Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 36 (5.9.1866)
- Date
- 1866-09-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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655 656 Wir lieben Gott — Gott liebt uns — diese feste Überzeugung lässt uns siegen über alle Leiden, macht uns triumphiren über den Tod. Sollte daher Jemand unter euch, m. Br. u. Schw., durch Ereignisse des abgelaufenen Jahres, das auch des Betrübenden Vieles aus seinem Schoße gebar, verzagt, muthloS oder traurig gewesen sein, der möge in diesem Augenblick — in dem Gedanken, daß Gott die ewige Liebe und Alles, was von ihm kommt, gut ist, auch wenn wir das nicht einzusehen vermögen, sich gestärkt und gekräftigt fühlen zur neuen Lebensbahn, die das eintretende Jahr ihm eröffnet. Heute sei jede Traurigkeit verbannt, freudigen Muthes, heitren Vertrauens wollen wir aufblicken zur ewigen Liebe — zu unserem ewigen, einzigen Gott. קדוש היום לאדנינו אל תעצבו כי חדות ה׳ היא מעזכם ״Heilig ist dieserTag unsrem Herrn, seid nicht traurig; denn die Freudigkeit Gottes ist eure Zuversicht!" — (Neh. 8, 10.) In dieser heiligen Freudigkeit lasst uns beten: Ewiger, uuser Gott, der du warst von Ewigkeit und bist in jeder Zeit und sein wirst in Unendlichkeit, dich loben und preisen wir mit Herz und Mund, dich bekennen wir mit jedem Zuge unsres Odems, mit all unsrem Denken und Empfinden. Unendlich groß und erhaben bist du über Alles, was wir zu fassen nnd greifen vermögen. Wie könnten wir uns vermessen zu fragen: Herr, was thust du? — In Demuth verharren, schweigen, staunen, dulden, anbeten — daS ist's, was uns geziemet. Überwältigt von den andrängenden Gefühlen des Dankes möchte unser Herz die Schleusten unsrer Lippen überströmen; aber auch dazu fühlen wir uns zu schwach und zu ungeschickt: denn wollten wir die Wohlthaten, die Du uns erwiesen hast alle aufzählen, das Gute, das wir aus deiner Hand empfangen, beschreiben — die Freuden, die Du uns hast empfinden lassen, herrechnen — es würden unsre Tage früher enden, als unsre Worte — und welche Zunge wäre beredt genug, zu ״sprechen Gottes Großthaten, zu verkünden all' sein Lob." (Ps. 106, 2.) So möge denn unser kindliches Lallen, unser uuverstündliches Stammeln für den Ausdruck unseres Dankes gelten, Herr unser Gott, der Du die Gedanken kennest und die Gefühle schauest! — Deine ewige Liebe aber wird es verzeihen, wenn wir in unsrer Kurzsichtigkeit es dennoch wagen die Münsche unsres Herzens vor deinem Throne niederzulegen. Lasse, o Barmherziger, mit dem entschwundenen Jahre auch alle Üebel entschwunden sein, die uns ängstigten und betrübten und Trauer brachten in unsre Familien. Nimm von uns deine strafende Hand und lasse die Sonne deiner Huld und Gnade uns leuchten! — Ünser Gebet steigt zu dir empor mit denen und für alle die, welche nicht an dieser geheiligten Stätte bei uns sein können, die vom Krankenbelte aus zu dir stöhnen, die am Schmerzenslager theurer Angehörigen zu dir seufzen, die hinter Kerkermauern nach dir schmachten, die in der Fremde umherirrend sich nach dir sehnen, die von den Wellen des Meeres aus ihre Blicke zu dir erheben. O erhöre unser gemeinschaftliches Gebet und lasse uns nnd sie mit diesem Jahre eingehen zum Leben, laß dieses Jahr uns und ihnen bringen Genesung und dauernde Gesundheit und Erlösung von jeglichem Nebel und Befreiung von jeder Noth und Gefahr! Lasse das kommende Jahr, sein ein Jahr des Segens, in welchem die Felder geben ihren Ertrag und keine Plage verkümmert die Ernte deS Lebens, in welchem dn Gedeihen sendest in unser Werk, daß Jeglicher finde sein tägliches Brod durch seiner Hände Fleiß. Lasse, o Gott, deine Erkenntniß sich immer mehr ausbreiten unter den Menschen, damit sie allzumal als deine Kinder sich fühlen, in Liebe sich einander helfen und sich brüderlich die Hände reichen! Segne unser Vaterland und Ihn, den du berufen hast, es zu beherrschen mit Weisheit und Gerechtigkeit, segne alle seine getreuen und redlichen Diener jedes Standes und jeden Berufes. Segne unsre Stadt, ihre Obrigkeit, ihre Bürger, und ihre Bewohner, schütze sie vor Schaden, behüte sie vor Krankheiten, vor Krieg von außen und vor Zwist von innen! — Segne, o Gott, die Anstalten, die wir hergestellt zu deiner Verehrung, zur Förderung deiner Wahrheit in dieser Gemeinde