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Palästina-Nachrichten · 1934-12-20 · Heft 17 (20.12.1934) · p. Seite 6

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 17 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Landwirtschaft, Orangen und Siedlung Die neue Orangen-Saison. Bis zum 10. November wurden sei! Beginn der neuen Exportsaison 69 519 Kisten Grape-Fruits und 19 545 Kisten Zitronen verladen. Am 10. November hat das Orangenpflücken offiziell begonnen, und am 15. November die Örangenverladung. Die ersten Orangen-Schiffsladungen, beide nach England, verliefjen Jaffa am 16. und Haifa am 18. November. In der Zeit vom 26. November bis 2. Dezember wurden 349 596 Kisten Orangen verschickt, insgesamt seit dem Beginn der Saison 672 172 Kisten. Von der letzten Verschiffung kamen 222 168 über Jaffa, 122 946 über Haifa und 2482 über P. Said. Aufjer den üblichen Märkten in Grofj-Britannien, Deutschland, Schweiz und Frankreich gingen bei der letzten Verschiffung die Früchte auch nach dem Sudan, Kanada, Aden, Ceylon, Skandinavien und Tschechoslovakei. Palästinensische Orangen-Exporteure haben von der George Thibaud Agency die Mitteilung erhalten, dafj dort die Einfuhr von Jaffa-Orangen gewünscht wird. Diese Nachfrage ist deshalb besonders interessant, weil von dieser Stelle hundertzwanziger Kisten verlangt werden, die sonst schwerer unterzubringen sind. Industrie und städtische Kolonisation Brauereigründung in Rischon-Ie-Zion gesichert. Die Etablierung einer Bierbrauerei in einem Teile der Weinkellereien von Rischon-Ie-Zion durch die französische Gaston Dreyfufj-Gruppe ist nunmehr gesichert, nachdem eine Verständigung mit der Palästina-Regierung über die fiskalischen Voraussetzungen erzielt worden ist. Die Regierung hat soeben die beiden wichtigsten Werkstoffe der Brauerei, Hopfen und Malz, vom Einfuhrzoll befreit und die Biersteuer für Inlandsbier auf 10 Mil pro Liter festgesetzt. Elektro-Fabrikation Die „Societe d'lndustries Electriques d'Egypte Shaffermann Freres" in Alexandrien bereitet die Gründung einer Filiale in Jaffa vor, die Elektromaterialien alle Art herstellen und ein Grundkapital von J0 000 £P erhalten soll. Eisengießerei Haifa eröffnet Der Betrieb der „Palesfine Foundries and Metal Works, Ltd." (Kremener-Werke) in Haifa ist im Laufe des Monats November nunmehr für die Eisengießerei und das Emaillierwerk aufgenommen worden. Im Jahre 1935 wird auch das Eisenwalzwerk und die Maschinenfabrik eröffnet werden. „Lorona", die Schuhfabrik deckt nur 6% des Bedarfs Das vor etwa 100 Jahren gegründete Unternehmen, das im Sommer 1931 in die Hände der jetzigen Besitzer überging, hat im Juli dieses Jahres den modernen Neubau in Rischon-Ie-Zion bezogen. Die Fabrik erzeugt Herren-, Damen- und Kinderschuhe und setzt ihre Produktion vorläufig nur auf den palästinensischen Markt ab, dessen Bedarf bei weitem nicht volj gedeckt werden kann. Der palästinensische Schuhbedarf ist ungefähr auf mindestens 1 Million Paar jährlich zu schätzen. Die Schuhfabrik „Corona" produziert zur Zeit täglich 200 Paar Schuhe, im Jahre also 60 000 Paar, die nur etwa 6% des palästinensischen Gesamtbedarfes ausmachen. Vor 3 Jahren wurden täglich 40 Paar erzeugt, im Laufe der nächsten 2 Monate soll die Produktion auf täglich 300 Paar gesteigert werden. Die Produktion wird zu 90° o in eigenen Geschäften abgesetzt. Während das Oberleder noch aus dem Ausland (vor allem aus Ungarn) bezogen werden mufj, wird als Sohlenleder inländisches Fabrikat verwertet. Der Schuhimport bewegt sich seit 1932 auf folgender Höhe: Lederschuhe Andere Schuhe tP 42 711 40 956 28 971 ÜP 7 735 8 252 4 601 Paar 315 797 173 632 Kilo 35 744 24 200 Lederschuhe werden vor allem aus der Tschechoslowakei und aus Syrien, in kleineren Mengen ferner aus Deutschland, England und Aegypten bezogen. Andere Schuhe kommen zum weitaus gröfjten Teile ebenfalls aus der Tschechslowakei. Es werden vor allem leichte Damenschuhe importiert, während die Einfuhr von Herrenlederschuhen nicht sehr stark ins Gewicht fällt. Der Import ist im Jahre 1934 im Steigen begriffen, auch der Durchschnittswert pro Paar, der sich für Lederschuhe im Jahre 1933 auf rund 13 Piaster stellte, hat sich 1934 auf ^6i,2 Piaster erhöht. Insgesamt wird etwa der 3. Teil des palästinensischen Schuhbedarfs importiert. rt^Hiiir-mrfrrrTTinn Ueber den Erwe;b dieses grorjen Bodenkomplexes (vergl. Nr. 