Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1866-11-01 · 40 (1.11.1866) · page 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
40 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2542917-2543175-2543215--5057-2549109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

131 132 Literatur. Pest- und Oolegcnlicits-Pi'cdiglcii von Dr. Wilheim Kl em per er, Rabbiner der Synagögengemeinde zu Landsberg a. d. W. I. Band. Breslau, 1866. Schletter’scbe Buchhandlung (H. Skutsch) 8. 210. Besprochen von L. J-8 in A-d. Es ist sicher eine erfreuliche Ersehe!- nung, wenn wir bei der materiellen Richtung und engherzigen Berechnung unserer Zeit dennoch auf ein zwar geringes, aber desto gewichtigeres Häuflein junger strebsamer Glaubensgenossen stossen, die meistens unter Sichauferlegung der grössten Entbehrungen und schwersten Opfer sich dem ebenso dornenvollen als heiligen Berufe jüdischer Seelsorge widmen, und es gehört wahrlich bei der noch immer karg zugemessenen Aussicht auf eine nur halbwegs günstige Stelle und einen selbst höchst!bescheidenen Wirkungskreis kein geringer Muth und keine geringe Kraft und Ausdauer zu einer solchen Berufswahl, die sich aber auch nur einzig und allein durch einen unwiderstehlichen innern Drang und glühenden Eifer, für die heilige Sache unseres Glaubens zu wirken, erklären lässt. Darum können wir es auch nicht unterlassen, wo wir der Erscheinung einer solchen Hingebung und freudi gen Opferwilligkeit begegnen-, dieselbe mit wahrhafter Freude und innigster Befriedigung zu begrtissen. Den günstigen Resultaten einer solchen warmen Hingebung für den einmal gewählten Beruf begegnen wir auch in dem uns vorliegenden 1. Bande der Predigten, als den geistigen Produkten, rabbinischer Wirksamkeit des Herrn Dr. Klemperer, die nicht nur von einem höchst, fruchtbaren rührigen Geiste und einer aherkennungswertlien homiletischen Begabung ihres Verfassers das schönste Zeugniss ablegen, sondern auch, was an denselben noch mehr zu würdigen ist, dass sie in dem Leser die Heberzeugung erwecken, dass die Worte, die der Redner an seine Zuhörer gerichtet, einem innern, von seinem heiligen Berufe tief durchdrungenen underglühten Herzen entquollen, dass die Lehren und Ermahnungen an geweihter Stätte ertheilt, auch einer reinen heiligen Quelle entsprungen, und dass der Redner mit den göttlichen Ideen, die er in die Herzen seiner Zuhörer zu senken bestrebt war, mit den Betrachtungen, mit denen er seine, Gemeinde erbauen wollte, vorerst sein Herz ausgefüllt und er von ihnen selbst erbaut und durchdrungen sein musste., Wir haben hier zwar die Erstlingsprodukte eines jungen Predigers vor uns, und wollen auch hiermit dieselben keinesfalls schon als vollendete mustergiltige Predigten hinstellen, und glauben auch nicht, dass dies die Absicht des von uns persönlich gekannten Bescheidenen Verfassers bei der Veröffentlichung derselben gewesen sei. — Wir wollen dieselben nur als das nehmen, was sie sind, als eine Lammhing von Predigten, die einen tief religiösen Ernst, ein achtungswerthes Streben nach Vervollkommnung auf dem Kanzelgebiete und ein lobenswertbes Ringen nach dem Ideale eines jüdischen Rabbi uen bekunden und stellen sie gerne als ein glänzendes Zeugniss zur Nacheiferung für junge Rabbinatskandidaten hin, wie weit man es durch Ernst, Fleiss, Aus-P dauer und Erglühtsein für den heiligen Berufbringen kann, und wie man selbst bei noch nicht erlangter Reife des Alters und der spä-, teren Erfahrungen eines langjährigen Amtes doch schon so viol des Erspriesslichen und Segensreichen leisten kann, wenn man, wie es bei Herrn Dr. Klemperer der Fall gewesen, nur die besten und auserwähltesten Preöliger sich zum Muster nimmt, und ihnen nachzueifern mit aller Willenskraft bestrebt ist. Sehr angenehm wurden wir daher bei der Lesung vorliegender Sammlung von der Wahrnehmung berührt, dass sich der Herr Verfasser von den unnatürlichen phantasti-' sehen Sprüngen, wodurch manche junge Red- 11er zu blenden glauben, ferne gehalten, wir vermissen mit Vergnügen die gewaltsamen Verrenkungen und unnatürlichen Herbeizerrangen von Midrasch- und Tälmüdzitaten, die bei manchem angehenden -Prediger um jeden Preis herhalten müssen, um seine- Geschicklichkeit auf pyrotechnischem Gebiete und seinen Reichthum an theologischen Quellen der staunenden Menge darzulegen. Im ruhigen 'würdigen Tone, in prunkloser doch gewählter lebensfrischer Sprache, von der sicheren Hand׳ der Logik und Psychologie geleitet, führt der talentvolle Redner sein Thema durch, legt er seinen Zuhörern ein organisches Ganze dar, und unterstützt er seine Thesen mit ungesuchten angemessenen Zitaten aus biblischen und Midrasch-Quellen, um seine/Lehren hierdurch für eine längere Dauer in den Herzen seiner Andächtigen zu fixren. Wir können also die besprochenen Predigten mit gutem Gewissen den Lesern d. Bl. empfehlen, und sind über-' zeugt , dass dieselben Niemand ohne innere Befriedigung aus der Hand legen wird. Wir sehen daher auch einem recht baldigen Ers.cheinen des zweiten Bandes gerne entgegen. ,.Durch Lässigkeit sinkt ־das Gebälk, durch Schlaffheit der Hände dringt Regen in das Haus.״ Predigt von De. Silheratein, Rabb, in Lyck.—Trau er werte, von Hermann. Duschak. — Pädagogische Grundsätze. Von Ignatz Reich. — Literatur. Predigten von Dr W. Kii niperer. Besprochen von L. .1—8. Druck von Sigiuund Burger in Szegedin 1806־.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.