Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 5 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Der Gemeinde ist es im Lau.se der Zeit gelungen, ein Haus käuflich zu erwerben, sodaß das Haus Genügsamkeitstraße 7 geräumt werden und ganz der Wohlsahrts- und Jugendpflege zur Verfügung gestellt werden kann. Durch diese Lösung ist es hoffentlich möglich, im Laufe des Sommers den Kindergarten zu eröffnen. Im Berichtsjahre ist auch die Zentralisation der Kassen durchgeführt worden, sodaß ab 1. 4. 1928 die Kassen der verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen vereinigt wurden. Im Sommer 1927 konnte auch die örtliche Erholungsfürsorge gemeinsam mit dem Frauenverein durchgeführt werden . Ferner berichtete Frau Samuel über die Tätigkeit der sozialen Gerichtshilfe für Erwachsene und der Jugendgerichtshilfe; für sie sowie für die soziale Krankenhausfürsorge wird jährlich von der Stadt ein geldlicher Zuschuß geleistet. Der Arbeitsnachweis zeigte im vergangenen Jahr wiederum an seinen Erfolgen die Notwendigkeit des gesonderten jüdischen Arbeitsnachweises. Nachdem die Kassenberichte des Wohlfahrtsverbandes und der Nothilfe gegeben worden sind, referierte Herr Dr. Georg Lubinski, Berlin, über: .„Die schulentlassene Iu - g e n d". An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion an, an der die Vertreter der verschiedensten Richtungen und vor allem auch die Jugend sich beteiligte. Lübeck. Israelitischer Frauenoerein. Im Jahre 1927 konnte der Israelitische Frauenverein in Lübeck sein 50jähriges Bestehen feiern. Anläßlich dieses Jubiläums wurden von Rabbiner Dr. D. H. Winter „Blätter der Erinnerung" herausgegeben, die einen Einblick in die Entwicklung geben. Gegründet wurde der Verein 1877 mit der Aufgabe, das ganze Gebiet der Liebestätigkeit zu umfassen: Waisen zu erziehen, Kranke zu pflegen, Miete für arme Familien aufzubringen, arme Kinder zu kleiden, mittellose Mädchen für einen selbständigen Erwerb auszubilden. Die Mittel wurden durch Mitgliedsbeiträge und Spenden aufgebracht. Da diese Mittel nicht ausreichten, wurde von 1877 ab jährlich einmal eine Verlosung veranstaltet. Neben der Hilfstätigkeit sah der Verein seine Aufgabe in der Verbreitung von Bildung unter seinen Mitgliedern. Für diese Zwecke wurden Leseabende veranstaltet. Nach dem Kriege änderten sich die Aufgaben des Frauenvereins. So wurde vom Zentralausschuß für jüdische Wohlfahrtspflege als Träger der Gemeindewohlfahrt eine Mittelstandsküche gegründet, die von den Mitgliedern des Frauenvereins verwaltet wurde. Ferner wurde eine Lebensmittelstelle eingerichtet, große Kleidersammlungen veranstaltet, Kinder zur Erholung verschickt und örtliche Ferienkolonien gebildet. In der Organisation wurde eine neue Einteilung in Ausschüsse vorgenommen, um durch das System der Dezentralisation schneller und nachdrücklicher eingreifen zu können. Der ausführliche Jubiläumsbericht ist durch den Israelitischen Frauenverein in Lübeck zu beziehen. Mannheim. Wohlsahrts- und Jugendamt der Israelitischen Gemeinde. Das Mannheimer Wohlfahrtsamt gibt seinen ersten Jahresbericht für 1926/27 heraus. Die Bedeutung der Tätigkeit desselben ersieht man schon daraus, daß in Mannheim fast ein Drittel der badischen Juden wohnen. Durch die Gründung der Wohlfahrtszentrale, die alle bereits bestehenden Wohlfahrtsvereine zentralisiert und vereinheitlicht hat, ist eine einheitliche, systematische den Zeitverhältnissen entsprechende Arbeit ermöglicht worden. In der Fürsorge des Amtes stehen zurzeit 228 Familien. Als wesentlichste Maßnahme der vorbeugenden produktiven Fürsorge sieht das Wohlfahrtsamt