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Nachrichtendienst · 1926-05-01 · Heft 2 (Mai 1926) · p. Seite 2

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1926-1927
Issue
Heft 2 (Mai 1926)
Date
1926-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — Organisation Ta der Arbeitskreis der Zentralwohlfahrtsstctte immer ■. mein an Umfang znnimmt, ist man innerhalb des geschäftssiihrendeu Ausschusses der Zentralwohlfahrtsstelte dazu üvergcgangen. eine Reorganisation der Leitung in dem Sinne vorznbcrcitcn, das; die einzelnen Mitglieder des Ausschusses Aufgabengebiete als Tezernate übernehmen und sich in stärkerem Maße als bisher aktiv verantwortlich an der Durchführung der Arbeiten beteiligen. Ter Reorganisationsplan ist soweit gediehen, das; er der Vorstandssitzung, die anläßlich der Düsseldorfer Tagung stattfinden wird, zur Genehmigung wird vorgelegt werden können. Es sind folgende Dezernate in Aussicht genommen: Finanzen, Wirtschaftsfürsorge, Jugend Wohlfahrt, Gefährdetenfürsorge, vlesundheitsfürsorge. Wissenschaftliche und Prcsseangelcgenheiten, Ausbildung. Es ist bereits gelungen, für diese einzelnen Dezernate sachkundige, arbeitsfreudige Mitarbeiter zu gewinnen. Für die engere Leitung ist ein fünftöpfiges Gremium vorgesehen, das aus dem Vorsitzenden und 4 Stellvertretern bestehen soll. Der geschäftsführendc Ausschuß, der aus den Dezernenten und einer Reihe anderer Mitglieder besteht/ soll in vierzehntägigen Abständen alle wichtigen Angelegenheiten behandeln. Der engere Vorstand! wird alle 8 Tage zusammentommen, um die dringendsten Fragen, die keinen Aufschub leiden, zu erledigen. Am Sonntag, den 6. Juni, wird in Düsseldorf eine V o r st a n d s s i tz u n g und M i t g l i e d e r v e r s a m m - l u n g der Z. W. St. stattfinden, in welcher ein neuer Satzungsentwurf 'vorgelcgt wird. Die alten Satzungen entsprechen infolge, der Acnderungcn, die in den letzten Jahren in der Organisation der Z.W.St. vor sich gegangen sind, nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen. Zunächst ist von Wichtigkeit, das; die Z.W.St. in der Zwischenzeit ein eingetragener Verein geworden ist. Der Berwaltungstat. der als Zwischenglied zwischen Vorstand und Mitgliederversammlung ursprünglich in den Satzungen vorgesehen war, soll in Wegsall kommen, und sollen lediglich alls Organe der Vorstand, ein geschästssührender Ausschuß und die Mitgliederversammlung bestehen bleiben. Der Vorstand soll sich aus t'den Vertretern .der MlchtzrMiMItziftii m WMi, WyMrlspfM Uns Vertretern der einzelnen Landesverbände, unter Hinzuziehung einzelner, sachverständiger Persönlichkeiten zusammensetzcn. Tie in Berlin wohnhaften Mitglieder dieses Vorstandes sollen dest gcschästsführcndkn Ausschuß bildeu. Tie Mitgliederversammlung, die aus Vertretern der Organisationen, der Gemeinden, der Anstalten mit einer ganz bestimmten Stimmenzahl besteht, soll die Grundsätze der Arbeit ausstellen, den Rechenschaftsbericht prüfen und den, Vorstand wählen. Im April haben eine Reche wichtiger Tagungen im Lande stattgefunden. Am 18. April 1926 fand in Karlsruhe derWohtf a h r t s t a g des Bundes i s r. W o h l f a h rt s v c re i n rgnngcn in Baden statt, der von etwa 69.Teilnehmern besucht war. Von der Zentralwohlfahrtsstelle Berlin war Herr Tr. Segall anwesend. Nach Erstattung des Geschäfts- und Finanzberichtes hielt Herr Tr. Segall ein Referat über die allgemeine Lago der jüdischen Wohlfahrtspflege. Herr S t a d t r a b b i n c r Tr. Schiff-Karlsruhe behandelte die Lage der badischen Wohlfahrtspflege, insbcsonder' ihre zukünftigen Ausgaben. Diese bestehen in einer umfassenden. Durchorganisierung des Wohlsahrtsbundes (z.. B. dnrch Neukonstituierung von Ortsgruppen als örtliche Zentralen in allen größeren badischen Gemeinden) und in der Wandlung des Bundes aus seiner rein organisatorischen, zu einer effektiv arbeitenden Institution. Herr Regierungsrat Dr. Weißmann-Karlsruh« referierte über die Ausgaben der karitativen Verbände äm Rahmen der neuen Fürsorgegesetzgcbung; zugleich gab Herr Tr. Wcißmann