Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 6 (18.6.1934)
- Date
- 1934-06-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Außenhandel Die Levantemesse Die diesjährige Tel-Aviver Levantemesse, die am 26. April begann und ursprünglich am 26. Mai schließen sollte, ist nach zweimaliger Prolongation am 5. Juni endgültig zum Abschluß gelangt, wobei der letzte Tag die feierliche Verteilung der Medaillen und Diplome an die Aussteller brachte. Schätzungsweise haben insgesamt 650 000 Personen (1932: 285 000) die Messe besucht, darunter etwa 35000 Einkäufer aus den Nachbarländern. Besonders günstig schnitten die palästinensischen Industrieausteller ab, sowohl im Inlandsgeschäft, das in beachtlichem Umfange die bisher importierten Auslandsfabrikate durch einheimische Erzeugnisse zu ersetzen beginnt, als auch im Ausfuhrgeschäft nach den umliegenden orientalischen Ländern und nach den Balkanstaaten. Uneinheitlich berichten die Auslandsaussteller. Von diesen sahen die Verkäufer von Produktionsmitteln (Maschinen, Werkzeuge, Transportmittel, Baubedarf, Elektrotechnik, Chemikalien, Halbfabrikate) ihre Erwartungen zum Teil erheblich übertroffen, dank der in Palästina und den Nachbarstaaten herrschenden Investierungskonjunktur. Andererseits stellten die Verkäufer von Konsum- und Luxuswaren fest, daß der Palästina- und Orientmarkt für manche dieser Erzeugnisse doch zunächst noch eine begrenzte Kaufkraft aufweist und überdies dank des Aufblühens der palästinensischen Industrien teilweise bereits zur Selbstversorgung tendiert. Stark beeinflußt war die Geschäftsentwicklung weiterhin vom valutarischen Moment. Die Geldentwertungsländer, z. B. die Tschechoslowakei, konnten bessere Ergebnisse erzielen als die Goldblockstaaten, da in der Levante der billige Preis gerade heüte, da dieser Markt international besonders umworben ist, den Ausschlag gibt. Dem Vernehmen nach haben zahlreiche Aussteller bereits ihre Absicht beßundet, auch an der nächsten Messe (Voraussichtlich im Frühjahr 1936) wieder teilzunehmen. Dr. A. Englische Automobilfirmen waren mit dem Geschäft auf der Levantemesse sehr zufrieden. Die British & Levant Agencies, Ltd., der Vertreter der englischen Hillrriann-Humber-Commer-Gruppe, hatten — wie der Korrespondent des Near East and India meldet — einen besonders schönen Ausstellungsplatz, und ihr Stand war während der ganzen Messe stark besucht. Viele Besucher effektuierten Käufe, und viele ernsthafte Interessenten wurden gewonnen. Es scheint völlig sicher zu sein, daß die leichten englischen Wagen ^im nahen Osten wesentlich populärer geworden sind, und diejenigen Produzenten, die rechtzeitig die Bedürfnisse dieses Marktes erkannt haben, werden gute Erfolge erzielen. Bevorzugte Modelle waren: Humber Snipe und Humber Twelve and Hillmann. Auch Lastwagen wurden gekauft, speziel der Commer Centaure. Aufschwung des Kraftwagen-Imports Die günstige Marktlage für Kraftfahrzeuge hält weiter an. In der vierten Maiwoche traf aus England ein Transport von 100 Wagen ein. Von amerikanischer Seite ist jetzt der Absatz gebrauchter Automobile („Second hand cars") in Palästina organisiert worden und findet starken Zuspruch des Publikums. Banken — Geldverkehr Die Entwicklung der „Kupat-Am"-Bank Tel-Aviv (Palnews). — Nach dem nunmehr veröffentlichten Geschäftsbericht wie der Bilanz der „Kupat Am"-Bank für das Jahr 1933 ergibt.sich folgendes Entwicklungsbild: Die „Kupat Am"-Bank, die eine der ältesten Banken des Landes ist und 1918 mit 180 Aktionärmitgliedern und einem Kapital von 5000 £P gegründet wurde, verfügt am Ende des Geschäftsjahres 1933 über 2072 Mitglieder; das Aktienkapital hat die Höhe von 25 000 £P erreicht, zu dem noch die Reservefonds mit 16 000 £P hinzukommen, so daß das Gesamtkapital der Bank sich auf 40 000 £P beläuft. Die Einlagen, die Ende 1932 160000 £P erreichten, stiegen 1933 auf 330000 £P an. Der Gesamtumsatz im Jahre 1933 beträgt 12 Millionen £P