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Palästina-Nachrichten · 1935-10-17 · Heft 18-19 (17.10.1935) · p. Seite 2

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 18-19 (17.10.1935)
Date
1935-10-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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nähme macht c]?e ausgezeichnete, im Jähre 19**9 erschienene Schrift \nn l)r, (traiunsky iilier „,Boden und Siedlung in Palästina". . . Die Ausführungen >«>.n Granmskv widerlegen auch den im Pi-ivalgesprüch häufig gehörten Einwand, es lägen in Tel - Aviv w ie überhaupt inw Palästina wirlsehafls- und vcrwaltungspolili.M h besonders geartete Verhältnisse vor, die der an curo- |)äis( hen Yen bildern "geschulte Kritiker nicht genügend in Ilecljnun" stelle. HesomleihiMlen liegen selbstverständlich vor, wie auch jedes europäische Land seine aus Klima, geschichtlicher/ ./Tradition,- Lebensstandard und Lebensgewohnheil erwachsene Ligenair besitzt, 1 fiese Besonderheiten Palästinas sind aber nicht grundsätzlicher Natur. Die IWlenspckulalion in Tel- Aaiv zeigt in ihren Methoden keine strukturellen Unterschiede \on dein Hoden- und BaUw<chwmdel, der auch in jedem europäis(hen Landt' die Prnsperily zu begleiten! pflegt. Wenn beispielsweise die Weiizuwaehssteuer, wie ina'^i in Palästina hau- Hg aimiiiunl. als alleiniges Mittel zur .Bckäüipfunlr der Bodenspekulation ziuJ Verfügung stände, wäre die Situation hoff- . nnng>los.. ' '.. >' ... ,|.'," , In Wahrheit Hegt aber das Scliwergewichides Kampfes gegen den Jlodentnieher im Inhalt der Bauvorschriften. Der in 'der theoretischen \\ oluiiuigslilerat ui\ seit Jahrzehnten geführte Streit, ob die hoheii Bodenpreise die hochgescliossige Mielskaserne nach sich ziehen oder ob umgekehrt diese hoch- , geschossige Mietskaserne erst die Steigerung des Bodens hervorgeni teil hat. ist durch die Praxis im wcsenlliehen im Sinne der zw eilen Alternative entschieden. In ,111 änehen europäischen (iroßslädlen hat eine neue Bauordnung, die die Ausnülzbarkeit der Grundstücke beschränkte und die überhöhte Geschoßzahl auf ein vernünftiges Matt ,,herabzoonle", geradezu Wunder gewirkt und die spekulativ erliöhteir Jbodenpreise auf einen verlrekbaren Sälz: herabgedrtickl. Um dies .Ergebnis zu erreichen. >isl- IiaIiirlich Voraussetzung, daß genügend Boden vorhanden isl, der bau reit' gemacht und in die städtische Sied- Iu'ngszonc einbezogen w erden kann. , Die Umwandlung von sogeiianiileiir Jlohland Jh^bä.u'riH'lesVtieländc ist Aviederuni bedingt durch Anlage eines Straßennelzes und die Bereitstellung geeigneter blassen\ e rkelnsmil jel. die den Transport zvvischen A rbeilssläHe triich'Wohnstätjeubern*4imcn. 15s ist kein Zufall, daß in Eiir(Vpa die 'Auflockerung der Grdßslädte und ihrer Aiimneitung in den- Vorortsbereich hinein parallel lief mit der Verbesserung der al 1 vcr keh rs 1 n 1 tle 1, die bald nach der Jahr- hundert wende mit der Elektrifizierung der Straßenbahn und /der Ein t idirurig des.Aülos und des Autobusses einsetzte. Damit w.iIii für jede in starker Entwicklung befindliehen Großstadt W ie Tel-A.viv, Ilaifa und Jerusalem die Schaffung eines vom Kernpunkt der Stadt in den umliegenden Verkehrsbereich aussl rahlenden Straß(Minetzes unerläßlich. Der Straßen