Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1926-1927
- Issue
- Heft 7 (August 1927)
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 1925 hatte die Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilsen Vorschtägc zur Verbesserung des Jugendschutzes gemacht, die jedoch bei der Neubearbeitung fast unberücksichtigt geblieben sind. Da der neue Entwurf nach Meinung des referierenden Sachverständigen, Herrn Prof. Kohlrausch, eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung gegen den Entwurf von 1925 zeigt, war es dringend geboten, Verbesserungsvorschläge bei den verschiedenen maßgebenden Stellen einzureichen. Dies ist unter Zustimmung aller der Zentrale angeschlossenen Verbände inzwischen geschehen. Die Vorschläge, die sich hauptsächlich mit den Fragen der Kindermißhandlung, Vernachlässigung, Ausnützung zu unsittlichen Zwecken usw. befassen, liegen im Druck vor und können von der Z.W.St. oder von der Deutschen Zentrale für freie Jugendwohlsahrt, Charlottenburg, Goethestraße 22, zuiü Preise von 20 Pfg. für ein Stück bezogen werden. Nachstehender Erlaß des Preußischen Herrn Ministers für Volkswohlfahrt betr. Ausbau der Gefährdetenfürsorge (III F. Nr. 1596) ist den Jüdischen Wohlfahrtsämtern bereits mit dem letzten Rundschreiben der Z.W.St. zugegangen. Im Hinblick auf die Bedeutung für die Jüdische Gefährdetenfürsorge veröffentlichen wir ihn auch an dieser Stelle im Wortlaut. „Die mit dem Inkrafttreten des Reichsgesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten am 1. Oktober 1927 bevorstehende Beseitigung der Reglementierung der Prostitution wird ohne Störungen und Schäden nur dann vor sich gehen, wenn die Möglichkeit ausreichender gesundheitlicher und sozialfürsorgerischer Maßnahmen an den bisher von der Sittenpolizei erfaßten Personen besteht. Die Schaffung von Stellen, welche die den Gesundheitsbehörden erwachsenden Aufgaben wahrzunehmen haben, ist durch das erwähnte Gesetz sichergestellt. Dagegen bleibt die für die Bekämpfung der Prostitution und ihrer Schäden nicht minder wichtige Tätigkeit der Gefährdetenfürsorge freiwillige Leistung der öffentlichen und privaten Wohlfahrtspflege. Wenn auch auf diesem Gebiet in den letzten Jahren durch Ausbau vorhandener Einrichtungen und Schaffung neuer Fürforgestellen Anerkennenswertes geleistet worden ist, so wird doch angesichts der bevorstehenden gesetzlichen Neuregelung ein Ausbau und eine Vermehrung der Einrichtungen der Gefährdetenfürsorge notwendig. Es muß erreicht werden, daß nicht nur in allen größeren Städten, sondern auch in denjenigen mittleren Städten und größeren Landgemeinden, deren wirtschaftliche oder soziale Verhältnisse eine erhöhte sittliche Gefahr ihrer weiblichen Bevölkerung mit sich bringen, eine Fürforgesteile für Gefährdete, sei es als selbständiges Pflegeamt oder als Polizeifürsorgestelle, sei es im Anschluß an ein Wohlfahrts-, Jugend¬ oder Gesundheitsamt oder sei es als Einrichtung der privaten Wohlfahrtspflege, vorhanden ist. Daneben wird die Schaffung von Heimen zur vorübergehenden Aufnahme von obdachlosen, sittlich gefährdeten weiblichen Personen oft eine unentbehrliche Ergänzung der fürsorgerischen Arbeit sein. Ich ersuche daher, unverzüglich bei den Verwaltungen der Gemeinden Ihres Bezirks, in denen solche Einrichtungen der Gefährdetenfürsorge notwendig erscheinen, aber noch nicht oder nur in unzureichendem Maße vorhanden sind, sowie bei den Trägern der freien Wohlfahrtspflege den Ausbau der Gefährdetenfürsorge in dem erwähnten Sinne anzuregen. Ich bin gegebenenfalls nach Maßgabe der mir zur Verfügung stehenden Mittel bereit, in