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Nachrichtendienst · 1927-08-01 · Heft 7 (August 1927) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nachrichtendienst
Volume
1926-1927
Issue
Heft 7 (August 1927)
Date
1927-08-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 am Kriege ein Recht am deutschen Boden erworben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Referat des berühmten Natiomalökonomen Professor D r. Franz O p.p e n h e i m e r, der auf Grund volkswirtschaftlicher und bevölkerungspolitischer Erwägungen, die Rückkehr der jüdischen Bevölkerung auf das Land forderte. D o m ä n e n d i r e k t o r Dyk gab einen Ueberblick über die Lage der jüdischen Gärtner und Landwirte in Deutschland, die unter den heutigen Verhältnissen nicht zur Selbständigkeit kommen können. Eine Siedlungsgenossenschaft, deren Aufgaben und Melhoden .Herr Dyk schilderte, könnte hier Besserung schaffen. D r. Glaserf e l d vom C. V. und Tr. Klee von der zionistischen Vereinigung sagten bereitwilligst jede Unterstützung durch die von ihnen vertretenen Organisationen zu. Tr. Baeck gab dem bedeutungsvollen Plan des R. I. F., für die Ansiedlung deutscher Bauern und Gärtner zu sorgen, eine religiöse und philosophische Begründung. Der Geschäftsführer der Z.W.St. sprach auf Einladung des Oberrates der Israeliten Badens in dem zahlreich besuchten F o r t b i l d u n g s k u r s u s der badischen Rabbiner am 1. November 1927 in Karlsruhe über „Ter Rabbiner und die soziale Arbeit". Vom 8.—10. September fand in Stuttgart der 7. Deuts ch e I u g e n d g e r ich t s t a g statt, bei dem die Zentralwohlfahrtsstelle durch Herrn Rabbiner Tr. Rieger, den Vorsitzenden des Israelitischen Fürsorge-Amtes, Stuttgart, vertreten war. Zu Beginn der Tagung hielt Prf. Tr. Fischer, München, einen Vortrag über den „W e r t der Persönlichkeit bei der I n g e n d st r a f r e ch t s p f l e g e Durch seine Ausführungen wurde die geistige Atmosphäre für die Tagung geschaffen. Weitere Vorträge mehr praktischer Art über den Jugendrichter, den Jugendstaatsanwalt, den Leiter der Jugendgerichtshilfe, den Jugendgerichtshelfer und den Jugendgerichtsarzt gchfelten durchweg in Forderungen besserer Vor- und Ausbildung der an der Jugendstrafrechts-- pflege beteiligten Personen. Hierzu wurden Vorschläge im einzelnen von fast allen Referenten gemacht. Einen ausführlichen Bericht über die sehr gut besuchte Tagung sowie die zur Annahme gelangte Resolution stellt die Zentralwohlfahrtsstelle gern zur Verfügung. Der diesjährige Allgemeine F ü r s o r g e e r ziehungstag in Hamburg vom 22. bis 21. September 1927 hat allen Teilnehmern wertvolle Altregungen gebracht, insbesondere im Hinblick auf die Beziehungen der Fürsorge erziehung zur modernen Pädagogik, Psychologie und Soziologie und in der Frage der Berufsausbildung, die als .Hauptthemen zur Erörterung standen. Die Referenten über das letztere Thema stützten ihre Ausführungen auf eine Erhebung des A.F.E.T., die an zahlreiche Anstalten gerichtet war. Es war sehr zu begrüßen, daß an der diesmaligen Tagung eine Anzahl von Vertretern jüdischer Organisationen (Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Jüdischer Frauenbund und örtliche Stellen der .Hamburger und Altonaer jüdischen Wohlfahrtspflege) beteiligt waren, da die beiden Hauptthemen der Konferenz gerade auch im Hinblick auf die im Gange befindliche, tiefgehende Umgestaltung des jüdischen Fürsorgeerziehungswesens bedeutungsvoll waren. Im Anschluß an die Arbeitsbesprechungen wurde im Hauptausschuß auch die Frage der stärkeren Vertretung der jüdischen Wohlfahrtspflege in den Organen des Allgemeinen Fürsorgetages erörtert; sie wird voraussichtlich zu einer positiven Lösung gebracht