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Nachrichtendienst · 1922-11-01 · Heft 2 (November 1922) · p. Seite 6

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 2 (November 1922)
Date
1922-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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pflanzen uiiö Der Erhaturng ber jübijajcn Volksschule zu bienc.ii, Der .Hauptzweck der Anregung zu kurz kommt, liegt ans der Hand. Wir haben uns Daher genötigt gescheit, iu einem nochmalkgen Auftus Daraus hiuzuwei;eu, baß es Darauf anfommi, sowohl Knaben ruie MäDchen auszuuehmeu uub baß die Altersgrenze möglichst schon mir Dem 2. Lebensjahre zu beginnen.Hai. b) Die in den jüdischen Gemeinben unternommene 'N o t - ft a it b <5 a r i i o 11 für Die jüdischen Gemeinbe - De am teil hat bisher ein klägliches Ergebnis gehabt, bas webec zu der höhe des OkotstandeS, noch zu Der Bedeutung der Ange.egenheit, die für die Erhaltung des Judentums von großer Tragweite ist, in irgend einem Verhältnis steht. Es sind insgesamt 71500,--- Mk. ein gegangen, vo>n denen allein 25 000, - Vit. von einem Berliner Wohltäter herrühren. Nur in einigen Ge meinben hat^sich Die für eine wirksame Propaganda erforderliche 'persönliche Unterstützung gefunhen, an Den wenigen kleinen Plätzen, wo dies der Fall war, liegen schöne Resultate vor. Außerdem haben verschiedene Gemeinden einmalige Bewilligungen ausgesprochen. Biele Gemeinden begründen ihren absch täglichen Bescheid mir dem .Hinweis aus territoriale Sammlungen für den gleichen Zweck. Starke Zurückhaltung hat die überwicgende Mehrheit der zu propagandistischer Mitarbeit ausgerusenen jüdischen Beamtenschaft ausgeübt. Wenn .auch diese Scheu in Angelegenheit des eigenen, um die rechtliche Anerkennung feiner Ansprache ringenden Standes tvohl verständlich ist, so ist sie doch im Interesse einer, wenn auch vorübergehenden Linderung der Not, besonders auch der Altpensionäre und Witwen, sehr zu beklagen, r) Die Gründung eines Tauerheims für A ch w a ch - sinnige begegnet nach wie vor bei den Interessenten der -lebhaftesten Teilnahme; die vorhandenen Mittel reichen aber zurzeit uoch bei weitem nicht hin, um bei der jetzigen Teuerung an ein so kostspieliges Unternehmen praktisch heranzutreten. Der langjährige Vorsitzende der F ü r sorge- Xi o m m i s s i o n des Gemeindebundes, .Herr Lberstudienrat Pro fessor Dr M. Schaeser, der die beiden Fürsorge An stallen des D.J.G.B„ diejenigen für .Knaben in Üi e p z i n und die für Mädchen in Köpenick, seit deren Begründung durch zwei Jahrzehttte mit dem ganzen Einsatz seiner reichen pädagogischen Erfahrung und seiner unermüdlichen Arbeitskraft geleitet hat, hat am 1. Oktober aus AUersrückftchten sein Amt niedergelegt, er wird aber weiterhin als Vorstandsmitglied der Kommission seine Mitarbeit widmen. Als 'Nach solger ist .Herr Emil Fraenkel gewonnen worden, der als langjähriges Mitglied der Waisenkommission der Ber liner Jüdischen Gemeinde mit den einschlägigen Ausgaben bekannt ist. Eine der ersten 'Ausgaben, des neuen Vorsitzenden wird e-s sein, für die durch die herrschende Teuerung uot wendig gewordene Steigerung der Einnahinen beider An stallen zu sorgen. Die Israelitische ErziehnngSanstatr für geistig zurück gebliebene Kinder in Beelitz, di? sich nach wie vor eines lebhaften Zuspruches erfreut, befindet sich gleichja.is in sin an ziel!er Bedrängnis, zu deren Behebung eine Propaganda im Gange ist, die namentlich in -Logenkreisen sehr erfreuliche Ergebnisse auszuweisen hat. * Die Nachrichten' des Arbeitersürsorgeamtes der jüdischen Organisationen für Deutschlaud erscheinen in der nächsten Nummer. InlfSDerati der ücuMen Jude«. Bericht über die Tage der Juden in Südrußland. Oflis, ßafeu, Rostow. Der H i l s s v e r r i u d e r d.e u t sch e u I u d e u , der seine Hilsstätigkeit in Rußland stets aus F-eststellnngen au Ort und Stelle und in Fühlungnahme mit der lokalen jüdischen Bevölkerung zu stützen sucht, hat einen Delegierten zur