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Nachrichtendienst · 1922-12-01 · Heft 3-4 (Dezember 1922) · p. Seite 3

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 3-4 (Dezember 1922)
Date
1922-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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In denjenigen Gemeinden, wo in der letzten Zeit eine Reihe größerer Sammlungen stattgesunden haben, so daß im Augenblick unsere Aktion nicht genügend Aussicht auf Erfolg hat, ist schleunigst mit größter Sorgfalt festzustellen, welche Beträge im Laufe des letzten Jahres für Wohlsahrtszwecke und an welche Stellen sie zur Verteilung gelangt sind. Im Interesse der Stoßkraft der Aktion ist es wünschenswert, daß während der 4—6 Wochen, innerhalb welcher die Sammlung „Jüdische Not" zur Durchführung gelangen soll, Einzelsammlungen möglichst zurückgestellt und eingeschränkt werden. Auf alle Fälle sind öffentliche Sammlungen, d. h. solche, die über einen Kreis privater Förderer von Institutionen hinausgehen, zu vermeiden. Für die Verwendung der gesammelten Gelder gelten folgende allgemeine Richtlinien: Der größte Teil des Ergebnisses dient der Befriedigung der örtlichen Bedürfnisse. Ein gewisser Bruchteil, vielleicht 25 o/o, ist an die Landesverbände für die Erhaltung der notleidenden Landeseinrichtungen abzuführen, die wiederum einen bestimmten Prozentsatz unserer Zentrale für die gesamten Reichsanstalten abführen, d. h. für jene Anstalten, die ohne Rücksicht aus die Landesgrenzen für das ganze Reich bestimmt sind. MM Distribution Committee und Reidjs« moölfaöttsausfdiuß der iüdifdjen gemeinden vemschland;. Das Joint Distribution Committee in Amerika, das bekanntlich seit Jahren eine großzügige Aufbauarbeit in Osteuropa leistet, hat neuerdings den kulturellen und den sozialen Institutionen Deutschlands seine Aufmerksamkeit zugewandt. Einzelnen Zweigen des Wohlfahrtswesens, das vor allem der Fürsorge für ostjüdische Arbeit dient, sind in den letzten Jahren durch den Joint bereits größere .Summen zugeflossen; den Blick aufs Ganze hat der Joint aber erst in der allerjüngsten Zeit gerichtet. Bestimmend hierfür 'waren mehrere Tatsachen, einmal, daß in der Tat die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands, trotz größter Opfer, die von deutschen Juden gebracht werden, vor dem Zusammenbruch stehen, wenn ihnen nicht rasche ausgiebige Hilfe zuteil wird. Sodann sollten den bisher von den verschiedensten Seiten an amerikanische Kreise gelangenden Bittgesuchen endlich einmal ein Ende gemacht werden, da diese Art der Mittelbeschaffung für die amerikanischen Geldgeber unzuträglich und für das deutsche Judentum unwürdig ist. Endlich aber, und darauf ist mit besonderem Nachdruck hinzuweisen, will das amerikanische Judentum, von dem ein nicht unerheblicher Teil aus deutschen Ländern stammt, eingedenk der großen kulturellen Werte, die ihnen das deutsche Judentum im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte gegeben, wenigstens einigermaßen durch materielle Hilfe die Dankesschuld abstatten und das ihrige zur Erhaltung der altehrwürdigen Wohliahrtsinstitutionen beitragen. Die Joint-Spende verfolgt den Zweck, den Wohlfahrtseinrichtungen die Angleichung an die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse zu ermöglichen. Und noch ein zweites ist charakteristisch. Ter Joint will seine Aktwn insofern über den Rahmen der gewöhnlichen Unterstützung herausheben, als er sic einer Stelle überweist, die auch in Amerika als maßgebende Repräsentation des deutschen Judentums angesehen werden kann. Es find dies die ehrwürdigen Gemeinden Deutschlands, aus deren Mitte heraus vor Jahrzehnten Kinder nach Amerika gegangen sind, und die sich jetzt ihrer Heimat in Dankbarkeit erinnern. Es ist daher der Wunsch ausgesprochen worden, daß eine besondere Stelle in Deutschland geschaffen wird, welche das