werden. Bei einer für später vorbehaltenen näheren Darstellung der Grundgedanken der im Gange befindlichen Reform der jüdischen Fürsorgeerziehung, welche durch den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und sein Kuratorium für die Fürsorgeerziehung in die Hand genommen ist, wird Gelegenheit sein, noch im einzelnen auf manche Ergebnisse der Hamburger- Tagung zurückzukommen. Bei der I a h r e s v e r s a m m l u u g der S ch l e s i s ch e n G e f a n g e n e n g e s e l l s ch a f t in Breslau am Ul. Otto ber wurde die Zentralwohlfahrtsstelle durch die Vorsitzende des Jüdischen Wohlfahrtsamtes Breslau, Frau Paula Ollen dorfs vertreten. Ten Hauptvortag hielt bei dieser Versamm lung Geheimrat Liepmann, Hamburg, über „die Aufgaben des Strafvollzuges nach dem Entwurf eines Teutschen Straf Vollzugsgesetzes". Ein zweiter Vortrag wurde von Professor Tr Wegner über die „Individualist wung der Gefangenen behandlung" gehalten. Tie 4. K o n f e r e n z d e s I n r e r n a t i o n a l e n Arbeitskreises für Erneuerung der Erziehung fand vom 3. 15. August in Locarno statt. Die Konferenz, die sich überwiegend mit rein päda gogischen Fragen beschäftigte, gab auch der für die Wohl fahrtspflege wichtigen F rage der E r z i e h u n g des schwierigen Kindes und der L a n d e r z i e h u n g s Heime einen erheblichen Raum. Für die erste Frage waren besonders die Referate von Tr. Pfister und Prof. Alfred Adler bedeutungsvoll, die sehr wesentliche Hinweise vom Standpunkt der Psychoanalyse und Jndividualpsychologie für die Lösung von Erziehungsschwierigkeilen beim Kinde und Jugend licheu zu geben hatten. Hervorhebenswert ist eine Ausstellung von Arbeiten ans den jüdischen Schulen Polens - hauptsächlich Zeichnungen, aus denen klar zu erkennen war, daß die Beziehung zur Natur, die Fähigkeit Form und Farben zu sehen, durch die jüdischen Schulen auch dem jüdischem Kinde des Ostens vermittelt wird, dessen Blick bisher in der Enge seiner Umgebung gerade für diese Dinge nicht genügend geschärft war. Eine kurze Zusammenkunft vereinigte die nicht sehr große Zahl der jüdischen Konferenzteilnehmer, in der von einem Vertreter des neuert Schllllverks in Palästina berichtet wurde. Hier wurde besonders hervorgehoben, daß der Gedanke der Arbeitsschule, wie überhaupt der Gedanke der Schulerneuerung gerade in einer sich neu bildenden Gesellschaft fast zu einer Selbstverständlichkeit wird. Mit diesen wenigen Andeutungen kann natürlich der Inhalt dieser interessanten und bedeutsamen Konferenz auch nicht einmal oberflächlich bezeichnet weroen. Ein aussühc licher Bericht steht auf Wunsch zur Verfügung. Mitte November d. I. fand in Berlin der 3. Kongreß für alkoholfreie Jugenderziehung statt. Ter erste Kongreß dieser Art wurde 1913 in Berlin abgehalten, der zweite ebendort im Jahre 1922. Beide Tagungen fanden die lebhafte Teilnahme zahlreicher Behörden und der für Erziehungsfragen interessierten Kreise. Auch der diesjährige Kongreß vereinigte viele F-ceunoe der alkoholfreien Erziehung. Tie Vorbereitung lag in Händen der Teutschen Reichshauptstelle gegen den Alkoholismus, insbesondere der Reichsarbeitsgemein schaft für alkoholfreie Jugenderziehung. Wir weisen hierdurch ans die seit dem Jahre 1914 be stehende Wanderau S stell u n g des Teutschen Guttemp lerordens „ M u t t e r u n b Kind " hin, die abwechselnd in verschiedenen Städten in Deutschland gezeigt wird. Die Ausstellung zeigt außer Material über sozial-hygienische Fragen der Mutterschaft und des Säuglingsalters, auch solches über Vererbung und Rassenhygiene. Anfragen bezüglich der Aus stellung sind an ben Teutschen Guttemplerorden, Berlin W. 8, Kronenstraße 8 9, zu richten.

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