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Nachrichtendienst · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. Seite 3

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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fährdetenfürsorge unb für Erholungsfürsorge und alsdann unserem geschäftsführenden Vorstand vorgelegt werden. Wir bitten aber schon heute, daß alle in Frage kommenden Stellen im Reich sich, mit dieser Frage beschäftigen und uns, sobald als möglich- Mitteilung über den Stand der Angelegenheit und über ihre Ansicht machen und Vorschläge zur Abhilfe zugehen lassen. Gegebenenfalls wird später auch eine gemeinsame Erörterung der Frage in größerem Kreise in Aussicht zu nehmen sein. In der letzten Sitzung der Deutschen Zentrale für freie Jugendwohlfahrt wurde zu dem vorliegenden Entwurf zu einem Berufsausbildungsgesetz seitens der Vertreter der ländlichen Wohlfahrtspflege und des Reichsausschusses der deutschen Jugendveroände Stellung genommen und auf Grund der sich anschließenden Diskussion eine Eingabe an den Reichs wirtschaftsrat beschlossen. Au) ihren Inhalt kommen wir noch ausführlich zurück. In einer früheren Sitzung der Deutschen Zentrale war die bisherige Strafgesetzgebung in Kindermißhandlungsfällen und die unzureichende Stellungnahme des neuen Entwurfs zu einem Strafgesetzbuch Gegenstand der Beratungen. Da die Oeffentlichkeit zu wenig in sachlicher Weise orientiert ist, wird in der nächsten Zeit eine Schrift erscheinen, in welcher Kindermißhandlungsfälle kurz dargestellt werden. Ergänzt wird diese Schrift durch die bisherige Rechtsprechung und durch Reformvorschläge. Auch mit der Presse soll in Zukunft mehr als bisher zusammengearbeitet werden. Die Vereinigung für internationale Kinde c h i l f e bei der Deutschen Zentrale beschloß die Mitwirkung bei einem internationalen Kinderzeichenwettbewerb durch Schulkinder zur Illustration der Genfer Erklärung der Kindesrechte. Ein entsprechendes Rundschreiben wird den Schulen zugehen. Die Vereinigung befaßte sich ferner mit der Zusammensetzung des vorbereitenden Komitees für die internationale Ausstellung de Ia protection de l’enfance in Paris 1928. * Der November- Dezembernummer des Nachrichtendienstes des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge entnehmen wir einen Beschluß des Reichsgerichts zur Frage der Fürsorgeerziehung für ausländische Minderjährige. Nach diesem Beschluß (vom 19. Mai 1927 IV. B. 25/27) ist die Anordnung der F. E. gegenüber ausländischen Minderjährigen zulässig. Wie wir einem Auszug aus der Begründung dieses Beschlusses entnehmen, hätte es einer besonderen Vorschrift im R.J.W.G. bedurft, um F. E. für ausländische Kinder zu verbieten. Da eine solche Vorschrift nicht da und die F. E. eine öffentlich-rechtliche Maßregel ist, so erfolgt ihre Anordnung aus öffentlich-rechtlichen Gründen des Staatswohles. Im Interesse der Praxis wird in dem betr. Artikel zum Schluß der Wunsch ausgesprochen, durch ein Gesetz die Anwendbarkeit der Vorschriften des R.J.W.G. über die F.E. für Ausländer sicher zu stellen. IV. Jugendpflege und Jugendbewegung Aus der Arbeit des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände. Ein ausführlicher Bericht erscheint in der nächsten Nummer des Nachrichtendienstes in Form einer Sonderbeilage. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände wird auf der nunmehr nach Leipzig übergesiedelten Ausstellung „Das junge Deutschland" durch eine neue Sonderausstellung vertreten sein, die von jüdischen Künstlern aus Leipzig und dem Bauhaus in Dessau gestaltet wird. Anläßlich der Ausstellung wird in Leipzig ein jüdischer Jugendring gegründet werden, an dem alle jüdischen Jugendorganisationen Leipzigs beteiligt sein werden. Im Laufe des Monats Januar wird der Hamburger Ortsausschuß der jüdischen Jugendverbände sich endgültig konstituieren. Auf Initiative des Landesausschusses Berlin der jüdischen Jugendverbände veranstaltet die Freie jüdische Volkshochschule Berlin in diesem Semester ab 23. Januar jeweils am Montag von 8—9 Uhr in Berlin, Rosenstraße 2/4, eine Vorlesungsreihe über jüdische Jugendbewegung mit folgenden Themen und Referenten: 1. Dr. Siegfried Lehmann: Psychologie des jüdischen Jugendlichen. 