Einzelfällen Beihilfen für den Ausbau der Gefährdetenfürsorge zu gewähren, jedoch nur, wenn fertige, unterstützungswürdige Pläne vorliegen und die Finanzierung und die Erhaltung der Einrichtung gesichert ist." Geeignete Anträge werden schnellstens an die Geschäftsstelle der Z.W.St. erbeten zum Zwecke der Weiterleitung an das Preußische Ministerium für Volkswohlfahrt. Aus den durch das Rcichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft für das Rechnungsjahr 1927 für die Kinderspeisung bereit gestellten Mitteln kommt in der nächsten Zeit noch ein Restbetrag von 2,5 Millionen Mark zur Verteilung. Dieser Betrag wird in der üblichen Weise ohne Rücklage einer Reserve weitergeleitet werden. Die Ausstellung der deutschen Jugend im Schloß Bellevue, Berlin, ist vor kurzem geschlossen worden. Die Ausstellungsleitung hat kurz vor Schluß einen Ausstellungsführer (siehe Seite 16) herausgegeben, der das wichtigste statistische Material aus der Ausstellung enthält und der deshalb auch für weitere Kreise von Interesse ist. Aus den mitgeteilten Zahlen seien folgende für die Wohlfahrtspflege besonders interessante angegeben: Durchschnittsergebnisse über den Arbeitstag erwerbstätiger Jugendlicher. Erhebungs- Weg zur ArbensM .Ueber ott üitbetiö* beginn Dauer stunden süilr-. 2 Großstädte 20 Min. 7.05 9 Std. 5 Min. 55 Min. 2 Landgemeinden . 10 Min. 7.05 9 Std. 50 Min. 25 Min. Arbeitszeit und Urlaub für erwerbstätige Jugendliche. Von 91507 befragten Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren aus Groß-, Mittel- und Kleinstädten aller Länder Deutschlands hatten eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden 57 640 63,0 0 o 48—49 Stunden 6 903 7,5 o/o 50—51 Stunden 5 799 6,3 o/o 52—53 Stunden 3 262 3,6 o/o 54—56 Stunden 6 212 6,8 o/o 57—60 Stunden 4 554 5,0 o'o über 60 Stunden 7137 , 7,8 o/o Von 107 201 befragten Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren aus Groß-, Mittel- und Kleinstädten aller Länder Deutschlands hatten einen jährlichen Urlaub von 1—3 Tagen 16 947 15,8 o/o 3—5 Tagen 8 713 8,1 o/0 5—8 Tagen 40 780 38,0 o/o 8—10 Tagen 3671 3,5 o/0 10—14 Tagen 7 815 7,3 o/o über 14 Tagen 4 542 4,2 o/o keinen Urlaub 24 733 23,1 o/o Von 157 705 befragten erwerbstätigen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren machten 107 201 Jugendliche Angaben über ihre Urlaubsverhältnisse. Es hatten von 107 201 erwerbstätigen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren: 24 733 Jugendliche 23,1 o/o keinen Urlaub. Wohnungsverhältnisse der Jugend. Jeder 5. Jugendliche hat kein eigenes Bett! Jeder 10. Jugendliche schläft mit Fremden in einem Schlafzimmer! Jeder 200. Jugendliche schläft mit Fremden in einem Bett! Der Gesundheitszustand der Jugend. Eine besonders eindringliche Darstellung zeigt die Sterblichkeit Jugendlicher an Tuberkulose. Wir sehen hier, daß die Tuberkulose bei der Jugend vor allen anderen Krankheiten die meisten Todesopfer fordert. In Preußen starben von 10 000 Lebenden in den Jahren im Alter 1919 1920 1921 1922 1923 1924 10 -15 9,08 6,11 4,72 4,71 5,01 4,10 15 -20 27,24 17,55 13,87 14,42 15,81 11,55 20 25 30,78 23,33 21,12 23,11 24,96 19,53 I u g e n d n o t und I u g e n d h i l f e. Ueber die Gründe der Fürsorgeerziehung unterrichtet eine Darstellung, der eine Statistik der in Berlin erfolgten Neuüberweisungen im Geschäftsjahre 1925 zugrunde liegt. Es erfolgten insgesamt 1 294 Neuüberweisungen aus folgenden Gründen: Verhütung der Verwahrlosung . 243 Beseitigung der Verwahrlosung wegen Unzulänglichkeit des Erziehers .1006 Urteil des Jugendgerichtes . 11 Aufhebung der beruflichen Entlassung ... 34