Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 — Der Landeswohlfahrtsstelle standen im Jahre 1925 Mk. 1037,—, 1926 Mk. 1535,—, 1927 Mk. 3000,-, von. einzelnen Gemeinden und aus Mitteln der Deutschen Nothilfe, insgesamt eine Gesamteinnahme von Mk. 6816,— zur Verfügung. Verausgabt wurden Mk. 3686,—, und zwar für: Wirtschaftsfürsorge für 12 Fälle Mk. 961,— Jugendfürsorge für 3 Fälle Mk. 1245,— Gesundheitsfürsorge für 14 Fälle Mk. 1480,— Mk. 3686,— Festgestellt wurde, daß die Landeswohlfahrtsstelle von den einzelnen Gemeinden noch immer in verhältnismäßig geringem Maße in Anspruch genommen wird. Der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege gehört die Landeswohlfahrtsstelle an, und sie steht auch in ständiger Fühlungnahme mit allen in Frage kommenden Behörden. II. Wohlfahrtsstelle der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden. In der Zeit vom 1. 5. 1925 bis 1. 9. 1927 wurden ca. 250 Familien betreut. 50—60 Familien erhielten regelmäßige monatliche Unterstützungen. Dafür wurden ca. 1100,— Mk. monatlich ausgegeben, für gelegentlich Hilfesuchende weitere 800,— Mk. Auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge konnten durch Vermittlung der Wohlfahrtsstelle 140 Kinder, 9 Jugendliche und 12 Erwachsene in Erholungsheimen untergebracht werden. Die Jugendfürsorge konnte durch Anstellung einer Jugendwohlfahrtspflegerin weiter ausgebaut werden. Für 2 Kinder mußte Fürsorgeerziehung veranlaßt werden, und für 3 Kinder übernahm die Wohlfahrtsstelle die Schutzaufsicht. 22 besonders begabte Kinder und Jugendliche bekamen Erziehungs- und Studienbeihilfen von einem Verein, der seine Mittel der Wohlfahrtsstelle zur Verfügung gestellt hat. Die Berufsberatung und Leh r st ellen Vermittlung ergänzt die Jugendfürsorge. Seit dem Frühjahr 1927 ist der Wohlfahrtsstelle eine Darlehenskasse angeschlosfen. Diese gewährt insbesondere Kleingewerbetreibenden Darlehen, in der Regel gegen selbstschüldnerische Bürgschaft geeigneter Personen, ausnahmsweise auch gegen Uebereignung und Pfändung von Eigentum. Die Höhe der Darlehenssummen ist unbegrenzt. Bis jetzt wurden 18 Darlehen im Gesamtbeträge von 13000,— Mk. gewährt. III. Chemnitz: Die Wohlfahrtspflege der Religionsgemeinde. Im Gegensatz zu Dresden, wo die Wohlfahrtspflege zum größten Teil bei der Gemeindeverwaltung konzentriert ist, wird die Wohlfahrtspflege in Chemnitz fast ausschließlich durch die Wohlfahrtsvereine ausgeübt. Vor ca. Jahresfrist haben sich diese zu der „Zentralstelle der Israelitischen Wohltätigkeitsvereine zu Chemnitz" zusammengeschlossen, deren Leiter der Gemeinderabbiner Dr. Fuchs ist. Im Jahre 1926 brachten die Vereine ca. 75 000,— Mk. auf. Die vor 14 Jahren begründete N o t st and s kü ch e gibt täglich an ca. 100 Personen Lebensmittel und Kohlen aus. Die jährlichen Ausgaben hierfür belaufen sich auf 17 000 bis 18 000 Mk. Der Jüdische U n t e r st ü tz u n g s v e r - ein, dessen 400 Mitglieder hauptsächlich aus ostjüdischen Kreisen stammen, gewährt Beihilfen für Miete und unterstützt insbesondere verschämte Arme. Seine Jahresausgaben belaufen sich auf 10000,— Mk. Es besteht ferner in Chemnitz eine Kleiderhilfe, die vom Jüdischen Jugendbund geleistet wird. Zur Unter st ü tz u n g von Wöchnerinnen und weiblichen Kranken besteht der Verein Esrath Noschim jüdische Frauenhilfe und für Krankenpflege und Unterstützung die Chebrah Kedoschah, die anläßlich ihres 50 jährigen Bestehens im Berichtsjahr Mk. 20000,— gesammelt hat. Für Darlehensgewährung besteht der Israelitische H i l f s v e r e i n mit einem jährlichen Etat von ca. 15 000 Mk. (Tarlehensgewährung gegen Bürgschaft für geschäftliche Unternehmungen), sowie die von privater Seite gegründete