die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten. Das Wohlfahrtsamt hat deshalb bei Beginn seiner Tätigkeit darauf hingewirkt, daß sein Arbeitsnachweis vom Landesamt für Arbeitsvermittlung staatlich konzessioniert wurde. Von 93 Stellensuchenden konnten im Berichtsjahr 59 in Arbeitsstellen untergebracht werden. Da, wo durch Arbeitsvermittlung eine Besserung der Verhältnisse nicht möglich war, mußte das Wohlfahrtsamt materielle Hilfe gewähren. Für die Zwecke der Wirtschaftsfürsorge wurden im Geschäftsjahr 15109 Mark ausgegebcn. Davon wurden an einmaligen Unterstützungen 6148 Mark, an laufenden 5995 Mark gewährt. Die laufenden Unterstützungen sind sowohl in Hinsicht auf die Höhe, als auch auf die Zahl der Empfänger im Steigen begriffen. Die jugendfürsorgerische Tätigkeit erstreckte sich auf 92 Jugendliche. 11 davon standen unter Schutzaufsicht des Jugendamtes. In der Mehrzahl der Fälle handelte es sich um ausländische Kinder. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendamt konnte man es durchsetzen, daß die Auswahl der Pflegestellen für jüdische Kinder dem jüdischen Jugendamt übertragen wurde. Von weitgehendster Bedeutung ist auch der Ausbau der Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung gewesen. Von den 21 Schulentlassenen konnten 19 bereits vermittelt werden. Insgesamt wurden für Zwecke der Jugendfürsorge 1578 Mark ausgegeben. Auch auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge war man bestrebt, vorbeugend zu wirken. Im Berichtsjahr wurden 74 gesundheitlich gefährdete, wirtschaftlich schwache Familien mit insgesamt 159 Personen in Krankenkassen eingekauft. 12 Erwachsene und 75 Kinder wurden zur Erholung verschickt. Die Kosten von 13 482 Mark wurden in Verbindung mit den jüdischen Wohlfahrtsvereinen, Versicherungsträgern usw. aufgebracht. 10 Wöchnerinnen wurden einmalige Entbindungsbeihilfen in Höhe von 35 Mark, Wochengeld in Höhe von 20 Mark und Säuglingswäsche gewährt. Außerdem wurden in 47 Krankheitsfällen Hauspflegerinnen bzw. Krankenpflegerinnen gestellt und auf ärztliches Anordnen die Ueberführung der Kranken in das jüdische Krankenhaus durchgeführt. Trotz der Kürze des Bestehens hat das Wohlfahrts¬ und Jugendamt eine umfangreiche Arbeit auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege entwickelt. Es ist dies wesentlich der verständnisvollen Mitarbeit der Wohlfahrtsvereine, insbesondere auch in finanzieller Hinsicht, zu verdanken. Aus Zeitschriften Abgeschlossen am 1. Juni 1928. 1. Allgemeines. — Grundlagen der jüdischen Wohlfahrtspflege. Jüdisch und sozial. Von Fabius Schach. Frankfurt a. M. Jüdisches Wochenblatt Nr. 18, 11. 5. 28. Ein Gang durch die jüdischen Wohlfahrtsanstalten Berlins. Von Julius Stern, Berlin. Israelitisches Familienblatt Nr. 21, 24. 5. 28. 2. Wirtschaftsfürsorge. 25 Jahre Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen- Von Prof. Dr. Eugen Wölbe, Berlin. Israelitisches Familienblatt (Hamburg) Nr. 14, 4. 4. 28. Denkschrift über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden und Beamten Ostpreußens. Von Waisenhausdirektor Peritz. Königs'berger Jüd. Gemeindeblatt Nr. 4, 1.4.28. Berufsumschichtung — ja — aber was weiter? Von Kam. Alexander Moch. Der Schild, Nr. 14/15. 2. 4. 28. Probleme jüdischer Arbeitslosigkeit. Von Moritz A. Loeb, Berlin. Jüd. Wochenblatt, Frankfurt a. M., Nr. 15. 20.4.28. Der jüdische Arbeitsnachweis im Jahre 1927. Von Eugen Samson. Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt, Nr. 4. April 28. Bilanz. Von Louis Wolf, Berlin. Der Jüdische Handwerker. April 28. Eine sterbende jüdische Branche? Studie zum Wirtschaftsleben der Juden in Deutschland. Von Ministerialrat