2. Dr. Georg Luoinsii: Die besonderen Erziehungsmethoden der Jugendbewegung. 3. Dr. Prinz: Leistung von Bildungsarbeit innerhalb der Jugendbewegung. 4. Dr. Ernst Heinrich Seligsohn: Die Frage der Aelteren innerhalb der Jugendbewegung. 5. Dr. Siegfried Bernsero: Die sozime Bedeutung der Erziehung und der Jugendbewegung. 6. Edith Eohn: Die soziale Arbeit der Mischen Jugend. In den letzten Tagen des vergangenen Jahres fanden an verschiedenen Orten Führerkurse innerhalb der jüdischen Jugendbewegung statt, die sich außer den speziellen Bundesfragen insbesondere mit Fragen der Pädagogik und Sozialpädagogik befaßten. Ein Bücherverzeichnis für die Einrichtung von Jugendlese st üben wurde von der Z.W.St. zusammengestellt und steht auf Wunsch zur Verfügung. V. Gesundheitsfürsorge In den Monaten November und Dezember wurden folgende Zuschüsse aus dem offenen Fonds der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Tuberkulosefürsorge" geleistet: Im November 192? an 14 Patienten Mk. 1465,50 Im Dezember 1927 an 17 Patienten Mk. 1937,50 Bon den Unterstützten waren: Männer: 7, Frauen: 10, Jugendliche: 9, Kinder: 5. Inländer: 19, Ausländer: 9, Staatenlose: 3. Aus: Berlin: 17, Bibra: 1, Breslau: 4, Elberfeld: 1, Heidenheim: 1, Jena: 1, Karlsruhe: 1, Köln: 1, Möser: 2, Norderney: 1, Reichenbach: 1, Riede: 1. Neuanmeldungen im November 14, im Dezember 12. VI. Bevölkerungspolitik Am 7. Dezember 1927 tagte unter dem Vorsitz von Frau Wronsky, Berlin, der bevölkerungspolitische Ausschuß des Preußischelt La u des verbau des jüdischer Gemeinden. Die Wirkung des an die gesamte jüdische Presse vor einiger Zeit ergangenen Aufrufes, der sich unter eindringlicher Schilderung der bevölkerungspolitischen Verhältnisse unter den deutschen Juden an die jüdische Oeffentlichkeit richtete, wurde eingehend besprochen. Es wurde festgestellt, daß der Aufruf bis aus wenige Ausnahmen von allen jüdischen Zeitungen abgedruckt worden ist. Damit ist die öffentliche Meinung wiederum auf dieses Problem aufmerksam gemacht worden. Der Ausschuß nahm davon Kenntnis, daß sich die Berufsverbände der Rabbiner und Lehrer ebenso Jugendverbände und der Jüdische Frauenbund bereiterklärt haben, die ihnen nahestehenden Kreise im Srr.ne des erwähnten Aufrufs zu beeinflussen. Mit ihnen wird irr diesem Sinn in Verbindung getreten werden. Von den übrigen auf der Tagesordnung stehenden Angelegenheiten wurde sodann die Frage der Früh ehe erörtert. Tie Gemeinden sollen angeregt werden, dahingehende Bestrebungen einzuleiten. Der erschreckende allgemeine Wohnungsmangel und die damit zusammenhängenden sozialhygienischen, wirtschaftlichen und sittlichen Nöte machen auch in den Reihen der jüdischen Gemeinden umfassendere Reformversuche zu einer unabweislichen Pflicht. Auf einen Antrag von Fräulein Bertha Pappenheim-Frankfurt a. M. sollen die vom jüdischen Frauenbund bisher bearbeiteten Stammbaumformulare unter deni Gesichtspunkt untersucht und vervollständigt werden, daß aus ihnen wichtige geschichtliche und soziologische Zusammenhänge innerhalb des deutschen Judentums aufgezeigt werden könnet!. Zum Schluß der Verhandlungen wurde die frühere Anregung, ein bevölkerungspolitisches Preisausschreiben zu erlassen, ausgenommen. Man einigte sich aus das Thema: „Das großstädtische Wohnungsproblem und sein Einfluß auf die jüdische Bevölkerung". Zwei Preise, einer von

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