Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Hauptstelle einverstanden und zufrieden sei. Insbesondere die Vertreter Leipzigs erklärten/ daß sie eine starke Entlastung ihrer Kosten und ihrer Arbeit erfahren hätten. Tie Kleingemeinden führten insbesondere Klage darüber, daß Bayern sich zwar formell der Gesamtorganisation angeschlossen habe, im Einzelnen aber noch nicht nach den Richtlinien arbeite. Es wurde deshalb folgende Resolution einstimmig angenommen: „Im Interesse der Durchführung der Wanderfürsorge ist es dringend geboten, daß die Landeskassen München, Fürth und Würzburg sich in die Gesamtorganisation einsügen. Die genannten drei Landeskasscn werden gebeten, unverzüglich mit der systematischen Arbeit zu beginnen. Des Weiteren wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden, Rechtsanwalt Salinger beschlossen, einen Jnstruktionskursus für die in Sachsen in der Wanderfürsorge Tätigen abzuhalten. Schließlich wurde noch ein Kommissionsbeschluß genehmigt, wonach der Ueberschuß der Provinzialkasse Leipzig in Höhe von 2000 Mark nicht zur Verteilung an die einzelnen Gemeinden kommen soll, sondern als besonderer Fonds der Kasse bis zur nächsten Abrechnung zu verbleiben hat. Am 8. November d. Js. fand die für unsere Reorganisationsarbeit so überaus wichtige Tagung des Lynagogen- Verbandes für Hessen-Nassan in Frankfurt a. M. statt. Neben dringenden anderen zentralen Wohlfahrtsaufgaben wurde auch dem Problem der Wanderfürsorge besondere Beachtung geschenkt. Im Anschluß an das Referat, das der Geschäftsführer der Hauptstelle Herr Rudel hielt, wurden die Grundsätze der Hauptstelle, sowie die Durchführung des Meldesystems als richtig anerkannt. Es wurde eine Resolution angenommen, die den Landesverband verpflichtet, sich der Hanptstclle anzuschließen und im Sinne der Richtlinien der Hauptstelle zu arbeiten. Des Weiteren wurde ein Ausschuß eingesetzt, der sich nur mit den Fragen der Wandersürsorge beschäftigen soll. Tie erste Sitzung dieses Ausschusses findet am 6. Dezember d. Js. in Marburg statt. Im Anschluß an die Frankfurter Tagung besuchte Herr Rudel die Wohlfahrtstagung der Rheinprovinz, die am 10. November d. Js. in Düsseldorf stattfand. Zur Vorbereitung dieser Tagung war es notwendig, die an unserer Arbeit interessierten Persönlichkeiten des Verbandes in Köln und Düsseldorf über den Stand unserer Organisation zu unterrichten. Die Tagung selbst nahm den Bericht unseres Vertreters entgegen, ohne einzelne Beschlüsse zu fassen. Diese waren insofern auch nicht notwendig, als die Provinzialkasse für das Rheinland mit dem Sitz in Köln-Rhein schon bisher vorzüglich arbeitete. Des Weiteren war sür unsere Arbeit außerordentlich entscheidend die Tagung des Verbandes württembergischer Synagogen-Gemeinden, die am 22.November d. Js. in Stuttgart zusammentrat. Nach längerer Diskussion, die im Anschluß an das Referat, das Dr. Kreutzberger erstattete, stattfand, wurde folgende' Resolution angenommen: „Die VeM sammlung württembergischer Gemeinden und HohenzollerH beschließt die Zentralisierung der Wandersürsorge für den Freistaat Württemberg im Zusammenhang mit dem Landesverband für Jüdische Wohlfahrtspflege in der Landeskasse . Stuttgart unter Anschluß an die Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge und Arbeitsnachweise, Berlin." Des Weiteren fand folgender Antrag des Landesrabbiner Dr. Rieger einstimmig Annahme: „Die Vertreterversammlung württembergischer Gemeinden hält zur Lösung des Problems der jüdischen Wandersürsorge die Errichtung von Aebeitsstätten in ganz Deutschland ftir erforderlich und dringlich. Mit dem Anschluß Württembergs ist nunmehr der allergrößte Teil Deutschlands reorganisiert und in der Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge und Arbeitsnachweise zentralisiert. Es fehlt uns nur noch der Freistaat Baden, mit dem aber auch schon Verhandlungen wegen seines Anschlusses angeknüpft worden sind. Nachdem nunmehr der äußere Rahmen der Organisation im Laufe der neunmonatigen Tätigkeit der Hauptstelle geschaffen worden ist, nachdem die Unterhandlungen mit Oesterreich und der Tschechoslowakei über einen organisatorischen Anschluß an die Hauptstelle vor einem unmittelbaren günstigen Abschluß stehen, wird sich die Hauptstelle nunmeh ihren wesentlichen und entscheidenden Aufgaben zuwende:^ können: der Errichtung von Arbeitsnachweisen und Arbeitsstätten. Das Problem der Wandersürsorge kann — wenn überhaupt — sinnvoll nur im Zusammenhang mit einem starken Netz jüdischer Arbeitsnachweise und Arbeitsstätten gelöst werden. Deshalb wird das Bestreben der Hauptstelle darauf gerichtet sein müssen, mit allen größeren jüdischen Zentren Deutschlands Arbeitsstätten und Arbeitsnachweise zu errichten. In Breslau ist der Anfang gemacht worden. Am 24. November d. Js. fand in Breslau eine Tagung sämtlicher jüdischer Organisationen auf Einladung des Wohlfahrtsamtes der jüdischen Gemeinde statt, auf der die Errichtung eines selbständigen jüdischen Arbeitsnachweises beschlossen wurde. Die Gemeinde und die Organisationen verpflichteten sich, finanziell den Arbeitsnachweis zu halten. Es wurde auf dieser Tagung klar erkannt, daß wirklich Sinn nur ein Vollarbeitsnachweis haben kann, d. h. ein Arbeitsnachweis, der sowohl eine Abteilung für männliches als auch weibliches Personal, sowie Lehrstellenvermittlung und Berufsberatung umfaßt. In Köln-Rhein wird in aller Kürze ebenfalls ein selbständiger Arbeitsnachweis gegründet werden. So verfügt die Hauptstelle nunmehr schon über vier hauptamtlich besetzte Arbeitsnachweise (Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, Köln-Rh.). Es wird sich nun darum handeln, durch Verhandlungen mit dem Frauenbund eine Vereinheitlichung des gesamten jüdischen Arbeitsnachweiswesens herbeizusühreu. Die Weiterliefernng des „Nachrichtendienst" erfolgt nur an die Bezieher, welche den Jahresbetrag von Mk. 2.— für 1925 bezahlt haben. Hut Ueberweisung wird dringend gebeten. Postscheckkonto 140 617 der Zentralwohlfahrtsstelle (Schahmeister Henriette May), Berlin N. Verantwortliche Lchriktleitung: vr. Iskod Legal!, verlin. — Druckvrrmann wcguer <£ Co., verlimMarienüork.