plan ist .aber nur Bestandteil des allgemeinen Bebauungsplans. Denn die verkehrswwirtschaftliche Bedeutung ,einer Straße-,-'(ob. z. B. Ilaupldurchgaugsslraße, Verkehrsstraße, Wohnst iaße usw.) wird beslinnnt durch die Festlegung der (hdändeaiisiuitzung (ob z. B. Industrie^ ieru^l, Geschäftsviertel oder \\ ohuviertel), durch die Bebauüngsw eise (ob Einzelhaus oder (iesch()ßbaii). durch die Frei f lachen (Parks, Grüngürtel) und ähnliche Zw eekselziingen. Mithin muß schon jetzt die Forderung aufgestellt werden, über den hinerii Bebauungsplan hinaus für den weitesten AVirlsthaftsbereich der drei Großstädte Palästinas liebauiiiigspläne aufzustellen, die seibstver- .sfä füll ich demWandet der \e4hältuisse -entsprechend be\Veg-u lieli geselltet sein müssen. ' Der im IVivalgespräch von Laienseile oft gehörte Einwand, : daß die aufgelockerte Bauweise für Palästina zu 'kostspieligsqL_ ^'iTort zu dem je nie in Praktiker bekannten allen Inventar der , Ivainpfesuiiltel, mit denen früher in Europa von interessierter Seite jede verniuif Igemäße Baüpolilik bekämpft wurde. Die W ahrheit ist, daß 'der Mietskasernenstil, in der die Großstädte des europäistheu Kontinents angelegt sind, den öffentlichen Ilaushall direkt und indirekt schwer belastet. Die direkte Be-: '• tiistiiug besteht darinv daß die starke Menschenzusanunen- •drängung zu einer sehr aufwändigeu Gestaltung des Straßenbaus, der \ ersorgungsbelriebe (z. B. Wasser, Elektrizität, Ka^ nalisalion, Straßi^in'iiiigung, .\lüllabfuhr usw.) und des angeiiänglen Leitungsnetzes zwingt und daß ständig infolge der Yerkehrszunahme und der V'erkehrsverlagerungen' erhebliehe (ieldmillel für Straßenerhaltung, Straßeuümbau, Straßen ""Viurclibrüclie beansprucht \verden. Gleichzeitig nötigt die starke Abnutzung der (läuser durch Cberbeleguug mit Angehörigen der^ minderbemittelten Volksklassen zu Sanierungen g&mct Vierlel, Beseitigung der ^slurns*' und damit zum Ankauf von , überteuertem Gelände. Statistisch überhaupt nicht erfaßbar aber sind die indirekten Kosten, die als Folgewirkung des oft "genug geschilderten Wohnungselcnds der übcfbevölkerten (iroßsladt auf dem Gcbiele der sozialen Fürsorge und des Gesundheilswesens entstehen. Der Städtebau in Palästina steht gegenwärtig an Seinem entscheidenden Wendepunkte: Noch ist durch Eingreifen der öffentlichen Instanzen, zu denen in erster fAnic die jüdischen Stellen gehören, die Möglichkeit gegeben^ vom Lande das Unheil fern zu halten; das mit der gedanker*r - losen Übernahme vori Bebauungsplänen haeli dem Schema des dekorativen Großsladlstils einer überwundenen Zeit verknüpft, sein wird, Die einzelne Stadt führt überhaupt keine Sonderex is lenz in splendid isolaüon. Deshalb ist für das von der jüdischen Kolonisation erfaßte Gebiet ein einheitlicher Siedlungsplan aufzustellen, der auch die geschlossene Siedlungen wie Stadt und Dorf systematisch in die höhere Einheit des Gesanitgebietcs einordnet und daher in organisch verbundener Stufenfolge von der Landesplanung zum Ortsbebauungsplän und über die Projektierung der örtlichen Siedlungen und ihrer Örtsteile zum Ausweis/ der einzelnen Baustellen, übergeht. , Damit geht die Erörterung über vlm Städtebau, der das Ganze erfaßt, zum Häuser bau, der die Einzelstelle betrifft. Dieser