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Nachrichtendienst · 1926-05-01 · Heft 2 (Mai 1926) · p. Seite 8

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1926-1927
Issue
Heft 2 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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- 8 Wohlfahrtsamt und für Disscdentcnkindcr die Kindcrschutzkommission der freien Gewerkschaften. In ähnlicher Weise überträgt das I. A. B o ch u m den vorbedachten Ausgabenkreis den zuständigen Fürsorgcvereincn". In Münster i. W. werden die Aufgaben der Jugendfürsorge, soweit sie sich dazu eignen, den bestehenden Organisationen der Jugendfürsorge zur möglichst selbständigen Erledigung übertragen. Soweit^ jüdische Mündel in Frage kommen, ist als gesetzlicher Amts- Amtsvormund der Rabbiner vorgesehen, während alle übrigen Geschäfte der Vorstand der Synagogengemeinde zuständig ist. Gegenüber diesen erfreulichen Lösungen ist es bedauerlich, daß infolge der Uneinheitlichkeit der Ausführungs-Gesetze der Länder die Voraussetzungen für die Beteiligung der freien Jugendhilfe einen teilweise rückläufigen Charakter tragen. Mißlich liegen die Verhältnisse in Sachsen, wo bisher nicht einmal in Dresden und Leipzig eine Mitwirkung jüdischer Stellen vorgesehen war. Bayern hat sogar die glückliche Regelung seiner Verordnung über die Fursorgeverbände, wonach der Rabbiner bzw. ein Abgeordneter Mitglied der in der Stadt bestehenden isr. Kultusgemeinde dem Wohlfahrtausschuß an-^ . gehört, in den Ausführungsbestimmungcn zum R.J.W.G. fallen gelassen. In Preußen, Baden und Hessen ist der \ ' Rabbiner dagegen kraft seines Amtes Mitglied des Jugendamts. ' Praktisch hat sich — meist noch aus der Zeit vor In- . krasttreten des R^J.W.G. — ein Zusammengehen mit den übrigen Organisationen erhalten, u. a. in Hamburg, Breslau, Stettin, Elberfeld, Lübeck, auch in München, vor allem aber in Berlin, wo die Berliner Wvhlsahrtsvereinigung ausgezeichnete Vorarbeit geleistet hat, und wo die jüdische Jugend- ' Wohlfahrt im Verwaltungsausschuß des Landesjugendamts . und in einigen Bezirksjugendämtern außer dem Rabbiner durch in der -Jugendwohlfahrt erfahrene Personen vertreten ist. — Für die 3 letztgenannten Länder darf man wohl sagen, daß die Beteiligungsfrage eine befriedigende Lösung gefunden hat, wenigstens formell. Sachlich wird sie überall von dem Geist abhängen, den die Stadtverwaltung überhaupt der freien Mitarbeit gegenüber zeigt. Er offenbart sich manchmal mehr als Ungeist, der die Regelung durch das R.J.W.G. als notwendiges Uebel betrachtet. Auf der andereu Seite dürfen sich die in die Jugendämter Berufenen nicht nur als Vertreter der Gemeinschaft fühlen, der sie angehören — wenn sie auch dafür sorgen müssen, daß deren Interessen gewahrt bleiben —, sie sollen sich darüber hinaus als solche der gesamten' Jugendwohlsahrt betrachten und voraussetzungslos zur Erfüllung-ihrer Aufgaben beitragen. —' ' - Dem Heft, ba§ zu diesen Bemerkungen Anlaß gibt, ist weiteste Verbreitung in den Kreisen der Jugendhilfe zu wünschen, nicht nur unter den freien Einrichtungen, sondern auch unter den Jugendämternbeide werden aus ihm erkennen, wieviel Lu tun noch übrig bleibt, um die schwer» erkämpften Ideen des R.J.W.G. in die Wirklichkeit umzusetzen! — Tr. L. hauptftelle für Mische lUanüerfürforge und Arbcitznächwcifc. Am 11. April dieses Jahres tagte der Wohlfahrtsverband Sachsen-Anhalt zu Halberstadt. Tic Tagung war für uns . deshalb von besonderem Interesse, weil die endgültige Aus- ' einandcrsetzung mit Halberstadt, das bisher immer noch dem Wohlfahrtsvcrband fern stand, erfolgen sollte. Des weiteren sollten endgültige Beschlüsse über den Anschliiß der Thüringischen Gemeinden, bczw. Erfurts erfolgen. Erfurt hatte sich ursprünglich als Zweigstelle von Magdeburg etabliert. Da es dieser Ausgabe mcht gewachsen war, auf der anderen Seite aber seine Beiträge an dft Zentralkäste Magdeburg nicht abgesührt hatte, hatten sich allmählich unhaltbare Zustände heraüsgebjldct. Leider war der Vertreter der Gemeinde Erfurt nicht anwesend, sodaß dieses wichtige Trilproblem eine endgültige Klärung nicht erfahren konnte. Diese soll vielmehr in einer in Kürze in Erfurt selbst stattfindenden Sitzung mit dem ' dortigen Vorstände erfolgen. Halberstadt erklärte sich nunmehr endgültig bereit, der