und im Hause Israel — unsre Bethäuser, unsre Lernhäuser, unsre Schulen, unsre WohlthatkgkeitSanstalteu und milden Stiftungen. Segne und stärke auch mich, deinen Knecht, gib mir Kraft, rüstig zu arbeiten in den Berufsgeschäften, die mir in dieser Gemeinde übertragen sind, laß es mir gelingen durch Wort und That die Keime der Wahrheit, der Tugend und deS Edelsinns zu wecken und daraus Blüthen zu fördern, Früchte zu zeitigen zu deiner Ehre und zur Verherrlichung deines Namens hier, in Israel und unter allen Menschen! Stimme ein, o Gott, in meinen Gruß an die Gemeinde: Amen. לשנה טובח תכתבו ותכתבנה אחי ואחותי Griefe aus der Somogy. (Fortsetzung.*) K. Die Institution der K o m i t a t s r a b b i n e r bestand in der Somogy, wie ich bereis in meinem ersten Briefe Gelegenheit hatte zu erwähnen, etwas über 100 Jahre. Bekannt sind nur die vier letzten Komitatsrabbinen: Jechiel Hirsch Klein, Schalom U l l nt a u u, Wolf Abelcs nnd Tobias K o h n. Jechiel Hirsch Klein versah daS Somogycr Komitatsrabbinnat über vierzig Jahre. Er wurde allgemein geschätzt nnd geliebt. Bor feinem Tode empfahl er Tobias Kohn, der sich bei ihm ausbildete und sein Schwiegersohn war, zu seinem Nachfolger. Man folgte seiner Empfehlung und trug Kohn »ach dem Tode seines greisen Schwiegervaters das Komitatsrabbinat au, doch er, damals ebenso jung als bescheiden, lehnte den ihn sehr ehrenden Antrag ab. Man wählte hierauf den in Fürth gebornen S ch a l o m U llma 1t n , Vater der bekamtten Nabbinen Abrahant in Lakenbach und Salamon in Rendck mtd Mako. Ulmann amtirte in der Somogy nur 1'/, Jahre, die hänsigeu auswärtigen Rabbinatsgeschäfte vertrirgen sich mit feinem Stndieneifer nicht; ich bin hier kein Naw, sondern ein Fahrer (für Pfarrer) soll er häufig geklagt haben; dazu gesellte sich noch die nncndlichc Furcht vor der sprichwörtlich gewordenen Wildniß der Somogy, nnd Ulmann folgte einer Vokatioit nach Freistadt. Der furchtsame Aschkenasi ging übrigens aus dem Regen in die Traufe, denn in Freistadt hatte er das tragische Schicksal, von den Franzosen eines Freitag Abends ans seinem Hause hcrausgeschleppt und direkt unter den Galgen gebracht zn werden, nnd die arme Gemeinde mußte um eilt bedentettdes Lösegeld ihren Rabbiner loskanfen. — Zu fetter Zeit machte sich in Groß-stanischa ein junger Talmudist seltenen Fleißes nnd ernster Frömmigkeit benierkbar; als Waise von dcnt Talmudthora-Verein in Kanischa erzogen, war er bestimmt, auf halachischem Felde eine Zierde Kanischa's zn werden; lange Zeit war er unter den Namen Jakob L ö w Kanischa bekannt, später nannte er sich Ster n. Als Dajjan in Kanischa erhielt er eine Vokatioit itt die Sontogy, ec nahm aber dieselbe nicht an. Gegenwärtig lvirkt sein gelehrter Sohn als Bezirksrabbiner in Lengyel-Toti. Derselbe lässt in der Somogy die Fackel der Aufklärung leuchten und ist den Lesern des ״Ben Ehananja" durch seine gelehrten Artikel hinlänglich bekannt. Nachdent der alte Herr die Vokation nicht annahnt, siel die Wahl auf W o l f A b e l e S, einen gewandten Talmudisten, der als ordentliches Geittcindcmitglied die Perle Taponürs und der Somogy war. Aber für Taponrlr erwuchs bereits eine Nivalgemcinde zu Tabb an der Grenze des Tolnauer Komitats. Es entspinnt sich ein mächtiger Streit ttnt den Sitz des Komitatsrabbiuats und Taponrlr gibt, bei Verwahrung seines Rechtes für die Zttkunst, nach. Abeles übersiedelt nach Tabb, nnd amtirt hier geliebt und verehrt bis 1820. Während dieser Zeit wirkt zugleich in Taponür der Lokal-Rabbiner M o s e s Masch, die Grabschrist hält ihn für eminent in ta mndischer Wissenschaft; er starb mit Abeles in einem Jahr. Itt demselben Jahr starb zn Bonyh-id der berühmte Talniudgelehrte und Rabbiner Wolf Boskowitz. Die Nachricht hievon traf seinen Freund und Verehrer Abeles bei einem Ehevra-Kadtscha-Mal in Gige (Soittogy.) Die Erschütterung wirkte so mächtig anf den auch sonst sehr schwächlichen Mann, daß er drei Tage darauf starb. — Nnn war wieder eine Wahl, u. z. die letzte Wahl eines Komitatsrabbiners für die Sontogy. Es ergeht die Vokation an den bereits genannten Tobias Kohn. Derselbe, 24 Jahre lang Rabbiner zn Küssing, folgte jetzt willig dem Rufe und nahm den nun wieder nach Taponrlr verlegten Sitz des KomitatSrabbinerö ein. _(Fortsetzung folgt.) *) S. Nr. 3Q.