Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 6 (18.6.1934)
- Date
- 1934-06-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Abzug der Häute im Schlachthaus von Tel-Aviv ist gut, in den Provinzschlachthäusern dagegen erheblich schlechter. Sämtliche Häute werden in Tel-Aviv, als dem Platz mit dem bedeutendsten Häuteanfall, von den im Schlachthaus arbeitenden Fleischercooperativen den Interessenten jeweils mit Vertrag für bestimmte Fristen verkauft, wobei die Kondition tel-quel (die Ware muß genommen werden, wie sie anfällt) ist. Bei dieser Situation der innerpalästinensischen Häuteversorgung ist es notwendig, gute Croupons für Sohlenleder einzuführen. Der Import an Häuten betrug: Büffelhaut, roh oder getrocknet: 1931 ...... 110504 kg 6660 £P 1932 ....... 151 238 kg 7639 £P 1933 ....... 192610 kg 10538 £P Die Hauptlieferanten waren Aegypten und die malaischen Staaten. Der Import an Kamel-, Rinder- und Pferdehäuten betrug: 1931 ....... 175415 kg 10 545 £P 1932 ....... 45 985 kg 2794 £P 1933 ....... 55 201 kg 3 024 £P Der überwiegende Anteil kam aus Aegypten, etwas aus Rumänien. Soweit Oberleder in Palästina erzeugt wird, ist das im Lande anfallende Rohmaterial nur für Wiüowleder (Rindbox) zu verwenden, doch sind hier die Möglichkeiten sehr gering, da bisher eine nennenswerte Oberledererzeugung in Palästina nicht existiert. Bisher ist die Frage des Imports von geeigneten Häuten für Oberledergerbereien nicht wichtig gewesen; sollte jedoch mit einer nennenswerten Oberledererzeugung begonnen werden, so müßte entweder frische Haut aus günstig gelegenen europäischen Schlachthäusern oder gesalzene und getrocknete Haut aus Ostindien oder Südamerika eingeführt werden. Die Häute der palästinensischen Schafe und Ziegen werden in ziemlichem Umfang zur Herstellung von Bekleidungsleder verwandt. Ein kleiner Teil wird auch als Spezialleder für feine Lederwaren zugerichtet, doch wird dieses Gebiet nachstehend nicht behandelt werden, da es quantitativ von geringer Bedeutung ist. 2. Gerbstoffe. In Palästina gibt es zwar verschiedene Baumvorkommen, die als Grundlage für eine Gerbstoffindustrie in Frage kommen, doch ist bisher die Ausbeute so unerheblich, daß Gerbstoffe vorwiegend importiert werden. Von den im Lande vorkommenden Bäumen, die vielleicht späterhin für die Gewinnung von Gerbstoffen Bedeutung haben könnten, sind folgende zu nennen: Sumach, wächst in der Gegend von Hebron, auch in Transjordanien. Die bisherige Ausbeute war sehr gering. Eiche (quercus coccitera und quercus ithabur e n s i s), bei denen die Rinde resp. die Eichelschalen als Grundmaterial für Gerbstoff dienen. Die bisherige Ausbeute ist geringfügig. Die Verwendung der Fichtenrinde hat bisher noch nicht begonnen, da es sich meist um junge Baumpflanzungen handelt. Die Rinde der Granatapfelbäume wird gleichfalls bisher nicht zur Erzeugung von Gerbstoffen verwandt. Schließlich ist noch auf die Akazien, die teils zur Einzäunung von Pardessim, teils auch als Waldanlagen von der Regierung in privaten Institutionen angepflanzt wurden, als Gerbstofflieferanten hinzuweisen. Bisher ist jedoch eine Verwertung nicht erfolgt. Die Deckung des Bedarfs an Gerbstoffen erfolgt daher ausschließlich durch Einfuhr. Sie betrug: 1931 ........ 255 688 kg 4131 £P 1932 ........ 286506 kg 4338 £P 1933 ........ 397 719 kg 6238 £P Die Hauptlieferanten waren Frankreich, England, Aegypten und Syrien. Von natürlichen Gerbstoffen wird vor allem Quebrachoextrakt verwandt, außerdem auch etwas Valonia, aus Syrien. An künstlichen Gerbstoffen wird vor allem Chromalaun verwandt. Die Einfuhr obiger Gerbstoffe, wie auch die Einfuhr von Anilin- und Indigofarben für Lederfärbung, erfolgt zollfrei. 