Provinzialkaste für Wanderfürsorge beizutreten, gewisse Sou-' , dcrrechte sollen ihm gewährt werden. Die endgültigen Richtlinien über die Zusammenarbeit von Magdeburg und Halber¬ Bcrantwortliche Schrlstleitung; Hilde ONenhelrnrr, Berlin. stadt sollen in einer demnächst stattfindenden Kommission endgültig sestgclegt werden. Der Zentral-Armenverband Westfalens tagte zu Bochum am 114. April dö. Js. Tsr Zentral-Armenverband ist eine selbständige Organisation, übt aber die Wandersürsorge in gleicher Weise und in Zusammenhang mit den anderen Provinzen aus. Tie Vertreter der einzelnen Gemeinden erklärten sich mit der Fortführung der Arbeit in der bisherigen Form einverstanden und bewilligten hierfür die notwendigen Geldmittel wie im vergangenen Jahre. Von besonderer Wichtigkeit für die Weiterentwicklung des Vcrbaned wird cs sein, daß der Vertreter der Gemeinde Münster endgültig zum Anschluß an den Verband gewonnen wurde. Ter Vorschlag der Haupt - stelle, Rheine als Grenzkasse an der holländischen Grenze zu etablieren, scheiterte leider daran, daß der Vertreter der Gemeinde Rheine zu dieser Tagung nicht erschienen war. Tie Provinzialtasse Bochum hat im vergangenen Jahre zirka 700 Turchwandercr mit einem Kostenaufwand - von zirka Marl 9000. abgefertigt. Tic Hauptstelle war durch .Herrn Tr. Kreutzbergcr vertreten, der über die Probleme gegenwärtiger jüdischer Wanderfürsorge in Deutschland und über den Stand der Organisation berichtete. Am 26. April tagte die Vertreterversammlung der Provinnzialkasse für jüdische Wandersürsorge für die Rheinprovinz in Köln. Die Hauptstelle, war durch ihren Geschäftsführer, Herrn Rudel, vertreten, der ein ausführliches Referat über Wege und Ziele gegenwärtiger jüdischer Wanderfürsorge erstattete. Die Tagung der Provinzialtässe in Köln hatte besondere Bedeutung, weil es sich hier um eine der größten und wichtigsten Kassen handelt. Sowohl die Weiterwanderung nach Frankreich und Belgien als auch die Rückwanderung nach. Polen gehen hauptsächlich über Köln. Es ist deshalb von entscheidender Bedeutung, daß die Kasse in Köln, die als einzige ununterbrochen fast klagelos funktioniert, ansgeüaut und «befestigt wird. Besonderes Verdienst um die Tätigkeit der - Kasse hat "sich der Vorsitzende,' Herr Fcilchenfeld, erworben, der seit Jahrzehnten der Wandersürsorge seine besondere Aufmerksamkeit zuwcndet, und erneut znm Vorsitzenden der Provinzialkässc gewählt wurde. Tie Bertreterversammtung faßte den einstimmigen Beschluß, der Hanptstelle den Jahresbeitrag zu bewilligen. ' Im Anschluß an die Tagung in Köln beteiligte sich der Geschäftsführer, Herr Rudel, an der Generalversammlung^ des Provinzialvcrbandes Elberfeld-Barmen, wo er über die Wanderfürsorge und ihre Bedeutung 'einen Vortrag hielt. In Duisburg sprach Herr Rudel in einem kleinen Kreis der Gemeindevertreter aus Duisburg, Rnhrort und Hamborn über die Organisation der Wohlfahrbtspfleqe. Seinem Vorschlag, ein geincinsames Wohlfahrtsamt für die drei Gemeinden zu errichten, bezw. die Jüdische Arbeiterfürsorgestelle in Duisburg tzu diesem Wohlfahrtsamt auszubanen, wurde prinzipiell zugcstimmt. Die Gcmeindevertretcr der drei tädte müssenS nun ihrerseits zu diesem Vorschlag Stellung nehmen. Die Generalversammlung der Häuptstclle.sollte ursprünglich im Anschluß an die Tagirug der Zentralwohlfahrtsstelle in sDüsseldors stnttfinden. Der Zeitpunkt der Tagung und die Fülle der sonstigen Veranstaltungen haben es nicht als angczeigt erachtet, die Generalversammlung in Düsseldorf stattfinden zu lassen. Sie soll vielmehr erst im Spätherbst als Auftakt für unsere Wintcrarbeit einberufcn werden. Tie Hauptstellc bereitet einen ausführlichen Geschäftsbericht vor, zu dem sämtliche nngeschlossenen Provinzialkasteir Material, insbesondere über die Größe, den Umfang, die Kosten und Gliederung der Wanderung ihr habenz ugehen lassen. In Kürze wird die Hauptstelle ein, Informationsblatt hrrausgehen lasten, in dem nach Bedarf alle wichtigen und , aktuellen Fragen der Wandersürsorge. des Ausländerrechts, der Erwerbslosensürsorge erörtert werden sollen. Daneben werden ständig Hinweise auf Auswanderungs- und Arbeitsmöglichkcit. aus neuerschienene Verordnungen Gesetze ustv. publiziert werden. -r Druck: Hermann Wegner & (So., Berlin-Marlkiidorf

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