gegenüber 6 Millionen £P im Jahre 1932. Die „Kupat Am"-Bank in Tel-Aviv und ihre Filialen in Jerusalem und Haifa basieren hauptsächlich auf einem Kreise von Kaufleuten und Pardessbesitzem. Im Zusammenhang damit sind ihre Geschäfte hauptsächlich kurzfristige Handelsgeschäfte. Die Bank zahlte im Laufe der ganzen Zeit 6% Dividende an die Aktienmitglieder. Das registrierte Kapital der Bank beträgt 50 000 £P. Geldumlauf Anfang Mai Der Zahlungsmittelbestand Palästinas läßt, nach neuester amtlicher Verlautbarung, für Anfang Mai 1934, mit den beiden Vormonaten verglichen, folgendes Bild erkennen: Anfang März Anfang April Anfang Mai 1934 1934 1934 Münzen 411612 £P 418084 £P 423928 £P Banknoten 3 273 052 £P 3 651 580 £P 3 630 736 £P Zahlungsmittel zus. 3684664 £P 4069 664 £P 4054664 £P Der Umlauf an Zahlungsmitteln insgesamt und an Banknoten im besonderen hat sich also im April, wie stets nach Abschluß der Festsaison, ein wenig vermindert, während bei den Münzen eine kleine Einnahme zu verzeichnen ist. „Central Bank for Co-operative Institutions in Palestine, Ltd." Jerusalem Der Geschäftsbericht für 1932/33 (1. 9.—31. 8.) weist eine Bilanzsumme von 298 360 £P auf. Die Darlehnsgewährung in 1932/33 betrug insgesamt 171 618 £P, davon 129 518 kurzfristig. Eröffnung einer Filiale der Anglobank in Hadar Hacarmel Nachdem bereits seit einigen Monaten die Barclays Bank in dem größten jüdischen Wohnviertel Haifas, in Hadar Hacarmel, eine Filiale errichtet hat, wird jetzt auch die Anglo Palestine Bank unter Leitung von Dr. Soloweitschik in der Herzlstraße in Hadar Hacarmel eine Zweigniederlassung eröffnen. Neue Filiale der „Arab Bank" Die „Arab Bank" (Hauptsitz Jerusalem) wird demnächst eine neue Niederlassung in Ramleh eröffnen. Gesetze — Regierungsfinanzen Neue Erdöltransit-Konzession Wie die Palästina-Regierung soeben amtlich mitteilt, hat sie durch Vertrag vom 18. Oktober 1933 der „Anglo-Persian Oil Company, Ltd.", London, für die Dauer von 70 Jahren die Konzession verliehen, in Persien oder dem Irak produziertes Erdöl im Transit durch Palästina zu befördern und in der Haifa-Akko- Bucht auf Schiffe zu verladen. Die Konzession umfaßt auch die Erlaubnis zum Bau und Betrieb einer „Pipe-Line" und räumt der Konzessionärin außergewöhnliche Vergünstigungen in Verkehrs-, Steuer- und sozialpolitischer Hinsicht ein. Die Konzession verfällt, wenn von ihr nicht innerhalb von zehn Jahren Gebrauch gemacht wird. Einen ähnlichen Transitvertrag hat die A. P. O. C. bereits auch mit dem Irak abgeschlossen. Der Plan vor einigen Jahren, das in Südpersien gewonnene Erdöl auf kürzestem Ueberlandweg mittels Pipe-Line an das Mittelmeer heranzuführen, wird Haifas Bedeutung als Oelhafen künftig noch gewaltig steigern. Was das Verhältnis zur „Iraq Petroleum Compgny" betrifft, deren Pipe-Line Kirkuk—Hadirha—Haifa den Betrieb am 1. Januar 1935 aufnehmen wird, sö sei bemerkt, daß die A. P. O. C. über eine Aktienbeteiligung von 23,75% an der I. P. C. verfügt und vermutlich, soweit die Kapazität es zuläßt, deren Röhrensystem mitbenutzen wird. Wann die Konzession praktische Bedeutung gewinnen wird, ist noch ungewiß. Erinnert sei daran, daß die Beziehungen der A. P. O. C. zur persischen Regierung, die im Vorjahr umstritten waren, kürzlich durch ein neues Abkommen geregelt worden sind. Elektrizitätsgesetz für Palästina Die Regierung hat den Entwurf eines Elektrizitätsgesetzes veröffentlicht, das eine umfassende Regelung der Elektrizitätsversorgung des Landes vorsieht. Neben technischen und gewerbepolizeilichen Vorschriften (Bestellung von Elektrizitätsinspektoren, Lizenzpflicht der Elektrotechniker, Genehmigungspflicht elektrischer Anlagen usw.) greift das geplante Gesetz auch in die wirtschaftlich-organisatorischen Grundlagen des palästinensischen Elektrizitätswesens ein, so durch eine Vorschrift, die den High Commissioner ermächtigt, den Kommunalverwaltungen Einrichtung und Betrieb von Niederspannungs- 5