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Ben Chananja · 1866-10-15 · 39 (15.10.1866) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
39 (15.10.1866)
Date
1866-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fantet Jahrgang Erscheint an! 1. und 15. eines jeden Monats 3 -Bogen stark. LrLmMvrLtlousprsls: Ganzjährig 8 st.6—״ Thlr. 10 Sgr., halbj.4fl.—2Thlr. 20 Sgr., vrertelj. 2 fl. v. W. Für Nabbincr, Lehrer und Kantoren ganzjährig 6 fl., halbjähr. 3 fl- Inserate werden angenommen und billigst berechnet. M »S. Szegediit, Öen 15. MtflOet 1866■ י :; Man alionnirt ' im Inland bei allen Postämtern i'\ im Anslande bei Herrn Frans MsolmL WM. Theologie u. WM. M6u m öerneinde, Spagoge und ScMe. ' . Herausgeber und Redakteur: Oberrabbiner zu Szegedin. Die genannten Buchhandlungen nehmen auch, Inserate für uns an. Zet Wsg Set MiNMs-Aesotm in Zetlin. Am Schlüsse seines Werkes ״die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" begleitet Zunz die Schilderung der den öffentlichen Gottesdienst verunstaltenden Mißbräuche mit folgenden Worten: ״Die vorzüglichste Sorgfalt bei den synagogischen Verbesserungen werde daher auf die Abstellung dieser Mängel und Mißbräuche verwendet, und" zunächst auf die Wiedereinführung regelmäßiger gottesdienstlicher Vorträge. Möge der Vortragende Prediger oder Rabbiner, Lehrer öder Redner heißen , wenn er nur aus Bibel und Hagada das Wort Gottes, aus alten und neuen Leistungen das echte Gold, in der Gegenwart den wahren Berus, Und für die Herzen-die Wechte Sprache zu finden weiß." An diese Er- Mahnung schließt sich folgende, im Tone der Profeten gehaltene Verheißung: ״Dann wird wiederum rn deine Tempelo Döchter Zion! der' göttliche Geist emkehren-^Aird sich vernehmen lassen indem lebendigen, Thaten weckeuden Wort, der Begeisterung voll, Institutionen für Israel erzeugend. Der entzündete Funke erlischt nicht wieder; ihn können Verfolgungen nur zu lichter Flamme anblasen, Venu unwiderruflich, wie der Sieg der Freiheit und der Zivilisation, der bürgerlichen Gleichstellung der Juden und ihrer Wissenschaftlichen Kultur, ist die Reform und der Triumph des diese Reform offenbar machenden Wortes. Beglückter als Profeten und Emora's, als Hagadisten und Darschänim, soll die Predigt des Nabbinen, ׳der Vortrag des Religionslehrers, neben Trost und Hoffnung, neben Lehre und Erbauung auch Segen und Freude gewähren; Segen dem freien Israel, Freude aber dem versöhnten Europa." ' ' ׳ Man könnte es sehr auffallend finden, daß ein Vorkämpfer der Wahrheit und FreiheiMwie Zunz, sich für das von'׳ ihm ׳empfohlene und befürworte^ Minimum von Reform begeistern könnte: Wir glauven'^ diese befremdliche Genügsamkeit aus der bürgerlichen Stell sing der, Juden in Deutschlandnamentlich in Preußen, ausden Studien -und den Erlebnissen des verehrungswürdigen Gelehrten erklären zu können.״ - ' / - Als'׳ Zunz׳ die ״gottesdienstlichen Vorträge" herausgab1832 /׳ s'!ließdie bürgerliche Stellung׳ der Juden in Deutschland und׳ besonders in Preußen noch viel zu wün-1 scheu übrig. Unter , den, Gegnern der ^.Emanzipation befanden sich berühmte deutsche Lheologe-n, wie- De Wette, Paulus, Röhr,. Hartmann und;Andere, welche trotz ihrer Freisinnigkeit und wiewol sie selbst mit der Orthodörie ihrer Kirche gebrochen hatten, dennoch kein Bedenken trugen, ihre jüdi-, schen Zeitgenossen für jede Aeußerung eines früher» jüdischen Schriftgelehrten verantwortlich zu machen. Die jüdischen Schriftsteller jener Zeit, deren Standpunkt noch nicht allemhalben überwunden ist, mußten also der Erörterung umfassenderer, nicht den synagogalen Kultus allein betreffender' Reformen aus dem Wege gehen, weil die Besorgniß nahe lag, daß die von solcher Erörterung unzertrennliche Polemik gegen die historisch begreiflichen,, aber mit der heiligen Religion Israels unvereinbaren Verirrungen früherer Zeiten den theologischen Judenfeinden leicht Waffen zu׳ ihrem unedlen Kampfe liefern könnte. " Die feindlichen Angriffe auf das Vermächtniß der Väter gestatteten nicht, daß von demselben ein wissenschaftlich'geordnetes Inventar angefertigr werde. Dazu gehört׳ eine ruhige Behaglichkeit, die nur die Frucht vollständiger Emanzipation sein kann. Der auf den ״ Juden lastende Druck lastet anch auf der jüdischen Theologie':׳ המשעבד בהם למטה כאילו משעבד למעלת (Sifra zu 3 M. 25, 55)! Ferner hatte Zunz, angeregt vielleicht durch die in seine Jugendzeit fallenden Knltusreformen in Seezen, Berlin und Hamburg , seine Studien mit besonderer Vorliebe und mit einem bis dahin noch nicht gekannten Erfolge, der jüdischen LitNMie und'der damit eng verbundenen Literaturgeschichte. zugeWtndet. Demgemäß gestalteten sich auch seine Ideale: EmAzi^ation J6et Juden, Lehrkanzeln für jüdische Literatur an'be^ Universitäten, Restitution der Predigt und der vorpeitaniMen Liturgie'/, äWetische ׳Veredlung des synagogalen Kultus! Ueber diese''Grenzen hinaus sollte das Herkommen nicht alterirt werden8^Endlich ׳trugen auch seine Erlebnisse dazu bei,׳ fein Reformprogramm zu moderiren. Israel Jakobsohn hatte nämlich schon 1815׳ einen gemäßigt reformirten Göttesdienst in Berlin eröffnet , welcher sich der Theilnahme vieler Gemeindeglieder erfreute.'- . . Die Sympathie -der Gebildeten für dey veredelten Kultus mußte durch die Unduldsamkeit, mit welcher die Berliner Regierung denselben verfolgte, nur gesteigert werden. Ju der That wußten es die Reformer zu׳ erwirken, daß Jacobson's Privatsynagoge 1817 ״als Gemeinde-Synagoge wieder eröffnet wurde, nachdem sie gegen Ende 1815 auf hö- Heren Befehl "geschloffen worden war. Doch konnte sich dieser restaurirte Kultus gegen die Wühlerei - der jüdischen ' und ge-, gen den Widerwillen der christlichen Orthodoxie nicht länger als sechs Jahre behaupten. Ein neuer Vermittlungsversuch scheiterte ebenfalls, weil die preußische Regierung, gleich den

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