Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 4 (15.2.1867)
- Date
- 1867-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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107 sehen; Sprache., auf welche sie ein neues Licht wirft, und als Depositär der besten Werke, welche der Rabbinism jemals zu Tage gefördert hat (Cahen-s Bibel 9, 74, 75)." Dieser Herzenserguss eines edlen Denkers macht einen eigentümlichen Eindruck in einem Lande, wo eine grosse Schaar von Rabbinen noch vor Kurzem, also beinahe dreissig Jahre, nachdem Munk die angeführten Worte niedergeschrieben, die exklusive und daher unwissenschaftliche Beschäftigung mit dem Talmud als das ausschliesslich berechtigte Studium der jüd. Theologie unter die Protektion der Regierung stellte , und diese verblendet genug war, den Fanatismus zu protegiren! Doch -- lasset uns die Trauer um den Vollendeten nicht durch die Erinnerung an ein Treiben entweihen, dessen Urheber von einer kulturwürdigen Existenz kaum einen Begriff zu haben scheinen. Dem Fortschritte kann durch den verzweifelten Kampf der Bornirtheit 1md; der Reaktion kein Damm gesetzt werden. Unser Munk, der der jüdisch - theologischen Wissenschaft viel zu früh entrissen würde, repräsentirt diesen Fortschritt durch seinen Bildungs- und Lebensgang auf eine höchst eklatante Weise. Er war bereits zwanzig Jahre alt, als er in Berlin in die Tertia aufgenommen wurde. Gans, der ihn vorbereitet hatte, hielt ihn zwar für die Prima reif,‘ wozu sich jedoch bei der Prüfung seine Kenntnis8 cler klassischen Sprachen nicht zulänglihh erwies. Seiner ersten Erziehung hat noch der im Ghetto hefr- Sehende Geist ihre Richtung gegeben. Gering war sein Anfang, doch sein Ende herrlich und gross (Job. 8, 7). Der unerbittliche Tod fand den einstmaligen Zögling des Glogauer Ghetto als membre de!'Institut, als Professor am College de ־France, als Gelehrten von europäischem Rufe. So hoch flogen wol die Hoffnungen des jungen Mannes nicht, als er 1830 seinem noch unduldsamen deutschen 'Geburtslande den Rücken kehrte, um in Frankreich, das sich längst von mittelalterlicher Unduldsamkeit emanzipift hatte, ein wahres Vaterland zu finden. Aber nicht nur der äussere, auch der innere Erfolg seines rastlosen Forschens und Suchens scheint Munk’s bescheidene Erwartungen übertroffen zu haben. Jahre lang trug er sich mit dem Gedanken herum, eine arabisch-rabbiniscke Chrestomathie herauszugeben. Dieser Plan kam nicht zur Ausführung, weil er von wichtigeren und umfassenderen literärischen Arbeiten in den Hintergrund gedrängt wurde, die Munk’s vieljähfiges Studium der mittelalterlichen Filosofie nach ihren Quellen und ihrer Entwickelung zur Reife brachte. Mit Sprach- Studien vielfach beschäftiget und als Bibliothekar eine Masse von Büchern und Manuskripten durchstöberud, liebte er es dennoch, sich in spekulative Materien zu vertiefen, und die filosofischen Versuche vergangener Jahrhunderte zu reproduzireü. Er verdolmetscht ihre Gedanken •mit durchsichtiger Klarheit, und die Eleganz seiner französischen Prosa wird auch von französischen Schrift- Stellern ersten Ranges anerkannt. *! ’ 108 Munks brillanteste literarische That fällt in das Jahr 1846; sie betrifft den Filosofen Avicebron. Ritter hatte nämlich die Geschichte der arabisehen Filosofie mit einigen wegwerfenden Bemerkungen über die Juden geschlossen. Diesen Bemerkungen mit besonderer Rücksicht auf Maimönides entgegentretend, sagt Munk: ״Wie dem auch sei, so wird Ritter seine Behauptung zurücknehmen müssen, wenn wir ihm beweisen, dass er, ohne es zu wissen, ,gerade einen Juden als dön 01’iginellsten Denker der arabischen Periode hervorhebt, der uns eine *Seite der aristotelischen Lehre Zeige, welche sonst nirgends so deutlich heraustritt. Denn der räthselhafte Avicebron, wie Ritter sich ausdrückt, dessen Zelt noch nicht ausgemittelt ist, über dessen Namen sogar Zweifel herrschen und dessen Schrift, die Quelle des Lej bens, von den Theologen des dreizghnten Jahrhunderts fleissig gelesen wurde, ist kein anderer, als der berühmte jüdische Dichter und Filosof Salomo Ihn Gebirol aus Malaga, der in der zweiten Hälfte des eilften Jahrhunderts blühte.“ (L. Bl. 7, 722). Ritter hat in Folge der Enthüllungen Munks seine früheren Behauptungen wirklieh widerrufen, und bei dieser Gelegenheit erklärt, dass ihn die Entdeckung Munks von seinem frühem Irrthume in Ansehung des Einflusses der jüdischen Filosofen des Mittelalters gänzlich befreit hat (GötC gel. Anz. vofn 17. April 1847. Melange de philos. 154). % Die grösste Schöpfung der literärischen Thätigkeit des bereits erblindeten Forschers ist der Moreh, den das Haus Rothschild mit seltener Munifizenz ausstatten liess: ein des grossen Maimönides würdiges Denkmal! Wie dieses Werk von den französischen Filosofen aufgenommen wurde, beweisen die Worte Saissets in der ״Revue des Deux-Mondes“ vom 15. Jäner 1862: ״Herr Munk beschenkt uns mit dem vorzüglichsten Monumente der jüdischen Filosofie,' dem Führer der Verirrten, in schöner und guter französischer Sprache Fortan können wir den Maimönides mit um so grösserer Leichtigkeit lesen, als wir einen fortlaufenden Kommentar vor uns finden, der uns bei jedem Schritte unterstützt und führt.“ Auch Franck liess im ״Journal des Savants“ April 1863 der Arbeit Munk’s alle Gerechtigkeit widerfahren; nur meinte er, hätte der Uebersetzer, um seinem Werke das Siegel der Vollendung aufzudrücken, mit grösserer Freiheit vergehen sollen. Diese Ausstellung gibt Munk Gelegenheit, zvi zeigen, welcher Skrupulosität sich der Uebersetzer arabischer Filosofen. befleissen müsse, und z. B. nicht, wie Frank empfahl, Immaterialität für Unkörperlichkeit setzen dürfe, da diese Begriffe im Sinne mancher Filosofen, wie in dem Ihn Gebirols, nicht kongrüiren. Saisset und Franck beurteilten den Moreh vom Standpunkte der Geschichte der Filosofie. Von grösserer Wichtigkeit, als für diese, ist, derselbe für die jüdische Religionsfilosofie, die jüdische Dogmengeschichte und für die Geschichte der Schriftauslegung. Die von Munk in den Vorreden gegebenen Uebersickten des Gesummt-