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Nachrichtendienst · 1922-10-01 · Heft 1 (Oktober 1922) · p. Seite 7

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1922-1923
Issue
Heft 1 (Oktober 1922)
Date
1922-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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durch -ins 2 vmpathie - K undgcb u u g des J.F.B. für dir j il d. ft r n u c ii D b c r [ dj (c ) i r u 6 am Abend dcS 1Scvrember in Beiithen. I5in Protokollanszng der Vorstandösttziulg wird bm Dtläoruppeit, Landesunb Provinzialverbänden flcfaiibt. lieber die Breslauer Tagung geht uns von der dortigen Ortsgruppe folgender Bericht zu: * Am Montag Abend fand ein B c g r ü ß u n g s a b c n d in der Lcssinglogc statt. ran Beate (M u 11 m a n n , die Vorsitzende der Brcslaue,. Ortsgruppe, begrüßte die Anwesenden. Dann brachte Herr Waldstein die Wünsche des Vorstandes und des Nepräsentantenkolleginms der Breslauer Synagogengemeinde zum Ausdruck. Rabbiner Dr. V o g c l st c i n , Dr. L e w k o w i tz und Rabbiner Dr. 5) o f f - m a n n betonten das echt soziale Wirken des Frauenbundes. Am ersten Arbeitstage schilderte Bettina Brenner-Leipzig die Ausgaben und Ziele des Bundes und seiner Unterorganisationcn. Die anschließende Anssprache wendete sich hauptsächlich dem Heim in Neu-Isenburg bei Frankfurt a. M. zu, das seine segensreiche Tätigkeit auf die gefährdete weibliche Jugend des ganzen Reiches erstreckt und schon vielen Mädchen wie auch Kleinkindern Hilfe und Rettung gebracht hat. Fräulein Werner-Hamburg machte Mitteilung über das Heim in Wyk os Föhr, das für tuberkulös gefährdete Kinder bestimmt ist. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung berichtet Hanuah K a r m i n s k i über die Aufgaben der Landes- und Provinzialverbändc des Bundes, was zur Gründung eines Provinzialvcrbandes für Schlesien und Oberschlesien führte. Dem neu gegründeten Provinzialverband lag sofort ein Antrag vor, die Patenschaft für den jüdischen Kriegerfriedhof in Pctrikau (Polen) zu übernehmen, der Annahme fand. Außerdem wird er sich sofort der Altcrshilfe annehmen durch Schaffung eines Altersheims, für das in Liegnitz von dem dortigen Verein bereits ein Haus erworben und ein bei den gegenwärtigen Verhältnissen allerdings nicht ausreichender Fonds gesammelt ist. Die Nachmittagsfitzung brachte zuerst die einstimmige Annahme einer Entschließung betr. Beteiligung an der technischen Nothilfe und dann einen Vortrag der Frau Martha Ollendorff-Berlin über „Die Stellung der Frau zu dem Landesverband der preußischen Synagogcn- Gemeinde". Die sehr eingehende Aussprache, an der sich auch die Rabbiner Dr. Vogclstein und Dr. Sänger in frauensrcuudlichem Sinne beteiligten, führte zur Annahme nachstehender Entschließung: „2?. ^jamtverband des J.F.B., die Ortsgruppe Breslau des J.F.B. und der Provinzialverband Schlesien und Oberschlesien des J.F.B. richten an alle Ortsgruppen und angcschlossenen Vereine die lebhafte Mahnung, neuerdings energisch in die Arbeit einzutrcten, die den jüdischen Frauen Sitz und tSimme im Landesverband sowie das aktive und passive Wahlrecht in der Gemeinde bringt." Die Versammlung weist darauf hin, daß das veraltete Judengesetz vom Jahre 1847 alsbald seine — auch heute mir fiktive Wirkung — offiziell verlieren wird, und daß die Mitarbeit der Frau in der Gemeinde auch für die orthodoxen Bedürfnisse derselben von höchster Bedeutung sein wird. Am Abend fand eine öffentliche Versammlung statt. Klementine Krämer-München brachte Ausführungen über „Kultur und Lebensführung" und kam zu dem Schlüsse, daß die Frauen als die eigentlichen Kulturträgerinnen berufen sind, den Kampf gegen die durch die Kriegszcit hcrvorgerufene Ehrsurchtlosigkeit aufzunehmen aus Ehrfurcht vor den Menschen und so zu helfen, eine bessere wahrhaft kultivierte Zeit heraufzuführen. Schließlich sprach Bertha Pappenheim über die jüdische Frau in der deutschen F r a u e n b e w e g u n g. Sic zeigte an dem Beispiel von fünf hervorragenden Frauen (Lina Morgenstern, Jeanette Schwerin, Henriette Goldschmidt, Alice Salomon und Josephinc Levy-Rathenau), wie sic ihre sozialen Ideen und die dem Judentum eigene Organisationsfähigkcit in den Dienst der Frauenbewegung gestellt haben und, obwohl laue Jüdinnen, Großes geleistet haben für die