Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 10 (1867)
- Issue
- 2 (15.1.1867)
- Date
- 1867-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542917-2543273-2543276--5142-2549175- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
35 den Juden des XIX. Jahrhunderts? Wenn Jesus Christus in unserer Mitte auf der Erde erscheinen würde, wer von uns würde ihn mit dem Rufe verfolgen: eruoiügk eum, erueiüge 6um, kreuziget ihn! Wer von uns würde ihn verhindern, die Moral der Bergpredigt zu verkünden? Sie merken wol, ich spreche vom Standpunkte menschlicher Begriffe. Wollte ich von religiösem Standpunkte, d. h. den Christen, die uns anklagen, in ihrer Sprache entgegnen, welche Antwort würden sie wol auf folgende sehr einfache Fragen geben? „Von aller Ewigkeit her hat Gott den Entschluß gefaßt, Euch durch seinen Tod zu erlösen, Euch durch sein Blut zu sühnen; festgesetzt hatte er Tag und Stunde deS erhabenen Opfers; ja bestimmt, wer seine Ankläger, wer seine Richter, wer die Vollstrecker des Urtheiles sein sollen. Wie hätten sich nun diese Personen dem unerbittlichen Gesetze entziehen können? Gott wollte den Tod erleiden, sein Tod sollte die große Sühne'der Sünden der Welt werden, Euch die Pforten des Himmelreiches öffnen! Was ist nun der Grund Eurer unmenschlichen Wuth gegen die Juden? Ein Wort, - -ein ''Zeicheü''Äotte's"und-Alles wäre auf das Knie gefallen! Doch nei::-/ ble Religion des ChristenthumS mußte ja vom Kreuze entstehen^'nennet Ihr ja doch selbst das Kreuz das ^Zeichen der Erlösung!" '' ' „Und wenn nicht die religiösen Vorurtheile die furcht-! barsten Md'^^ was wollet Ihr von uns, die wW durch sind von diesem großen Vorfall, die wir fremd sind den Leiden , die der- Aufruhr, die . Anklage, das Urtheil, die Strafe hervorgerufen, hat? Jawöl! Wahnsinn ist es, wenn Ihr Euer -'blutiges Work: „Ihr hab t 'Gott ' g ekreüzigt" gegen uns schlendert (anhaltender Beifall)." ' Ja, ich spreche es auS vor den Christen, die sich in diesem Kreise eingefunden haben. In -diesem Augenblicke spreche ich vom christlichen Standpunkte: Jesus ist Gott, das Kreuz ist das göttliche Symbol. Diese Religion, die sich auf so auffallende Weise verbreitet hat, dieser Kultus, dem man sich mit so vielem Prunke hingibt und der einleuchtender < Weise sich mit Pietät dem erlösenden Kreuze zuwendet — ' sie sind ' begründet worden durch den Tod Christus. Der Tod Jesus bedeutet für die Welt die Erlösung von der Erbsünde/das ewige Licht für alle jene, die ihre Laufbahn 'hier auf Erden beschließen. Lt lux pvrMua lueent eis! Und diesem Tode, der nichts anderes bedeutet, als das . '-Wunder 'der Auferstehung, nichts anderes, als Eure Erlösung,-für Eure Seele die Unsterblichkeit, —diesem Tode ent- - ziehet Ihr das Wunderbare durch Eure unerhörten Verfolgungen, mit denen Ihr nun das siebenzigste Geschlecht heimsucht. Ach! wie oft hat die Filosofie der Liebe die Worte der zehn Gebote getadelt: „ich ahnde die Sünden der Väter . am dritten und vierten Geschlecht." Die Gelehrzen in Israel 'haben die Nothwendigkeit gefühlt, die Tragweite dieser Worte zu erklären, und sie haben darauf hingewiesen', daß zwar Gott das ihn hassende Geschlecht straft/ daß aber der göttliche Zorn nur daS vierte Geschlecht trifft. Aber Euer Zorn hat kein Ende und