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Palästina-Nachrichten · 1934-05-15 · Heft 4 (15.5.1934) · p. [Seite]

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 4 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang 1 Berlin, 15. Mai 1934 Nr. 4 Der Einzelhandel in Palästina Von Dr. J. Adler, Tel-Aviv. In den Städten Palästinas mit heute rund 450000 Bewohnern beziehen etwa 16 Prozent der Bevölkerung als „Berufszugehörige" (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Familienmitglieder) ihren Lebensunterhalt aus dem Einzelhandel — also 72000 Personen — und auf den Dörfern (heute rund 700000 Bewohner) etwa 4 Prozent der Bevölkerung, was 28 000 Personen ausmacht. Bei insgesamt 100000 Berufszugehörigen ist daher die Zahl der Einzelhandelsbetriebe Palästinas augenblicklich, wenn man in dem kinderreichen Lande auf einen Geschäftsbetrieb je 6 bis 7 davon existierende Personen rechnet, mit rund 15000 anzunehmen. Von den 15000 Betriebseinheiten (Ladengeschäfte und ambulanter Handel) Palästinas befinden sich nach vorsichtiger Schätzung mindestens 2000 in Tel-Aviv, etwa 1700 in Jerusalem, 1500 in Haifa, 1300 in Jaffa. Nahezu zwei Drittel des palästinensischen Einzelhandels sind dem Lebensmittelfach zuzurechnen. Der palästinensische Kolonialware/iladen ist zumal in Wohnvierteln und an kleineren Orten als „Gemischtwarengeschäft" aufgezogen, führt also zugleich auch Obst und Gemüse, Gebäck, Tabakwaren, Papierwaren, Textil-Kurzwaren, Bürsten und Besen. Auf Schritt und Tritt begegnet man der Kombination Milchgeschäft—Frühstücksstube. Ferner sind die Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäfte, sowie die Schuhwarenläden zu nennen, oft mit Handwerksbetrieb verbunden, einem Schneideratelier bzw. einer Schuhmachetwerkstatt. Verhältnismäßig stark entwickelt ist das Apothekenwesen, der Einzelhandel mit Eisenwaren (zugleich Haus- und Küchengeräte), mit technischem Bedarf für Bauzwecke, Gewerbe und Landwirtschaft, mit Elektroartikeln (oft zugleich Installationsgeschäft), mit Saatgut und sonstigem Pflanzungsbedarf. In Fremdenverkehrszentren sind Geschäfte für Andenkenartikel und Kunstgewerbe häufig, in arabischen Vierteln und Ortschaften Juweliere (zugleich Goldschmiedewerkstatt) nicht selten, da die arabische Bevölkerung, insbesondere auf dem Lande, auch heute noch großenteils in Form von Gold- Schmuck „spart". Relativ neu im Bilde des palästinensischen Einzelhandels ist die Expansion des Buchhandels, der Papierwaren- und Bürobedarfsbranche, der Musikinstrumenten- und Radioläden, des Galanterie- und Spielwarenhandels, des Mode- und Luxuswaren Vertriebs (viel Kosmetik). Bisher noch unbekannt für Palästina sind Warenhäuser und Einheitspreisgeschäfte. Bis zum Beginn der vorjährigen großen Einwqnderungswelle waren an den palästinensischen Einzelhandel westeuropäisch-amerikanische Maßstäbe gerechterweise kaum anzulegen. Einesteils trug er orientalisches Gepräge. Die arabische Bevölkerung und unter den Juden die Sefardim und Jemeniten sind für ihre Bedarfsdeckung seit jeher an den Basar, den Marktplatz, den umherziehenden Lebensmittelhändler gewöhnt, der darüber hinaus übrigens auch Tel-Aviv und die modernen jüdischen Viertel Jerusalems und Haifas mit dem Großteil ihres Bedarfs an Obst, Gemüsen und Fischen beliefert. In regelrechten Läden zu kaufen ist der Orientale nur hinsichtlich der Manufakturwaren und der Medikamente gewöhnt. Die andere Gruppe des palästinensischen Einzelhandels, vom aschkenasischen Teil des Jischuws entwickelt, ließ deutlich den osteuropäischen Ursprung erkennen. Unansehnliche Läden, wenig Interesse für „Aufmachung", vernachlässigte Schaufenster, kqum geschulte Bedienung. Nur einzelne Betriebe, insbesondere im Bekleidungs- und Buchhandelsfach, namentlich Gründungen amerikanischer Juden, wiesen modernere Züge auf. Diese Ausnahmen indessen unterstrichen noch den kleinstädtischen Eindruck, Aus dem Inhalt / Wohnungseinrichtung / Wassererschließung ' Neugründungen Bericht der Tempeibank Palästina-Kurszettel den man bis vor einem Jahre von den Hauptgeschäftsstraßen Tel-Avivs (Herzl-Straße, Nachlath-Benjamin-Straße, Allenby- Straße), Jerusalems (Jaffastraße) und Haifas (Herzl-Straße) gewinnen konnte. Eine Sonderstellung nahm die Belieferung des englischen Publikums (Beamten- und Offiziersfamilien) ein; ihr widmete sich seit längerer Zeit ein englisches Unternehmen mit Niederlassungen in Jerusalem, Jaffa und Haifa, das warenhausähnlich, jedoch ohne entsprechende Dimensionen und Aufmachung, sämtliche Konsumwaren führt. Schließlich sind die Konsumgenossenschaftsläden der jüdischen Arbeiterschaft zu erwähnen, die besonders für das flache Land wichtig geworden sind. All diesen Einzelhandelsunternehmungen von meist geringem Betriebsumfang, begrenzter, nicht sehr auswahlreicher „Rivoli" Typ eines modernen Geschäfts für Geschenkartikel in Tel-Aviv

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