Nachrichtendienst
- Journal
- Nachrichtendienst
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NACHRICHTENDIENST berausgegeben von der 2cntralu)oJ)lfaJ)Tts|leUe der deutschen Juden unter Mitwirkung der haupiftelle für jüdische wandersiirsorge und flrbeitsnadjmeife Seslbästsstelle: Berlin C.2, Rofenftr. 2/4 fernfpr.: Amt Norden 5710-16. Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet. Dezember 1925. Bezugspreis: 2 Mark pro Jahr, erscheint mindestens 1 mal jährlich. Bestellungen bei der Seschästsstelle. Organisation. Der Geschäfts führen de Ansschuß der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden hatte seit Erscheinen der letzten Nummer des Nachrichtendienstes 2 Sitzungen. Im Vordergrund der Beratungen stand das Gesetz über die Aufwertung und seine Bedeutung für die jüdische Wohlfahrtspflege. Der Vorschlag des Finanzreferenten, Dr. Kohn, im Zusammenhang mit der Aufwertung der Vermögen der Anstalten und Einrichtungen sozialpolitische Maßnahmen zu treffen, wurde von dem Ausschuß gebilligt. Diese Maßnahmen, über welche die Anstalten, Vereine und Stiftungen in der Zwischenzeit eingehend informiert wurden, bestehen in der Schaffung eines Härte- und Ausgleichsfonds zu Gunsten derjenigen Anstalten, die erst im Laufe des Krieges gegründet wurden und daher keine Vorkriegsvermögen besitzen. Der 2. Vorschlag ging dahin, mit der Aufwertung der Anstaltsvermögen die Pensionierungsfrage der älteren Angestellten irr gewissem Umfange zu lösen. Der Geschästsführende Ausschuß befaßte sich ferner mit den gegenwärtig akuten Fragen der Jüdischen Tuberkulosefürsorge, der Gefährdetenfürsorge, der Studentenhilfe, der Wanderfürsorge. (Berichte im Einzelnen siehe unten.) * Zur Bearbeitung der Fälle der jüdischen Tuberkulosefürsorge wurde eine kleine 3 gliedrige Kommission gebildet, der Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle, derGroß- . löge des Jüdischen Frauenbundes und ein Spezialarzt für Lungen-, Hals- und Nasenkranke angehören. * Für die Tätigkeit der jüdischen Gefährdetenfürsorge hat sich die Notwendigkeit ergeben, im Interesse der praktischen Arbeit aus dem Plenum der Arbeitsgemeinschaft Unterkommissionen, und zwar für Bahnhofshilfe, Gefängnisfürsorge, Geschlechtskrankenfürsorge, Psychopathenfürsorge, zu bilden. Jeder einzelnen dieser Kommissionen gehören die speziell an dem einzelnen Fürsorgegebiet interessierten und beteiligten Persönlichkeiten an (Aerzte, Rabbiner, Frauen, Wohlfahrtspfleger usw.) Eine besondere Kommission für Fürsorgeerziehung zu schaffen, erübrigte sich, da der Deutsch-Israelitische Gemeindebund das seither hierfür bestehende Kuratorium durch Hinzuziehung einiger Mitglieder der Gefährdetenkommission erweitert hat. Um auch seinerseits den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft zum Ausdruck zu bringen, und auch um die praktische Arbeit zu.fördern. In der letzten Sitzung der Gefährdetenkommission wurde der Wunsch nach einer Heranziehung der jüdischen Lehrer ausgesprochen und überhaupt die Notwendigkeit dargelegt, für dieses Fürsorgegebiet recht weite Kreise der jüdischen Bevölkerung zu interessieren. Die Not der j ü d i sch en S t ud e n te n ist seit einiger .Zeit nicht nur unter den ostjüdischen, sondern auch in der deutschen Studentenschaft sehr groß geworden. Eine Selbsthilfsorganisation bestand seither nur für die ausländischen Studierenden. Bei einer Besprechung mit der Studentenschaft hatte sich jedoch gezeigt, daß eine allgemeine Organisation, die alle studentischen Kreise erfaßt, notwendig ist. Nähere Mitteilungen gehen an die Wohlfahrtsämter. (Siehe untenstehenderr Bericht.) * In der letzten Zeit wurden folgende neue Landesverbände und örtliche Zentralen für jüdische Wohlfahrtspflege (Wohlfahrtsämter) neu gegründet: Sachsen, Freistaat: Sächsischer Israel. Gemeindeverband, Landeswohlfahrtsstelle Dresden, Zeughausstraße 2. Dresden: Zentralstelle für Wohlfahrtspflege der Israel. Religionsgemeinde Dresden, Zeughausstraße 2. Cassel: Zentralwohlfahrtsstelle der Israel. Gemeinde Cassel, Gemeindehaus, Rosenstraße. Düsseldorf: Wohlfahrtsamt der Synagogengeutein.de Düsseldorf, Kasernenstraße 67 b. Schneidemühl: Jüdische Zentralwohlfahrtsstelle. Schneidemühl, z. H. von Herrn Stadtrat Schneider. In den letzten Wochen hat eine ganze Reihe von Veranstaltungen stattgefunden, welche für den weiteren Ausbau der Organisation der Zentralwohlfahrtsstelle im Lande von Wichtigkeit waren. Da ist zunächst eine Tagung in Breslau vom 15. 10. zu erwähnen, die aus Anlaß des Fürsorgetages, an welchem zahlreiche Mitglieder jüdischer Organisationen sich beteiligten, einberufen wurde. Von der Zentralwohlfahrtsstelle und der Hauptstelle für Wanderfürsorge und Arbeitsnachweiswesen nahmen teil: E. Caspary, Dr. Segall, Fr. Wronsky, Tr. Kohn, Tr. Ollendorff, Tr. Lamm, Rudel, Dr. Kreutzberger. Die Versammlung war außerordentlich gut besucht. Es wurde vor allem die Notwendigkeit der baldigen Schaffung eines Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Niederschlesien besprochen. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, von Breslau aus alle Schritte zu unternehmen, um den Verband in Kürze ins Leben zu rufen. Es wurden ferner die Schaffung eiites Zufluchtsheims für gefährdete Frauen und Mädchen, der Ausbau der Darlehnskasse, die Begründung des Arbeitsnachweises, die Regelung der Wanderfürsorge eingehend behandelt. Die Tagung zeigte das lebhafte Jnterej'se, das in Breslau der Organisation der jüdischen Wohlfahrtspflege entgegengebracht wird und bildet den Ausgangspunkt für die Durchführung einer ganzen Reihe von wichtigen Maßnahmen. Kurze Zeit darauf fand in Frankfurt a. M. die Tagung des Provinzialverbandes für Hessen undHessen-Nassau statt, die sehr zahlreich von den angeschlossenen Gemeinden besucht war. Es sprachen Tr. Segall von der Z.W.St. über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Wohlfahrtspflege und Rudel über die Wanderfürsorge. Auch auf dieser Tagung standen die Organisationsfragen im Mittelpunkt der Verhandlungen. Insbesondere galt es, den Ausbau des Landesverbandes in der Provinz herbeizuführen