Darlehenskasse, welche Darlehen in Höhe bis zu 200,— Mk. ohne Bürgschaft gegen wöchentliche Rückzahlung von 5,— bis 10,— Mk. gibt und seit Bestehen (7 Monate) schon 10000 Mk. ausgegeben hat, ferner der B r üd er p er ei nB rith A ch im und der Verein „Einigkeit". Von diesen wurden Darlehen fast ausschließlich an Mitglieder gewährt. IV. Zwickau, Allgemeiner Jüdischer Hilfsverein e. B. Tätigkeitsbericht für die Jahre 1924- -1927. Tank großzügiger Spenden, insbesondere von der Firma Schocken, und Aufnahme größerer Kredite ist es gelungen, die Tätigkeit des Vereins trotz der katastrophalen Wirkung der Inflation aufrecht zu erhalten. Seine Tätigkeit erstreckte sich auf a) D a r l e h e n s g e w ä h r u n g. So wurden in der Berichtszeit 113 Darlehen in Höhe von 161 48l Mark gewährt. b) U n t e r st ü tz n n g der K r a n k e n und sonstige n Bedürftigen. Von 1924 bis zum 1. 7. 1927 wurden 55 Leute mit 12 682 Mark unterstützt. c) V e r w a l t u n g der Hachnossath - Kallah- Stiftung. Aus dem Stiftungskapital von 5000 Mark wurden im Jahre 1924 2000 Mark ausgezahlt. Die weiteren 3000 Mark sollen nach Ablauf der Berichtszeit zur Auszahlung gelangen. Außerdem wurde bereitwilligst in geschäftlichen unb prozessualen Angelegenheiten den Mitgliedern des Vereins Auskunft erteilt, Paß- und Steuerangelegenheiten in Ordnung gebracht usw. Tie Mittel für die Vereinstätigkeit setzten sich wie folgt zusammen: Beiträge . 7984. Mark Spenden . 13278.74. Mark Kredite a) bei der Firma Schocken in Höhe von . 57710. Mark b) bei der Zwickauer Bank A.-G. auf Grund der von Herrn Simon Schocken in Höhe von 8000.-- Mark und des Geschäftsführers Herrn Paul Katz für den überschreitenden Betrag übernommenen Bürgschaft .. . . 43756,50 Mark 122729.24 Mark XII. Bücherbesprechungen und -Eingänge Gedenkschrift für Dr. Paul Nathan, Jahresbericht für 1926. Berlin 1927. 48 Seiten. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat diesem Jahresbericht für das Jahr 1926 eine Gedenkschrift für den nach kurzem Leiden am 15. 3. 27 dahingegangenen Dr. Paul Nathan, einen der Begründer und Führer dieser Organisation, vorausgeschickt. Die Gedenkschrist bringt eine Anzahl von Beileidskundgebungen, die -dem Hilfsverein anläßlich des Ablebens von Dr. Nathan von den verschiedenen Organisationen aus der ganzen Welt zugegangen sind, einen Bericht über die Gedenkfeier für Dr. Nathan in Hamburg, bei der Herr Max M. Marburg, ein persönlicher Freund des Verstorbenen, eine bedeutungsvolle Ansprache hielt, und einen Bericht über die Gedenkfeier in Berlin, die am 25. 4. 27, dem Geburtstag von Dr. Nathan, stattgefunden hat. Bei dieser Feier hielt Herr Dr. James Simon seinem treuen Freunde und Mitarbeiter einen Nachruf, der ein Bild von dieser bedeutenden Persönlichkeit gibt. Herr Dr. Bernhard Kahn sprach über Dr. Nathan und den Hilfsverein, und Dr. M. Wischnitzer erörterte in seinem Bortrag die Beziehungen Dr. Nathans zu dem jüdischen Wiederaufbauwerk in Rußland. Die Reden werden in dieser Schrift wörtlich gebracht. Die Ausführungen von Dr. Kahn und Dr. Wischnitzer bilden wertvolle- Beiträge sowohl zur Geschichte des Hilfsvereins, als auch zu der Siedlungsarbeit in Rußland. In dem Tätigkeitsbericht für das Jahr 1926 werden die einzelnen Tätigkeitsgebiete des Hilfsvereins angeführt: die Auswandererfürsorge, die Fürsorge für die ukrainischen Waisenkinder, das Studentenhilfswerk, die Beförderung von Geldsendungen, Dokumenten und Briefen aus überseeischen Ländern sowie aus Litauen an die Angehörigen der Absender in der Sowjetunion und in Polen, die Vermittlung von Nachrichten über den Aufenthalt von Verwairdten usw., endlich die eingeleiteten Vorarbeiten für eine Betätigung m dev Kolonien der Sowjetunion,