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Nachrichtendienst · 1928-10-01 · Heft 7 (Oktober 1928) · p. Seite 8

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 7 (Oktober 1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Aus den Fragebogen geht gleichzeitig die Zahl der Mischehen hervor, über deren Entwicklung in den Kleingemeinden, in den einzelnen Provinzen wir noch nicht unterrichtet sind. Damit hängt die Frage nach der Zahl der unehelichen Geburten zusammen. Man kann schon jetzt mitteilen, daß das Interesse an diesen bevölkerungsproblematischen Dingen ein recht großes ist. Ungefähr 50 Prozent aller Gemeinden haben geantwortet, von einzelnen Provinzen ist fast von allen Gemeinden die Gliederungderjüdis che n Bevölkerung angegeben worden und selbst größere Gemeinden haben ein wertvolles Material beigesteuert. Aus vielen Zuschriften geht hervor, daß weite Kreise der jüdischen Bevölkerung diesen Fragen großes Interesse entgegenbringen, insbesondere haben die Rabbiner, Lehrer und Gemeindevorftände sehr wohl begriffen, daß es sich hier um eine bedeutsame Untersuchung handelt, die allen praktischen Maßnahmen, die von seiten des bevölkerungspolitischen Ausschusses und von den Gemeinden selbst ausgehen sollen, zuvorgchen muß, Bon den bisher bereits klar zutage getretenen Ergebnissen der Enquete ist erst nach Abschluß derselben und ihrer Veröffentlichung zu sprechen. Es kann hier aber schon angedeutet werden, daß die Ziffern eine beredte Sprache reden und aus den interessanten Details wie allgemeinen Erscheinungen recht bedeutsam bisher noch nicht gekannte Vorgänge klar zutage treten. Es braucht nicht betont zu werden, daß aus diesem Grunde eine vollkommene Durchführung der Enquete begrüßenswert wäre. Es ist daher zu wünschen, daß auch die Gemeinden, die bisher die Darstellung des 'Bevölkerungsaufbaus ihres Ortes versäumten, die Statistiken noch übermittelten. Eine Reihe von Bemerkungen, welche die lokalen Erheber der Enquete daran anknüpfen, geben ganz interessante Streiflichter auf die Bevölkerungsentwicklung. .Hierher gehören Einflüsse durch Einwanderung von Ostjuden, religiöse Momente, antisemitische Vorgänge, Berufsumschichtung usw. Sicher ist, daß die Enquete die Aufmerksamkeit der jüdischen Öffentlichkeit auf eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinschaft gelenkt hat: auf die Beobachtung der Bevölkerungsbewegung. (Jta.) Bevölkerungspolitische Abteilung -es Jüdischen Frauenbundes. Ter Jüdische Frauenbund versucht durch feine bevölkerungspolitische Abteilung aus dem Wege der Kinderversicherung bzw. Töchterversicherung die Früh ehe zu fördern sowie Eheschließung und Berufsausbildung sicherzustellen. Näheres ist durch den Jüdischen Frauenbund, Berlin N 21, Monbijouplatz 10, zu erfahren. Eheberatungsstelle der Jüdischen Gemeinde Berlin. Die Berliner Jüdische Gemeinde hat eine Eheberatungsstelle, zugleich! als Brautausstattungseinrichtung im Sinne und Geiste der seit ungefähr 250 Jahren bestehenden Gesellschaft Hachnossath-Kallah ins Leben gerufen. Tie Geschäfte werden vom Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde Berlin geführt. Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle. Herr Professor Tr. Hanauer, Frankfurt a. M., hat nach Zeitungsmeldungen vor einiger Zeit angeregt, zwecks Abhilfe der jüdischen Ehenot eine gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle ins Leben zu rufen. Diese Stelle soll in erster Linie dazu berufen sein, die Ehelosigkeit zu bekämpfen, den Willen zur Ehe zu stärken, dadurch die Zahl der jüdischen Ehen zu vermehren und zugleich die der Mischehen zu vermindern. Die Eheanbahnungsstelle hat eine dreifache Aufgabe: 1. soll sie eine sich, über ganz Deutschland erstreckende Organisation der Eheanbahnung darstellen, 2. soll eine Kasse geschaffen werden zur Ausstattung unbemittelter jüdischer Mädchen, um ihnen die Eheschließung zu ermöglichen, 3. soll es Aufgabe der Eheanbahnungsstelle sein, gesündere und vernünftigere Anschauungen über die Ehe zu verbreiten. Zur Förderung dieses Planes hat sich ein Komitee aus folgenden Mitgliedern gebildet: Frau Tr. M. Adler, Köln; Wolfgang Auerbach, Frankfurt a. M.; Moritz Bayer, Aschbach bei Bamberg; Benno Basch, Magdeburg; Justizrat Tr. Blau, Frankfurt a. M.; Landrabbiner Tr. Blum, Emden; Rabbiner Tr. Dienemann, Offenbach a. M.; Tr. Ehrenreich, Köln-Ehrenfeld; Rabbiner Dr. Halperson, Breslau; Professor Dr. Hanauer, Frankfurt a. M.; Fritz Hirsche Landenburg am Neckar; Frau Kaufmann, Gelfenkirchen; M. Markreich, Bremen; Sanitätsrat Tr. Ries, Stuttgart; Dr. Franz Rosenzweig, Frankfurt a. M.; Frau Edith Rosenzweig, Frankfurt a. M.; Rabbiner Dr. Unna, Mannheim. Das Komitee ist bereit, Anmeldungen zur Mitgliedschaft entgegenzunehmen. Als Mindestjahresbeitrag ist 5.— Rm. vorgesehen. Soziale Ausbildungs- und Berufsfragen Freie jüdische Volkshochschule, Berlin. Im Rahmen der Vorlesungen der freien jüdischen Volkshochschule, Berlin, Synagoge Fasanenstraße, liest gegenwärtig am Dienstag von 9—10 Uhr abends Frau S. W r o n s k y über Wohls ah rtsproblemederjüdischenGegenwart. Tie Vorlesungen behandeln im einzelnen: Die soziologischen Gegebenheiten (Milieu und Wirtschaft). Die physiologischen Bedingtheiten (Konstitution und Schicksal). Die psychologischen Erkenntnisse (Individuum und Gemeinschaft). Die ideellen Verknüpfungen (Entwicklung und Aufbau). Ausbildung von weiblichen Kriminalbeamten. Durch gemeinsame Bestimmungen des Preußischen Ministers des Innern und des Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt ist die Einstellung und Ausbildung von weiblichen Kriminalbeamten am 12. April 1928 (III. F. 81. 1/III/F. 2477) geregelt geworden. Als Voraussetzung für die Einstellung ist ein Mindestalter von 25 Jahren und ein Höchstalter von 30 Jahren (für die Uebergangszeit 35 Jahre) vorgesehen. Weitere Voraussetzungen sind ausreichende Gesundheit, staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspflegerin und eine mindestens 3monatige erfolgreiche Tätigkeit in der offenen und geschlossenen Gefährdetenfürsorge. Für Bewerberinnen aus der Gesundheits- und Jugendwohlfahrtspflege kann unter Umständen auch nach 9 Monate langer Tätigkeit als Wohlfahrtspflegerin, also vor Erlangung der staatlichen Anerkennung, die Einstellung erfolgen. Die Ausbildung der Kriminalsekretärinnen geschieht durch die staatliche Polizeiverwaltung. Als Aufgabengebiet der Kriminalsekretärinnen sind Gefährdetenpolizei und Kriminalpolizei bestimmt worden. Die Arbeit wird wesentlich auf dem Gebiet der Jugendwohlfahrt und der sexuell Gefährdeten (auch Kinderbettel, Straßenhandel) liegen, ferner in der Bearbeitung von Anzeigen gegen Kinder, weibliche Jugendliche und männliche Jugendliche bis zu 16 Jahren, Vernehmung von Kindern und Jugendlichen sowie bei schonenden und unauffälligen Ermittlungen, auch bei der Leitung von Transporten weiblicher Minderjähriger.

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