Fragenkomplex des Wohnungsbaus, der Wohnungsfinanzierung und der Wolinungsmiete berührt in Palästina das besondere Interesse der am Wirtschaf tsleben - beteiligten Kreise und sollte im Rahmen einer großzügigen liidustriepolilik gerade gegenwärtig an der ersten Stelle der berufspolilischcn Tagesfragen stehen. Palästina ist ein rohstoffarmes Land und kann daher iin wesentlichen nur eine verarbeitende Industrie entwickeln, Diese Industrie ist auf den Bezug auswärtiger Ivolnnaterialicn angewiesen und nur konkurrenzfähig, wenn die Löhne nicht über ein gewisses Maß hinausgehen. Auf der andern Seite bedarf eine verarbeitende Industrie, besonders wenn sie auf Qualität eingestellt ist, eines Stammes geschulter Facharbeiter; die einen liohen/'I^be'nsstandard• inner; hallen und daher auf^gute Wohribedingungen Wert legen. Beide Tendenzen sind gleichmäßig berechtigt, aber gegensätzlich gerichtet. Sollen sie reibungslos ausgeglichen werden, so bleibt nur übrig, die Miete so niedrig zu halten, daß sie nur einen geringen Prozentsatz des Lohnes beansprucht. Das; ist aber wieder nur möglich bei Niedrighaltung des Bödenpreises', ohne die es keine billige Wohnung und billige Mieten gibt. Die gegenwärtige Belastung des judischen Arbeiters mit einem Mietssatz von 3o—5oo/0 des Arbeitslohnes ist nicht nur sozialpolilisch untragbar, sondern ist auch betriebswirtschaftlieh für den Unlerriehnier eine übermäßig starke Belastung des. Lohn- *kohlos und gefährdet seine Weltbewerbsfäliigkeit. Arbeitgeber und Arbeitnehmer des jüdischen Palästinas haben liier gleichgerichtete lnteressen und sollten sich zu einer praktischen Arbeilsgemeinschalt zusammenfinden< Das Ziel sollte in vorausschauend geführter Betriebspolitik darauf gerichtet seih, für die Belegschaft - Wohnungen zu beschaffen,, die nicht nur hygienisch einwandfrei sind, sondern zu einem tragbaren Mietssalz vergeben werden. Das bedeutet nach einein in der Yarwa 11ui 1 gspraxis allgemein anerkannten Erfalirungsgründsalz, daß ein Fünftel des durchsclmittlicheh Brutlolbhneinkoininens nichl überstiegen werden darf. Die Schwierigkeiten und 'vor allem die pri valvvirtschaftlichen Widerstähcler die sich der Bealisierung, dieses Zieles in Palästina entgegensetzen, sind sehr groß. Aber ich halte es für außerördentlieh gefährlich, die Dinge ziellos treiben zu lassen uncl sich unter bequemen _$M>vänilmileiner^^^ heblich erschwerten Umständen, doch einmal aufgenommen werden muß. Gegenwärtig verdeckt nur die Prosperity die schweren Gefahren; die bei Absinken der Konjunktur sofort grell in Erscheinung treten werden, und zwar nicht nur für das Volksganze, sondern auch gesehen vom Standpunkt des einzelnen Biklriebsunternehinens. Im besonderen Maßehat auch hier die^Stadtvprwältüng von Tel-Aviv sehr schwere Versäum^ . nisse nachzuholen. Eine ihrer Verantwortung bewüßte Großstadtverwaltuug darf sich auf dem Gebiete; des Bau^ und Wohuungsmarkles nicht damit begnügen, im Wege von Reguli-; tionen und Korrekturen einige Mißstände zu beseitigen und Bberspilzi|ngen abzusc|uveideu. Sie und beispielgebend voranzugehen und, sei es direkt, sei es indirekt im Wege der gen 1 isehtwirtschaftlichen Unternehmung, (Fortsetzung Seite 6 2

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