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Ben Chananja · 1866-09-17 · 37 (17.9.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
37 (17.9.1866)
Date
1866-09-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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659 660 Wir machen uns keine Illusionen. Die Gegenwart ist wenig geeignet, die theologische und religiöse Literatur zn begünstigen. Der Zustand unseres Welttheils ist keineswegs beruhigend, und die Aussicht in die Zukunft nicht überall heiter. Der Krieg, der auch dem ״Ben Chananja" Wunden schlug, ist beendiget und die Waffen ruhen. Wer kann es aber verbürgen, daß sich nicht irgendwo eine Brandfackel an glimmender Asche entzünden werde, um die Schrecknisse und Verheerungen des Krieges über ganze Länder auszubreiten? In dem Geschäftsleben hat sich der Sturm ein wenig gelegt und das frühere Vertrauen scheint allmälig wiederzukehren. Wer kann es aber verbürgen, daß nicht neue Verwicklungen der Verhältnisse neue niederschlagende Erfahrungen herbeiführen werden? In Ungarn ist eine definitive, lebensfähige Organisation der jüdischen Kultusangelegenheiten erst nach der Herstellung normaler gesetzlicher Zustände zu erwarten, zu denen jedenfalls auch die bürgerliche Gleichstellung der Juden gehört. Ohne Dazwischenkunft der Negierung wird jene Organisation kaum bewerkstelliget werden können. Wer wollte es wagen, den Zeitpunkt zu bestimmen, wo das emanzipirte ungarische Israel seine kirchliche Organisation inauguriren wird? Auf direktem Wege läßt sich in diesem Augenblicke dieses Ziel nicht einmal anstreben, da ja die Legislative, von der zunächst die Emanzipation ausgehen soll, noch nicht in Thätigkeit gesetzt ist! Diese und ähnliche Betrachtungen dürfen uns aber nicht abhalten, nach Maßgabe unserer Kraft in Treue und Redlichkeit fortzuwirken. Die im Vertrauen auf Gott ausgestreute Saat reiner Erkenntniß hat zu allen Zeiten reiche, gesegnete Ernten gebracht. Beherzigen und befolgen wir daher das Wort Kohelets: ״Am Morgen säe deine Saat und auch am Abend laß deine Hand nicht ruhen! Denn du weißt nicht, ob dieses gelingen wird oder jenes, oder ob Beides gleicherweise gut ist (11, 6)." Jüdische Zustände in Amerika. (Original-Bericht ans New-Dork.) I. Bei dem hohen Interesse, welches das beispiellos schnelle Emporblühen zahlreicher jüdischer Gemeinden auf der westlichen Hemisphäre und die ekgenthümliche Entwicklang des jüdischen Lebens in dem Lande der unbedingtesten Glaubensfreiheit für unsere Glaubensbrüder in der alten Welt haben muß, werden Berichte über hiesige jüdische Zustände und Verhältnisse den Lesern des ״Ben Chananja" hoffentlich nicht unwillkommen sein. Während vor 20 Jahren einem mir vorliegenden Berichte zufolge 35,000 als die wahrscheinlichste Zahl der in den Vereinigten Staten lebenden Israeliten angegeben wurde, betragt ihre gegenwärtige Seelenzahl in diesen Staten wenigstens 250 bis 300,000, welche Zahl von Woche zu Woche durch fortwährende Einwanderung Wächst. Es gibt in den nördlichen Staten fast keine Stadt von irgend einiger Bedeutung, in welcher nicht eine oder mehrere Gemeinden bestehen. Am zahlreichsten sind die Niederlassungen unserer Glaubensbrüder in New-Nork, Cincinnati, Philadelphia, Baltimore, New-Orleanö und San Franzisco. In meinem heutigen Berichte will ich mich auf die erstgenannte Stadt beschränken. Der allgemeinen Annahme nach leben in New-Nork 50—70,000 Israeliten. Bei dem Umstande jedoch, daß ein sehr großer, ja vielleicht der größte Theil sich keiner der bestehenden Gemeinden angeschlossen, läßt sich keine sichere Zahl angeben. Gegenwärtig bestehen hier 28 Gemeinden, von denen die größten nicht über 300 Familien zählen. Unter diesen Gemeinden ist eine portugiesische, 2 englische, 2 französische, 1 holländische, 1 böhmische, 8—10 deutsche; die übrigen sind polnische Gemeinden. Jede Gemeinde führt einen eigenen hebräischen Namen, neben welchem sie zuweilen auch noch einen Namen nach der Straße, in der sich ihre Synagoge befindet, oder nach dem Heimatslande der meisten ihrer Mitglieder, zn führen pflegt. Außer einer Synagoge besitzt jede Gemeinde ihren eigenen Gottesacker. Diese בתיקברות, welche meistens in guter Ordnung gehalten werden, befinden sich sämmtlich mehrere Meilen von der Stadt entfernt. Unter der Synagoge befindet sich in der Regel ein Lokal zur Ab- Haltung der Gemeindeversammlungen und das Amtszimmer des Gemeindevorstandes. Die Angelegenheiten der Gemeinden werden durch einen Board of Trustees geleitet, an dessen Spitze ein Präsident oder Parnas steht. Die Macht dieses Gemeindevorstandes ist sehr beschränkt, da alle wichtigen Angelegenheiten vor die Gemeindeversammlung, welche regelmäßig zwei Mal jährlich stattfindet, gebracht werden müssen. Rabbiner und Prediger gab es vor einem Jahre uur in zwei Gemeinden, nämlich Dr. S. Adler bei der Tempelgemeinde und Dr. Raphall bei der Gemeinde Bne Jeschnrun. Im Laufe dieses Jahres sind zwei hinzugekommen, nämlich Dr. Mielziner bei der Gemeinde Anshi Chesed und Dr. Seligsohn bei der Gemeinde Schaare Haschamajim. Vor Kurzem haben noch zwei Gemeinden Rabbinen berufen, die aber noch nicht ihr Amt angetreten, nämlich die zweite Tempelgemeinde den Dr. Einhorn aus Philadelphia und die böhmische Gemeinde den Dr. Hübsch aus Prag. Die anderen Gemeinden begnügen sich mit einem Chasan, der die geistlichen Funktionen versteht. שוחטים sind nicht von den Gemeinden angestettt und stehen überhaupt unter keiner andern Kontrolle, als der sie engagirenden Fleischhändler, so daß hier der Grundsatz der Mischna הכל שוחטין zur vollen Geltung gekommen. Für den Nachsatz ,ושחיטתן כשח״ möchte ich aber hier doch nicht einstehen. Bei dem Umstände, daß die Mitglieder einer Gemeinde oft meilenweit von einander getrennt wohnen, ist eine Kontrolle von Seiten der einzelnen Gemeinden unmöglich und wäre eine solche uur denkbar, wenn die verschiedenen Gemeinden sich z» diesem Zwecke vereinigten und etwa ein gemeinsames בית הין zur Beaufsichtigung aller Schochtim einsetzten. Eine solche

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