Berichterstattung über die derzeitigen Verhältnisse in den russischen Notstandsgebieten entsandt. Der erste eingegangene Bericht enthält Mitteilungen über die Inden in Gegenden, die nicht zum eigentlichen Hungergebiet gehören und über die bisher sehr wenig bekannt geworden 'st. Da Angaben über d-e Lage der russischen Juden für d-e jüdische Oessentlichkeit von hohem Interesse sein dürfteii, geben w-r nachstehend einen kurzen Auszug ans dem vorl-egenden Material. TAflis: Wie in allen außerhalb des Ansiedlnngsrayons liegenden Städten war die jüdische Bevölkerung vor dem Kriege dort relativ wenig zahlreich und wohlhabend. Während des Krieges und in den Revolutionszeiten ist dann eiue Anzahl Familien ans Jnnerrußland hinzugekommen, die sich in Tiflis bleibend niedergelassen haben. Die Juden heit in Tiflis zerfällt in verschiedene Teile: persische Juden (sehr wenige), ^grusinische Juden (sehr zahlreich, etwa 500 Familien z. et. wohlhabend), gorsker Juden (Bergjnden) weniger zahlreich, russische Juden (europäische) ca. 1200 Familien. Eine direkte Notlage besteht unter den Inden von Tiflis — wie überhaupt im ganzen Kaukasnsgebiet glück licherweise nicht. Die jüdischen Institutionen wie Apotheke, Altersheim, .Krankenhaus wurden seiner Zeit nationalisiert, jetzt denkt man daran, einzelne dieser Anstalten znrückzngeben, doch kann die Gemeinde vorläufig keine wieder übernehmen, da die Mittel, sie zu unterhalten, nicht vorhanden sind. Die Unterstützungsbedürftigen teilen sich in 3 .Kaie gorien: 1. Flüchtlinge ans Jnnerrußland und der Krim (in der letzten Zeit kaum mehr vorhanden), 2. Ortsarme (verarmte früher Besitzende), 3. Durchreisende Eini grauten. Es besteht ein Hilsskomitee, das im April d. I. legalisiert wurde. Jüdische Schulen gibt es 3 in Tiflis, vvn ihnen 2 für europäische Inden, eine für grusinische; jede Schule zählt etwa 200 Schüler. Eine Leihkasse in Tiflis würde gute Dienste leisten. Aus Informationen, die unser -Delegierter in Tiflis erhielt, geht hervor, daß von den persischen Inden ins besondere die in der Gegend von Urmia in schwerer Be drängnis sind. In Teheran soll es vor etwa > j Jahr zu einer Art. Pogrom gekommen sein. Baku: Die jüdische Bevölkerung vvn Baku umfaßt jetzt, nachdem im Kriege uuo später eiue Anzahl russischer Juden eingewaudert sind, rund 30 000. Die Begründung eines Hilfskomitees für Arme und Flüchtlinge ist bisher nicht zustande gekommen, da die verschiedenen Parteirich tungeu sich über die Organisation noch nicht geeinigt haben. Ein besonderer Notstand eristiert übrigens in Baku nicht; für auswärtige .Hilfstätigkeit feinte höchstens einegewisse Hilfe für .Kinder, die sich insbesondere ans Bekleidung zu erstrecken hätte, in Frage. Biel schwieriger gölten die Verhältnisse bei den Ta ghestaner Berginden liegen (südlicher .Hanptort Kuba.) Insbesondere in kultureller Hinsicht ist Dort noch sehr viel zu tun. Rostow am Don: In Rostow besteht ein parteiloses .Komitee, das -die Arbeit für die vorhandenen HilsSbe dürftigen gut organisiert hat. Vor dem .Kriege waren dort mir ettva 15 000 Juden; heute solteu ca. 50 000 dort ansässig sein. Ans 3 Teilen Rußlands, Litauen (bes. tsmorgon), Ukraine, .Krim sind Flüchtlinge nach Rostow gekommen. Es besteht ein „Jüdisches Selbsthilsskomitee für die .Huiigcrteidenben des Dongebietesch das gut und lebendig arbeitet. Die Beziehungen ziir Regierung sind gute, die Regierung kommt i» jeder Weise durch Bereitstellung von Räumen etc. - zu.Hilfe. In. Rostvlv, das auch nicht zum .Hungergebiet gehört, handelt es sich mehr um die Frage des Wiederaufbaues und der Befestigung des allgemeinen und damit auch des jüdischen Wirtschaftslebens. Registriert wurden etwa 500 hilfsbedürftige Familien. In rationeller Weise wird Hilfe durch einige neu geschasseue Institutionell und Gewährung vom Unterstützungen geleistet. Im einzelnen hat sich die Arbeit des Komitees ans die folgenden Gebiete erstreckt: 6

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