Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 7 (5.7.1934)
- Date
- 1934-07-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachbarländer Syrien und Libanon Ein Finanzkonsortium beschäftigt sich gegenwärtig mit einem umfassenden Bewässerungsprojekt für den Hauran. — Die syrischen Landwirte haben bei der Regierung ein dreißigjähriges Moratorium für Bankdarlehen, eine zehnjährige Steuerbefreiung und eine sofortige Erhöhung der Agrarzölle beantragt. 700 französische Soldaten sind den Zivilbehörden zur Eintreibung der Staatssteuern zugeteilt worden. — Die Mandatsverwaltung hat Schritte unternommen, um die in Frankreich durchgeführten Sparmaßnahmen auch sinngemäß auf Syrien anzuwenden. — Die Regierung hat einen sanitären Kontrolldienst für die Obstausfuhr organisiert, da syrische Früchte in lezter Zeit wegen Pffanzenkrankheitsverdacht auf Schwierigkeiten im Auslande stießen (z. B. palästinensisches Einfuhrverbot für syrisch-libanesische Bananen). Die Bodenpreise im Beiruter Hafengelände zogen in letzter Zeit stark an, ein Symptom der auf den Hafenbau gesetzten Hoffnungen eines neuen Handelsaufschwunges. Die ständige Industrieausstellung in Damaskus wird Mitte April 1935 eröffnet werden. — Die syrische Regierung hat für die ständige Industrieausstellung in Damaskus ein Investierungskapital von 200 000 syr. Pfund ausgewiesen. — Da man in Nordpersien Petroleumvorkommen vermutet, wurden sechs Schürfkonzessionen erteilt, davon zwei an die „Iraq Petroleum Company", zwei an die „Societe de Petrole de Lattagieh", sowie zwei an Privatunternehmer. — Die Popeline-Webereien in Aleppo haben infolge der Wirtschaftskrise und der japanischen Konkurrenz letzthin nur 20 Prozent ihrer Produktion (die rund 1000 Stück täglich beträgt) absetzen können. Deshalb ist zwecks Senkung der Produktionskosten und Erleichterung des Absatzes kürzlich eine Lohnkürzung von 20 Prozent vorgenommen worden, wogegen ein Proteststreik von 18 ÖÖ0 Textilarbeitern erfolglos endete. Die Textilindustriellen von Aleppo und Damaskus haben die Regierung ersucht, zwecks Schutzes gegen die japanische Unterbietung den Baumwolleimport sofort zu kontingentieren und zwecks Produktionsverbilligung den bisherigen Baumwollgarnzoll von 35 Prozent sofort aufzuheben. Persien Die Regierung hat ein Fremdenverkehrsdepartement errichtet, das dank reichlicher Dotierung eine weltumspannende Auslandspropaganda durchführen wird, insbesondere nach dem Vorbilde der Touristikwerbung der Sowjetunion („Intourist") und Italiens (..Enit"). — In Mesched wurde eine modern eingerichtete Lederfabrik eröffnet. — In Teheran wurde die persisch-französische Baugesellschaft „Ettekal-Rahan" errichtet, die hauptsächlich Aufträge der Eisenbahnverwaltung ausführen wirdy — Eine Regierungserklärung bezeichnet erneut die Ba)f trein-lnseln (im Persischen Golf) als persisches Hoheitsgebiet und weist die Ansprüche einer amerikanischen Gesellschaft auf dortige Petroleumschürfrechte zurück. — In aller Stille ist in Persien ein Netz japanischer Handelsvertretungen von Mohammera im Süden bis Pehlewi im Norden errichtet worden, um die russischen und englischen Waren vom persischen Markte zu verdrängen. Transjordanien Der britisch-transjordanische Schutzvertrag ist in einigen Punkten revidiert worden, wonach Transjordanien das Recht zur Errichtung eigener diplomatischer Auslandsvertretungen erhält und den britischen Verwaltungsbeitrag von 60 000 £. jährlich als nicht rückzahlbaren Zuschuß empfängt. Ägypten Der Eierexport ist von 518 300 £E in 1932 auf 378 600 in 1933 gesunken, dabei insbesondere nach Spanien von 194 603 auf 161 349, nach Italien von 163919 auf 85113, nach England von 82 633 auf 16 059 £E. Die Exporteure verlangen von der Regierung die Aufnahme sofortiger Verhandlungen mit den genannten Ländern, um ausreichende Importkontingente für ägyptische Eier sicherzustellen, namentlich gegenüber der Konkurrenz der türkischen Eier. — In Alexandrien wurde eine Fabrik für Tomatenkonserven eröffnet, die demnächst auch die Herstellung von Sardinenkonserven aufnehmen wird. — Der ägyptische Außenhandel im Jahre 1934 scheint sich günstig zu entwickeln, wie die soeben publizierten Januarergebnisse erwarten lassen: Einfuhr 2 330 229 (i. V. 2 054 093) £E, Ausfuhr 3 227 779 (2 460 