Vertrauen des amerikanischen und des deutschen Judentums genießt, das gesamte Material über die Bedürfnisse der jüdischen Wohlfahrtspflege besitzt, einen gerechten Verteilungsplan aufstellt, die Verwendung der großen Mittel kontrolliert und im dauernden Verkehr mit den Anstalten und Einrichtungen bleibt. Diese Stelle soll der Reichswohlsahrtsausschuß der jüdischen Gemeinden Deutschlands sein, der sich aus Vertretern sämtlicher jüdischen Landesverbände unter der Führung des Preußischen Landesverbandes zusammensetzt. Dieser Körperschaft wird die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden als sachverständiges beratendes und mitbeschließendes Organ angehören. Sie soll gewissermaßen die Exekutive des Reichswohlfahrtsausschusses der jüdischen Gemeinden Deutschlands darstellen, dem in diesem historischen Augenblick diegroße Bedeutung zufällt, den Vermittler zwischen dem deutschen und amerikanischen Judentum zu bilden. Wenngleich der Joint seine Gelder nicht an eine bestimmte Bedingung geknüpft hat, so erwartet er doch als Aequivalent, daß die deutsche Judenheit selbst sich gleichfalls des Ernstes der Situation bewußt bleibt und alle Anstrengungen macht, um auch aus eigenen Kräften das ihrige zur Linderung der Notstände in Deutschland beizutragen. Es ist nicht zu verkennen, daß in den letzten Jahren und insbesondere in den letzten Monaten ungeheure Beträge von den deutschen Juden durch Sammlungen zusammengekommen sind, damit ist aber die Leistungsfähigkeit des deutschen Judentums noch nicht erschöpft. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und, die führenden Persönlichkeiten Deutschlands beschlossen, ungeachtet der Joint-Spende und gewissermaßen in Ergänzung derselben, einen Appell an die deutsche Judenheit zur Durchführung einer großzügigen Sammlung „Jüdische Not" zu erlassen und sie trifft die Vorbereitungen gemeinsam mit dem Reichswohlfahrtsausschuß der jüdischen Gemeinden Deutschlands, um die Aktion mit größter Energie und Stoßkraft durchzuführen. Möge das Beispiel, das der Joint der deutschen Judenheit gegeben, anseuernd wirken und dazu beitragen, daß die Sammlung in Deutschland den Erfolg zeitigt, der im Interesse der Wohlfahrtspflege durchaus zu erwünschen ist. ZentralwoMatzrkllelle der ücmfchcn Juden. 0efd)äftsfteUe: Berlin C.2, Rofentfraße 2/4. Organisation. Dr. S. Grombacher. Am Freitag, dem 24. November 1922 wurde uns unser Leiter Herr Dr. Sußmann Grombacher im Alter von 51 Jahren jäh durch den Tod entrissen. Sein aus einem gütigen Herzen und reichstem Wissen strömendes tiefes soziales Verständnis, die Vornehmheit und Milde seines Wesens, sein stets nur auf die Sache gerichteter Blick werden bei allen unvergeßlich bleiben, die mit ihm Zusammenarbeiten dursten. Wir werden alles daran setzen, um das Werk, dem er niit seiner ganzen Persönlichkeit in hingcbendstcr Treue gedient hat, in seinem Geiste fortzuführen und auszubauen. Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, Frankfurt a. M. Landesverband für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau. Nicht nur die Zentrale Frankfurt a. M.,' sondern auch die ganze jüdische Wohlfahrtspflege hat durch den Tod von Herrn Dr. Grombacher, der sich mit seiner ganzen Persönlichkeit für die jüdisch-soziale Arbeit einsetzte, e-nen empfindlichen Verlust erlitten. Am 17. Dezember 1922 fand die erste Sitzung des Sozialen Ausschusses Bielefeld statt. Dem Bericht über dieselbe entnehmen wir, daß Herr Dr. Kronheim und .Herr Dr. Katzenstein den Vorsitz übernommen haben. Als Grundlage für die Tätigkeit wurden die Richtlinien angenommen, die wir in Nr. 2 des Nachrichtendienstes veröffentlicht haben. Beabsichtigt ist, in den größeren Gemeinden, deren Vereine sichmit Wohlfahrtspflege befassen, Ortsausschüsse zu bilden. Der Soziale Ausschuß, Hat als erste Aufgabe im 3

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