dauert ewiglich! Meine Herren! -- ^36 lassen wir keine Gelegenheit vorübergehen , gegen diese eni^ PöreNde, ungerechte Anklage zu protestiren. Ich habe dagegen protestirt vor der Majorität der konstttNirenden Kammer in Bukarest, die mich so freundlich aufgenommen hat, daß nur eine furchtbare Erneute die Ausführung ihres Beschlusses verhindern konnte; ich protestier dagegen hier im Namen unserer Glaubensbrüder auf der ganzen Welt. Nein, nein, wir haben Jesüm Christum nicht gekreuzigt! (Redner wird durch lang anhaltenden Beifall unterbrochen). Ach! wenn unsere Religion, die alle andern überdauert, und die keine wankend machen konnte, wenn unsere Religion — daS Werk Gottes, den ja auch die Christen anbeten, ein Band bildet, daS die Juden aller Jahrhunderte seit M Offenbarung am Sinai verbindet; so bleibst du unS ein uuvertilgbares Andenken, Jerusalem, lange Zeit, gebenedeite Stadt! Doch unser Vaterland ist ja Frankreich , unser geliebtes, ruhmbedecktes Frankreich, Frankreich, das uns unter allen Nationen zuerst mit seinen übrigen Glaubensgenossen gleichgestellt hat. Angebetetes Frankreich! (lang anhaltender Beifall), du, daS du die Welt regenerirt hast, indem du dir die heiligen und edlen Prinzipien der. Filosofie des XVIII. Jahrhunderts aneignetest; du, das der Ruhm seiner unsterblichen Geister bedeckt, die mit den mächtigen Strahlen ihres Lichtes ' unaufhaltsam Aufklärung cherbreireten;^-duP'däs''in seinen Gesetzen den erhabendsten- Inspirationen,'folgtest-;.-du, das an die Spitze der Menschenrechte die Freiheit, die Gleichheit der Kulte gesetzt hast — : angebetetes Frankreich, wir sind deine ergebensten Kinder; Eure Familie ist a^uch unsere Familie! Christen Frankreichs > wir sind -Eure ^Brüder! -In unserer Brüderlichkeit schwindet pnd verliert sich jeder »religiöse Haß, der ja nicht mehr in unsere Zeit paßt. Wer wagte es den Katholiken unserer Zeit vorzuwerfen: ihrseid verantwortlich für die Gräuel der Bartolomäusnacht!-Und" doch stammen diese ungeheuerlichem Verbrechen des katholischen Fanatismus von gestern. Wer wagte es, den Juden unserer Tage, also nach achtzehn Jahrhunderten, vorzuwerfemr' ihr habt Jesnm Christum gekreuzigt?-! (Beifall). '' Ach, wol weiß ich, daß die Jahrhunderte überdauernden Vorurtheile nicht über Nacht verschwinden. Noch bedürfen wir der unerschütterlichsten Geduld und dev Jüngste unter uns wird wahrscheinlich noch seufzen, wenn er die unbarmherzigen Verfolgungen , die in manchen Gegenden unsere Glaubensgenossen treffen werden, vernehmen wird; selbst in Frankreich taucht das längst entschwundene Uebel von Zeit zu Zeit schwach glimmend auf. Doch die religiöse Verfolgung hatte ihre Zeit; die zivilisirten Länder haben diese Zeit zurückgelegt und die Zivilisation nimmt von Tag zu Tag an Ausbreitung zu. Mit jedem Schritte, den die Gesittung vorwärts macht, fällt ein Vorurtheil: Blicket auf Rumänien hin, dieses Land enthält so viele Elemente des Fortschrittes — haben doch fünfunddreißig Jünglinge in edler Aufwallung gegen den Fanatismus Protest erhoben! — daß der Tag nicht mehr ferne sein kann/ an welchem den Israeliten ihre bürgerlichen und politischen Rechte Nicht mehr vorenthalten sein werden; Bürgschaft dafür ist Mib'das Wort des Fürsten und die edle Gesinnung der-SyNchathie, >.'! i.'.Ul