3. Wasser. Die meisten Analysen des bisher für Industriezwecke untersuchten Wassers haben ergeben, daß die durchschnittliche Härte sehr groß ist, häufig über 20° deutscher Härte. In Ramath Gan und Bnei Barak, beide bei Tel-Aviv, ist Brunnenwasser unter 10° deutscher Härte gefunden worden. Das Wasser ist z. T. auch stark salz- und kalkhaltig. Verschiedene der existierenden Gerbereien haben sich, um die Abwässerfrage einfach zu lösen, an der Meeresküste etabliert. Die Meinung der Fachleute über die Auswirkung der scharfen Seeluft auf das Leder sind nicht einheitlich. Z. T. wird die Einwirkung als vorteilhaft gelobt, z. T. wird jedoch auch behauptet, daß die scharfe Seeluft ein zu rasches Trocknen der Häute und damit auch Brüchigkeit des Leders verursacht. 4. Arbeitsverhältnisse. Die in Palästina tätigen Gerbereiarbeiter stammen aus Osteuropa. Ihre berufliche Ausbildung ist meist zur Herstellung feinerer Ledersorten nicht ausreichend. Vor allem ist die Kenntnis des Lederfärbens wenig verbreitet. Der Tariflohn der Gewerkschaften beträgt beim Achtstundentag für gelernte Arbeiter 400-450 Müs. 5. Bodenfrage. Von besonderer Bedeutung für die Einrichtung neuer Gerbereien ist die Lösung der Bodenfrage. Die Regierungsvorschriften für die Errichtung von Gerbereien sind sehr streng, was z. T. auf die schlechten Erfahrungen mit den bisherigen, meist sehr primitiv eingerichteten jüdischen und arabischen Gerbereien zurückzuführen ist. In der Nähe von Tel-Aviv sind im wesentlichen für neue Gerbereien folgende Gebiete zugelassen: der Küstenstrich südlich von Jaffa und das Hinterland von Bnei Barak. Jedoch auch in diesen beiden Teilen war in letzter Zeit für Neuinteressenten kaum noch Boden erhältlich. In der Gegend von Haifa sind vom Jüdischen Nationalfonds hinter den IßhkNojckrichktt Palästinas Staatshaushalt 1934-35 Der soeben veröffentlichte Voranschlag für das am 1. April begonnene Finanzjahr 1934\ö5 sieht bei 3 482 655 (i. V. 3 714 870) £P Einnahmen und 3249658 (i.V. 2740500) S,P Ausgaben einen Überschuß von 232 997 £P vor, wodurch sich der aus bisherigen Überschüssen angesammelte Regierungs- Reservefonds, der am 31. März 1934 eine Höhe von 2204666 S.P aufwies, im Laufe des gegenwärtigen Finanzjahres auf 2 437 663 f P erhohen würde. The South Äffrican Palestine (Binyan) Company, Ltd. Der am 5. Juli 1934 in Tel-Aviv stattfindenden ao. Gv. wird eine Kapitalerhöhung von 10 000 auf 50 000 £P vorgeschlagen. 13 Millionen £P Bankdepositen Wie Konsul Hoofien, Direktor der Anglo- Palestine Bank, Ltd., Tel-Aviv, mitteilt, sind diet gesamten Bankdepositen Palästinas gegenwärtig auf rund 13 Millionen £P zu veranschlagen (Anfang Juni 1933 schätzungsweise 7l/2 Mill. £P). Oeltanks der Shell Comp. 1500 Dunam Boden für chemische und andere Industrien, die besonderen Vorschriften des Gesundheitdepartements unterliegen, reserviert worden. Das Gelände ist bisher jedoch in keiner Weise erschlossen worden. Der Boden wird vom Nationalfonds auf 49 Jahre mit einer Option auf weitere 49 Jahre verpachtet. Der jährliche Pachtzins beträgt 4% vom Bodenwert, der für die ersten 10 Jahre mit 50 £P pro Dunam geschätzt wurde. 6. Haltung der Regierung. a) Zoll. Die prinzipielle Einstellung der palästinensischen Regierung in Zollfragen ist neben Sicherung von möglichst großen Einnahmen vor allem Schutz des Konsumenten. Erst nach diesen beiden Gesichtspunkten kommt eine Forderung des Produzenten durch eine entsprechende Zollpolitik in Frage. Die Lederproduktion wurde in den Croupons von 20 auf 30 Müs pro Kilogramm gefördert. Selbst dieser Satz stellt noch keinen absoluten Schutz gegen Import dar, war jedoch ausreichend, der Gerbereiindustrie bessere Lebensmöglichkeiten zu bieten. Die sonst in diesem Zusammenhang interessierenden Zölle sind: Sohlenleder, ganz oder teilweise für Stiefel, Schuhe usw. zubereitet, 50 Müs pro Paar. Oberleder, ganz oder teilweise für Stiefel, Schuhe usw. zubereitet, nicht länger als 125 mm, 50 Müs pro Paar; über 125 mm 150 Müs pro Paar. Chamois; Glaceleder usw. 150 Müs pro Kilogramm. Sonstiges Oberleder 100 Müs pro Kilogramm. (Fortsetzung in der nächsten Nummer) 2