einen klaren Ucberblick über den Aufbau der Reichsverordnnng über die Fürsorgepslicht und der badischen Ausführungsverordnung. Frau Geismar-Kon st a n z sprach über „Tie Wohltätigkeit in Israel im Wandel der Zeiten" und geht in diesem Zusammenhang auf die soziale Gesetzgebung des Judentums, auf die Propheten, den Talmi,d, das -jüdische Mittelalter und die Gestaltung der modernen Fürsorge ein. Anschließend an die Diskussion über die gegenwärtige und zukünftige Arbeit des Bundes wurden Beschlüsse gefaßt, die die ursprüngliche Gestalt des Bundes grundsätzlich verändern. Ter Woblsahrtsbund soll durch die Beschaffung genügender Geldmittel (von seiten des Bad. Oberrats der Israeliten, der badischegn Gemeinden uflo.) in Stand gesetzt werden, statt rein organisatorische, effektive Arbeit zu leisten. Durch Neükonstituierung von örtlichen Zentralen sott die straffe Zusammenarbeit der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege in Baden erreicht werden. Die sehr interessanten Referate ernteten reichen Beifall der Versammlung und trugen ebenso wie die daran angeschlossene Aussprache dazu bei, den Gedanken der Zentralisation der Wohlfahrtspflege zü stärken und zu befestigen. Möge btcj Auswirkung des Wohlfahrtstagcs sich darin zeigen, daß der Bund mit seinen neuen Bestrebung?,, sich immer fester in das System der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland einlordnet und so in steter Verbindung mit ihr sein Hilfswcrk leisten wird. Sehr gut besucht war ferner die Tagung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege im Rheinland in Köln am 25. Mai, die sich an eine gleichzeitige Tagung des Verbandes für Wanderarmensürsorg? anschloß, ans welcher Herr Rudel über Fragen der Wanderarmen referierte. Dr. Segall schilderte die gegenwärtige Situation der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Im Anschluß hieran „ahmen Herr Dr. Segall und Herr Rudel an der Generalversammlung des Wohlsahrtsverbandes in Elberfeld teil, wo sie über die Aufgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege referierten. Herr Rudel svrach noch in Duisburg über das gleiche Thema. Sämtliche Veranstaltungen waren 'sehr zahlreich besucht. Es zeigte sich ein überaus lebhaftes Interesse für die Fragen, die zur Zeit in der jüdischen Wohlfahrtspflege insbesondere auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge akut sind. wlrtfchafigfürsorklk Tie von der Reichsvcrsichcrungsanstalt für Angestellte! für hypothekarische Kredite zur Verfügung gestellten Kontigentc waren bis jetzt ausschließlich für Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge für Erwachsene und Jugendliche bestimmt. Wie wir nun in der April-Nummer des Nachrichtendienst?s kurz mitgeteilt haben, ist es uns in langen und mühevollen Verhandlungen: gelungen, die R.f.A. zu bewegen, Kredite aus den erwähnten .Koptigentcn von nun ab auch für Altersheime zur Verfügung zu stellen. Jncl. dem Saldo vom Vorjahre können wir gegenwärtig ca. 150000 M. aus Mitteln der R.f.A. zu folgenden Bedingungen vergeben: Tie Kredite sind mit 6bei 98 p r oz e n t rg e r Ans- . zahlnna. abzüglich 1«/., Vcrwaltnngskostenbeitrag verzinslich; sic werden auf 3 Jahre fest vergeben, können aber 9 Monate vor Ablauf gekündigt, bzw. verlängert werden. Tie Höhe des Tarlehns kann 16 20"„ des Wehrbeitragswertes des zu belastenden Grundstücks erreichen. Tie Darlehen sind in erster Linie für Um- und Neubauten bestimmt, unter Umständen können aber auch notwendige Jnventarergänzungeu. bauliche Reparaturen, sowie ähnliche Ansgaben berücksichtigt werden. Wenn erststellige Papiermarkhypothcken auf dem Grundstück lasten, müssen sie bei Gewährung des R. f. A.-Darlchens abgelöst, bzw. an zweite Stelle gesetzt werden. Kreditgesuche, die diesen Bedingungen entsprechen, legen wir dem Reichsarbeitsministerium vor, welches die Gesuche . im Sinne der Vereinbarungen und-gemäß den allgemeinen Grundsätzen der Wohlfahrtspflege und der Wohlfahrts- Politik prüft und sie der R.f.A. weitcrgibt.

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