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Palästina-Nachrichten · 1934-04-15 · Heft 2 (15.4.1934) · page 1

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 2 (15.4.1934)
Date
1934-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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20 Pfennig ZEITSCHRIFT FÜR WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG IM VORDEREN ORIENT Jahrgang 1 Berlin, 15. April 1934 Nr. 2 Kapitalmarkt in Palästina Die Wirtschaftslage Palästinas ist im Augenblick durch zwei Tatsachen charakterisiert, die — völlig unabhängig von einander — in ihrer sinnvollen Ausnutzung zu den gleichen Ergebnissen führen können: Ueberfluß an Kapital und Mangel an Arbeitskräften. In den Kassen der Regierung «befindet sich als Ergebnis jahrelanger sparsamster fiskalischer Wirtschaft ein Ueberschuß von mehr als zwei Millionen Pfund. Die Banken des Landes haben Depositen, die heute auf neun Millionen Pfund geschätzt werden. Wöchentlich strömt — zwar nicht mehr so reichlich, wie im Sommer und Herbst 1933— aber immerhin noch viele Tausende Pfund Anlagekapital nach Palästina, jetzt auch aus Amerika und Südafrika. Unter diesen Umständen verfolgt man mit besonderer Befremdung die Nachrichten über Arbeitermangel auf den verschiedensten Wirtschaftsgebieten. Insbesondere in der Orangenzdne, bei der Ernte, der Verpackung und dem Transport der Orangen hat sich dieser Mangel bereits schmerzlich bemerkbar gemacht: Schulkinder, städtische Arbeiter, Angestellte wurden zur Arbeitshilfe mobilisiert; auch die aus den Nachbarländern nach Palästina gekommenen arabischen Arbeitskräfte vermochten den Bedarf nicht zu decken, und schufen nur neue konfliktreiche Arbeitsprobleme. Gelernte Arbeiter verlassen ihre Stellungen, um sich hochbezahlten Arbeiten in der Stadt zuzuwenden, und als besonderes Charakteristikum wird berichtet, daß auch die Regierung unter Arbeitermangel leidet Hierfür dient als Beweis, daß sie nicht genügend wirklich ausgebildete Lokomotivführer für ihren Eisenbahnbetrieb finden kann und sogar Analphabeten für diesen so außerordentlich verantwortungsvollen Posten beschäftigen muß. Was liegt näher, als daß durch eine vorausschauende und großzügige Wirtschaftspolitik eine Brücke zwischen den beiden Erscheinungen: Arbeitermangel und. Kapitalüberfluß geschaffen wird? Für diese Verbindung, die der Wirtschaft des Landes einen neuen entscheidenden Auftrieb, insbesondere im Sinne einer Stabilisierung der Prosperität geben könnte, gibt es manche Wege: Die Regierung hätte die erste Aufgabe zu erfüllen mit der Durchführung produktiver öffentlicher Arbeit; hier wäre zu nennen: Ausbau des Jaffa-Hafens und Erweite- Barclays Bank Jerusalem rung des Haifa-Hafens, denn schon hat sich bedrohlich gezeigt, daß die beiden Hafenanlagen zur Bewältigung des Außenhandels nicht ausreichen; die Verschiffung der letzten Orangentransporte machte die größten Schwierigkeiten" und ging nur Aus dem Inhalt; Anlagemöglichkeiten in Palästina Charakter der Konjunktur Mieterschutzgesetz? Verkehrswesen Außenhandel Palästina-Kurszettel mit Verzögerungen vor sich; und einige Tage hindurch konnten die palästinensischen Zeitungen nur mit großer Verspätung erscheinen, weil die Papierlieferungen nicht rechtzeitig ausgeladen werden konnten. Eine Anleihe, die die Regierung für solche Zwecke ausschreiben würde, fände im Lande zweifellos großes Interesse und könnte nicht allzu schwer untergebracht werden. In der Sphäre der halböffentlichen Wirtschaft gibt es ebenfalls große Aufgaben zu erfüllen; erwähnt sei nur eine planmäßige^ Inangriffnahme der Wasserwirtschaft durch Ausfindigmachimg und Erbohrung neuer Quellen, sowie die endgültige Konsolidierung der landwirtschaftlichen Siedlungen der Jewish Agency. Ueber ein drittes Gebiet-der Nutzbarmachung brachliegender Kapitalien für die Wirtschaft des Landes referieren im Innern des Blattes zwei Sachverständige palästinensische Bankiers. Es scheint sich ohne Zweifel eine Entwicklung anzubahnen, in Palästina einen gesunden und organisierten Kapitalmarkt ^z.u,schaffen. Es liegt absolut im allgemeinen Interesse, in Palästina selbst wirtschaftliche Anlagemöglichkeiten zu schaffen, die bei genügender Sicherheit, insbesondere durch Verteilung des vorhandenen Risikos, eine kontrollierte aber leichte Liquidität besitzen. Es ist daher zu begrüßen, wenn durch die Initiative von Banken, wozu vor allem auch die neugeschaffene Industriekreditbank „The Industrial and Financial Corporation of Palestine, Ltd.", rechnet, versucht wird durch Schaffung eines solchen inneren Kapitalmarktes der Initiative zur Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten die finanzielle Grundlage zu geben. Entscheidend ist hierbei vor allem die Richtung, in der die Investitionen gehen. Nur dann werden sie nämlich dem Gesamtinteresse des Landes dienen, wenn sie als werbende Anlagen benutzt, neue Arbeitsmöglichkeiten, die Dauer versprechen, dem Lande sichern und wenn auf Grund solcher Tatsachen das Einwanderungsdepartement der Regierung die Zahl und Zusammensetzung der bewilligten Einwanderungserlaubnisse mit den wachsenden Möglichkeiten und Erfordernissen des Landes immer mehr in Einklang bringt. E.F.A. i

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