Sache, der sie sich gewidmet haben. Wenn die Männer fernerhin den Frauen nicht den Platz einräumen würden, wo sie sich auswirken können, dann werden sie auch in Zukunft dorthin gehen, wo man ihre Kultur und Kraft willkommen heißt. Das sei eine ernste Mahnung. Zn Benthen versammelten sich am Abend des 14. September eine zah'reiche Zuhörerschaft um die Vertreterinnen des Vorstandes und der Ortsgruppe Breslau. Cs sprachen: F r a u P a u I n O l l e u ovess - Breslau von der Vnndesidee, und wie sich dieselbe in der sozialen Arbeit verwirklicht. Frau Martha O l l c n d o r s s - B c r! i n über die Bedeutung der Mitarbeit der Frau in der Jüdischen Gemeinde. Fräulein Bertha P a p p c n h e i m bat die Frauen Oberschleiicns, denen, die jetzt jenseits der Grenze Deutsche lands sind, von den Kultnrausgaben des J.F.B. zu sagen. Die Hand sollten sic denen hinüberreichen, die jetzt durch äußere Grenzen abgetrennt sind, mit denen sie sich dennoch verbunden fühlen aus dem Gefühl der Sympathie, das leine „Grenze" kennt. Gemeinsam gilt es die Werte des Frauentums, Deutschtums und Judentums zu hüten und zu verteidigen gegen alle Feinde, die diese Kulturgüter bedrohen. Die Teilnehmerinnen hatten am nächste^ Vormittage Gelegenheit, das in jeder Hinsicht interessante und musierhaft geführte Kinder- und Siechenheim, „der Friedenshort" der Gräfin Eva von Thicle-Winkler, in Micchowitz zu besichtigen. Eine Nachmittagssitznng mit den Vertre'ecinnen der jüdischen Frauenvercine ließ die besonderen Ausgaben der Bcnlhencr Vereine —. die ihre eigene Bedeutung durch die Lage an der -Grenze haben — klarer erkennen und festigte die Bindung zum Jüdischen Frauenbund. .1. Allgemeine Frauenbewegung. Wir weisen nochmals auf das „N a ch r i ch t c n b l a t t des Bundes deutscher Frauenvercine" (zu beziehen durch Frau Alice Vensheimer, Mannheim, L. 12,!<8. Bezugspreis bei 20maligcm Erscheinen M a r k 3 0, —- jährlich) hin, das über die Tagessragen aus der Frauenbetvegnng laufend unterrichtet. Allgemeine Aufsätze ans diesem Gebiet bringt die Monatsschrift „Die Fra n" (hcransgegebcn von Helene Lange, Gertrud Bäumer; Preis vierteljährlich Mark 20,—. Verlag He.rbig). Besonderes Interesse für unsere jüdische Frauenarbeit dürsten die Abhandlungen über „Weibliches Priestertum" Hervorrufen, die in den letzten Nummern der Frau erschienen sind. Sie beleuchten das Thema vom katholischen Standpunkt (Standpunkt der Frauen und der Geistlichkeit) aus. Vielleicht ist es möglich, eine Zusammenfassung der dort behandelnden Fragen und Ideen in einer der nächsten Nummern unseres Nachrichtenblattes zu bringen. II. Aus der Jugendbewegung. Aus der Gesamtvorstandssitzung des Verbandes der jüdischen Jugendvereinc Deutschlands am 17. 9. in Berlin wurde der jüdische Frauenbund durch H. Karminski vertreten. Die Tagesordnung enthielt Vorträge über B i l d u n g s a r b e i t (Referent: Dr. Löffler, Frankfurt a. M.), geselligen Veranstaltungen (Referentin: Elsa Herschel, Jena), soziale Arbeit (Reserentin: Hannah Karminski, z. Zt. Frankfurt a. M.) in den Jngendvereincn. Die Leitsätze dreier Referate werden in der nächsten Nummer der „Jüdischen Blätter" (zu beziehen durch den „Verlag der Jüdischen Blätter", Köln, Lochnestr. 18) veröffentlicht. Es wurde beschlossen innerhalb des Verbandes: a) ein Palästina-Dezernat zu errichten, daß alte am Aufbau des jüdischen Palästina berührenden Fragen bearbeitet; b) eine Kommission einzusetzen, die die jüdisch-soziale Nor Deutschlands den Verbandsmitgliedern nahebringen und versuchen soll, Wege zur sozialen Mitarbeit für die Jugendvereine zu sinden.. Zum Besten des Nen-Jsenburger Frauenbundes und zum Nutzen der hiesigen Einrichtungen, insbesondere des Mädchenklubs und -Wohnheims hatte die Berliner Ortsgruppe am Sonntag, dem 10. September, Große und Kinder nach Nikolassee in die Villa Kirchstcin eingeladcn. . Den Erwachsenen wurde von Herrn Sally Kirchstein seine reiche, hochinteressante Sammlung jüdischer Kultur- und Kunstdcnkmäler gezeigt. Indessen unterhielt Fräulein Dresdner die Kinder mit Spielen im Freien und Frau Johanna Meyer führte sie ins Märchenland. Daneben sei aber die erfreuliche Tatsache erwähnt, daß unseren Zwecken ein nicht unbeträchtlicher Erlös zugesührt werden könnte. 7

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