707) £E, Aktivsaldo 897 550 (406614) £E. — Der Sommer-Reiseverkehr aus Aegypten nach den libanesischen Kurorten hat lebhaft eingesetzt. Besonders wird dabei die neue Fluglinie Kairo—Haifa benutzt, an die in Haifa die Autobuslinie nach Beirut anschließt. Griechenland Um den fieberhaften Vorbereitungen der türkischen Fruchtexporteure entgegenzutreten, und um die griechischen Exporteure von frischen Früchten anderen Ländern gegenüber konkurrenzfähig zu halten, hält es das Landwirtschaftsministerium für erforderlich, besondere Maßnahmen zu ergreifen. Von dieser amtlichen Stelle ist daher an die Bank von Griechenland die Bitte gerichtet und derselben empfohlen worden, die Differenz zwischen dem Kauf und Verkauf von Devisen, die für den Fruchtexport nötig sind, herunterzudrücken. An das Finanzministerium wurde von derselben Stelle die Bitte gerichtet, Zollfreiheit für gewisse Verpackungsmaterialien für die frischen Früchte (d. h. für Papier, Kisten usw.), zu gewähren, da diese mit den Früchten ja sowieso wieder ausgeführt werden. — Die Hafenorganisation von Piraeus wurde aufgefordert, besonders ausgebildete Trupps zur Verladung der frischen Früchte auszubilden, umm schnellste Verladung zu garantieren. Ri. Landwirtschaft, Orangen und Siedlung Neue jüdische Landwirtschaftsschule eröffnet Die jüdische Kadoorie-Landwirtschaftsschule auf dem Berge Tabor (Galiläa) ist am 20. Juni durch den High Commissioner eröffnet worden. Gebührentarif für den Obstbaumschutzdienst Für die Beanspruchung der Leistungen des staatlichen Obstbaumschutzdienstes (Räucherung der Bäume usw.) ist ein neuer Gebührentarif auf Grund der „Plants Protection, Ordinance" veröffentlicht worden. Verdoppelter Gerstenschutzzoll Um für die sehr reichlich ausgefallene Gerstenernte eine Verwertung zu angemessenen Preisen zu sichern, hat die Regierung den Gerstenschutzzoll von bisher 1 Mil pro Kilogramm auf nunmehr 2 Mil erhöht. Kartoffelbau in Palästina Das neueste Merkblatt des Regierungsdepartements für Landwirtschaft ist dem palästinensischen Kartoffelbau gewidmet. Das Bewässerungsproblem Mit 6000 £P Kostenaufwand hat die Regierung eine allgemeine Aufnahme der Wasserverhältnisse und Bewässerungsmöglichkeiten Palästinas eingeleitet, die binnen zwei Jahren abgeschlossen sein wird. Die Arbeiten werden vom Vermessungsdepartement ausgeführt. großzügige Siedlungsprojekte am JCinerethsee Tiberias (Palnews). Seit längerer Zeit werden Pläne zu einer großzügigen Ansiedlung deutscher Juden am Kinerethsee verfolgt, die inzwischen — wie wir hören — in das Stadium der Verwirklichung eingetreten sind. Am Nordufer des Kinerethsees sind durch die Palestine Land Development Co. 4000 Dunam Boden erworben worden, auf denen intensivste Gemüsekultur mit künstlicher Berieselung betrieben werden soll. Man beabsichtigt, jährlich 3 bis 4 Ernten zu erzielen und in großzügigem Maßstab für den Export zu produzieren. Es sollen Individualwirtschaften deutscher Juden, denen entsprechendes Kapital zur Verfügung steht, angelegt werden. Die Leitung dieser Siedlung liegt in den Händen des ehemaligen MinistenaJajireJa^ojLJ&a^ Berlin und von Dr. Meyer, Rehobot: ~~ " In Ramath-Toberias, 450 Meter über dem Seespiegel, ist ein Terrain von 1500 bis 2000 Dunam zur Parzellierung erworben worden, auf dem hauptsächlich deutsche, österreichische und tschechische Juden angesiedelt werden sollen und auf dem man ebenfalls Gemüsebau zu betreiben beabsichtigt. Die Bauernbank Ltd. beginnt ihre Tätigkeit Tel-Aviv (Palnews). Die Bauernbank Ltd, die als Kooperativverband auf Initiative des Palästinensischen Bauern. Verbandes gegründet wurde, hat von der Regierung die offizielle Bestätigung erhalten und wird in einigen Wochen, Mitte Juli, mit ihrerrTätigkeit beginnen. Das nominelle Kapital der Bank beläuft sich auf 15 000 £P und ist voll eingezahlt worden. Die Bank beabsichtigt, sofort nach Beginn ihrer Tätigkeit eine Serie von Obligationen herauszugeben. Die Bauernbank Ltd. wird sich in erster Linie dem landwirtschaftlichen Hypohtekengeschäft zuwenden und Hypothekenkredite geben, sie wird sich aber auch allen übrigen Zweigen des regulären Bankgeschäftes widmen. Außerdem will sich das Institut bemühen, die Versicherungsu, a, Geschäfte der Bauernschaft in ihrem Rahmen zu konzentrieren. 6