15 der „P. N.") schreibt der offizielle „Eildienst": — Das. Ereignis der vergangenen Woche war das Bekanntwerden des käuflichen Erwerbs der bisher in syrisch-arabischen Händen befindlichen Hule-Konzession an die jüdische Palesfine Land Development Comp. Es handelt sich um ein 57 000 Dunam grofjes Gebiet rings um den Hule-See, dem kleinsten der 3 Seen, die der Jordan durchfliegt, ganz im Norden Palästinas an der syrischen Grenze gelegen. Die neuen jüdischen Konzessionäre haben den Vertrag in London geschlossen und die Genehmigung der Mandafsregierung dazu erhalfen. Den arabischen Siedlern auf diesem Gebiete sind höchstens 15 000 Dunam vorbehalten; ihr Gebiet wird ebenso kultiviert werden wie das übrige Konzessionslahd. Der englische Oberkommissar von Palästina, Sir Arthur Wauchope, machte selbst die Mitteilung dieses Konzessionserwerbs durch die Juden, und zwar gelegentlich des Empfanges einer arabischen Protestdelegation gegen die jüdische Einwanderung und den jüdischen Bodenerwerb. Er brachte dabei den Beschwerdeführern in Erinnerung, dafj die syrisch-arabischen Könzessionsinhaber seit 1914, also 20 Jahre hindurch, nicht in der Lage gewesen seien, die notwendigen Summen für die Entsumpfung und Kultivierung des Hulegebiefes aufzubringen, während die jüdischen Konzessionserwerber nunmehr das Kapital sofort aufbringen konnten. Der Erwerb der Hulekonzession bedeutet für die Juden einen grorjen Erfolg in ihrer Bodenpolitik innerhalb Palästinas, ebenso wie es für die Araber aus gleichen Gründen einen schweren Schlag bedeutet. Die arabischen Parteien fühlen sich dadurch, dafj die Mandatsregierung diesen Vorgang genehmigt und auch nachträglich gerechtfertigt hat, schwer zurückgesetzt und erschöpfen sich derzeit in Vorwürfen besonders gegen diejenigen, die die Konzession an die Juden abgetreten haben. Die jüdischen Konzessionserwerber Ihrerseits beschäftigen sich bereits mit den Ausführungsplänen für die Kultivierung des Landes und für den Aufbau einer großzügigen Siedlung auf diesem neuerworbenen grorjen Gebiet. BücUec: Arabisch: So recht für den praktischen Gebrauch erschien im Verlag von A. Steinmatzki, Jerusalem, ein kleiner arabischer Sprachführer. In geschickter Nebeneinanderstellung bringt er die wichtigsten deutschen Gebrauchsworte in arabischer Schrift und in gut verständlichen Aussprachebezeichnungen. Der eilige Schüler kann auch ohne die Schrift zu beherrschen, zur arabischen Konversation kommen. Druck und Anordnung ist übersichtlich und erleichtert gerade dem deutschen Neu-Einwanderer das Verständnis. Dafj hier kein Lehrbuch geschaffen werden sollte, ist ja selbstverständlich. Dafj ein solches Wörterbuch auch die wirkliche Kenntnis der arabischen Sprache nicht ersetzen kann und darf, mag erwähnt werden, aber nützlich und geschickt ist dieses Buch — also zu empfehlen. Philo-Lexikon — Handbuch des jüdischen Wissens. Philo Verlag und Buchhandlung G.m.b.H. 1935, RM. 4,80. Mit diesem, über 400 Seiten starken Buche hat der Philo Verlag das längst erwartete kleine Lexikon jüdischen Wissens geschaffen, das in konzentrierter Form all den Wissensstoff vereinigt, der den Gesamtbegriff Judentum umschliefjt. Unter jedem Stichwort ist das Wesentliche allgemein verständlich zu finden, eine Fülle von Wissensstoff im ganzen geboten, der noch durch 250 Abbildungen besonders anschaulich gemacht wird. Durch die Aufnahme vieler Gruppenstichwörter, in welchen die jüdischen Persönlichkeiten beruflich vereinigt sind, z. B. Architekten, Chemiker, Juristen, Maler, Mediziner usw., sind viele der wichtigsten jüdischen Gelehrten und Künstler enthalten. Bei der für ein Lexikon ungewöhnlich raschen Herstellungszeit ein gut gelungenes Werk. Voranzeige Anfangs 1935 wird der Verlag der Palnews ein umfassendes „Wirtschaftsjahrbuch für Palästina" herausbringen. Dieses Jahrbuch wird in einer getrennten hebräischen, englischen und deutschen Ausgabe erscheinen und einen Umfang von ca. 500 Druckseiten aufweisen. Das Buch wird alle Zweige des palästinensischen Wirtschaftslebens in getrennten Darstellungen durch Originalartikel der maßgebendesten Wirtschaftsführer und durch Statistiken behandeln. Dem. Buch ist ein Teil angegliedert, der alle Daten enthalten wird, welche das Jahrbuch zu einem notwendigen Nachschlagewerk für jeden an der Wirtschaft Interessierten macht. 6

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