsmäßigen Unterbringung dieser Gruppen führt zu einer schvyeren Gefährdung der öffentlkhcn Ordnung und Gesundheit. Man steht hier erfahrungsgemäß vor einer fatalen Alternative: Entweder man läßt die Dinge treiben und sieht gleichgültig der Entstehung von ,,slums" z*u mit ihren weitreichenden hygienischen und sozialen Gefahrenquellen; oder aber mai^ entschließt sich dazu, den Wohnungsbau liier als eine rein öffentliche Für maßnähme zu betreiben, also Finanzierung, Bau- und Verwaltung nur durch die öffentliche Hand durchzuführen. Ein ,Drittes gibt es nicht. Die jüdische Presse berichtet schon jetzt, daß sich in Tel-Aviv Elendquartierc mit unsagbar tief stehenden Existenzbedingungen der Be'wohner gebildet haben. Angesichts solcher Berichte muß auch-hier die Passivität der Stadtverwallung yon Tel-Aviv schwere Bedenken auslösen. .ZUSAM-M'EN'FASS.U.]NG Abscliließend lassen sich diese Ausführungen in drei Thesen zusammenfassen: :i---:---:^:Ar" i. Das von der jüdischen Kolonisation erfaßte Gebiet Pa- , lästinas ist schon jetzt reif geworden für eine planwirtschaftliche Raumordnung, die den Nutzungszweck festlegt (Aufteilung auf Landwirtschaft, Wphnsiedtung, Industriez wecke usw.), die Verkehrswege festlegt und die geschlossenen Siedlungen nach Lage, Art und Größenordnung bestimmt. < Die "Wohnsiedlungen, insbesondere auch die Städte sind in möglichst gelockerter Form anzulegen. Die Industrie ist, soweit sie nicht durch den Standort bedingt ist (z. B. in der Haifa-Bay) über das ganze Land zu verteilen. 3t .Auf W^mungsbau, W^hnungs-fliiaime Preisbildung hat die öffentliche Hand Einfluß zu nehmen. Eine Wohnungsfürsorge ist einzurichten. Die;,s\umsu sind aus öffentlichen Mitteln zu beseitigen, 6